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Antisemitisch und rassistisch!

Von Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker

Die Historikerkommission verfolgt die Absicht, die Geschichte der FPÖ in wissenschaftlich unangreifbarer Weise, um größtmögliche Objektivität bemüht, darzustellen. Letzteres soll durch die Einbindung von Historikern aus ganz anderen weltanschaulichen Lagern erreicht werden, so daß im abschließenden Text verschiedene Sichtweisen, die einander nicht zur Gänze entsprechen müssen, vertreten sein können. Thematisch ist das Feld weitgespannt und soll die FPÖ als Partei der Zweiten Republik in allen Facetten beleuchten. Soweit Nationalratspräsident a. D. Univ.-Prof. Dr. Wilhelm Brauneder bei einem von unserer Zeitschrift ausgerichteten Vortrag in Wien. Dagegen ist nichts zu sagen. Im Gegenteil: Mit einem solchen Arbeitsauftrag ausgestattet, erweist sich die von H.-C. Strache ins Leben gerufene Historikerkommission als wichtiges, zukunftsweisendes Projekt, haben doch andere österreichische Parteien ihre Geschichte in ähnlicher Weise aufbereitet. 

Die Vorwürfe, die gegen einzelne Funktionäre der FPÖ oder gegen ihr nahestehende Medien immer wieder erhoben werden, zielen jedoch fast ausschließlich auf die Verbreitung rassistischer und/oder antisemitischer Gedanken. Die FPÖ wird nicht umhinkommen, dazu eindeutig Stellung zu nehmen. Um feststellen zu können, welche Äußerungen von diesen Begriffen erfaßt werden und welche nicht, ist eine klare Definition vonnöten. Ob die Historikerkommission das geeignete Gremium ist, eine solche vorzunehmen, mag dahingestellt bleiben, in einem Bericht über die Geschichte und das bisherige Wirken der FPÖ sind sie wohl fehl am Platz. Für die Partei selbst ist eine klare Begriffsbestimmung hingegen unumgänglich.

Wie kann man nun Antisemitismus, hier verstanden als Judenhaß, definieren? Eindeutig vorhanden ist er, wenn folgende vier Gedankengänge miteinander verbunden sind:

  1. „Die“ Juden werden als eine Einheit gesehen (die vor allem genetisch bzw. „rassisch“ definiert wird), ohne die innere Vielfalt des Judentums in religiöser oder politischer Hinsicht anzuerkennen. 
  2. Es wird ein unüberbrückbarer Gegensatz zwischen „den“ Juden und „den“ Deutschen, Europäern etc. behauptet.
  3. Die Wesenszüge der modernen Welt werden zum allergrößten Teil auf den Einfluß „der“ Juden bzw. „des jüdischen Geistes“ zurückgeführt und vornehmlich negativ beurteilt.
  4. Aus alldem wird die Notwendigkeit einer (wie immer auch gearteten) Diskriminierung „der“ Juden abgeleitet. 

Es wird wohl niemand bestreiten, daß diese vier Punkte die Wesenselemente antisemitischen Denkens sind. Was aber, wenn ein Autor wie Yuri Slezkine in seinem Buch „Das jüdische Jahrhundert“ die Moderne als tatsächlich durch jüdisches Denken bestimmt darstellt und sogar schreibt, daß alle Menschen der Moderne in gewisser Weise jüdisch denken, ja „zu Juden geworden sind“, dabei aber die Moderne grundsätzlich positiv beurteilt? Zumindest Punkt 3 ist in Slezkines Buch gegeben, die Geburt der Moderne aus dem Wesen des jüdischen Denkens heraus, doch nicht negativ, sondern positiv gesehen. Vielleicht deshalb wurde Slezkine bisher von niemandem antisemitischen Denkens oder gar des Selbsthasses geziehen. 

Ist es jedoch „Antisemitismus“, wenn sich jemand wie Univ.-Doz. Friedrich Romig auf die Analysen von Slezkine stützt, gleichzeitig aber die Moderne aus christlicher Sicht negativ bewertet? Weder findet sich bei Romig Punkt 4, noch ist Punkt 2, der unaufhebbare Gegensatz, gegeben. Auch bezüglich Punkt 1 bestimmt Romig das Judentum nicht genetisch, sondern geistig. Dabei wird die jüdische Religion nicht pauschal abgelehnt, sondern dem Judentum, gestützt auf Martin Buber, vorgeworfen, dem mit der Stiftung seiner Religion ursprünglich verbundenen Gottesauftrag untreu geworden zu sein. In dieser Sichtweise trifft sich Romig letztlich mit den Vertretern des ultra-orthodoxen Schulchan-Aruch-Judentums. „Antisemitisch“ kann man eine solche Sichtweise nur in denunziatorischer Absicht nennen – und genau das geschieht immer wieder. 

Und der Rassismus?

Ist es schon rassistisch, bloß von der Existenz verschiedener rassischer Großgruppen zu sprechen? Keinesfalls, denn dabei handelt es sich um eine biologische Tatsache. Nicht zuletzt in den USA werden Afroamerikanern bei vielen Krankheiten andere Medikamente verschrieben als Weißen, einfach weil sie besser wirken. Ist es rassistisch, von Unterschieden zwischen menschlichen Großgruppen (also nicht nur zwischen Rassen, sondern sogar zwischen einzelnen Völkern) zu sprechen? Ebensowenig, wie übereinstimmend die Ergebnisse der Genforschung zeigen; vergleiche etwa J. Philippe Rushton: „Rasse, Evolution und Verhalten“, Ares Verlag 2005 und den Aufsatz „Die unterschiedlichen Temperamente der Völker“ von Andreas Vonderach in dieser NO (S. 46). 

Sich aus ideologischen Gründen gegen die Ergebnisse naturwissenschaftlicher Forschung zu stellen, ist einfach nur dumm, die Tatsache genetischer Unterschiede zwischen den menschlichen Großrassen, sogar zwischen einzelnen Völkern, sind schlicht und einfach unbestreitbar. Allerdings lassen sich damit nur statistisch mehr oder weniger wahrscheinliche bzw. zutreffende Aussagen über Großgruppen machen, während das einzelne Individuum auf diese Weise nicht hinreichend bestimmbar ist. Was also ist rassistisch? 

  1. Die Reduktion des Menschen auf die Biologie. Die ausschließliche Zurückführung der Unterschiede zwischen menschlichen Gruppen auf genetische Ursachen unter Außerachtlassung religiöser, kultureller, politischer, geographischer und sonstiger Gesichtspunkte.
  2. Die Klassifizierung gegebener Unterschiede nach einem System von „Höher- und Minderwertigkeit“. Solche Klassifizierungen sind immer kulturabhängig, für den Angehörigen eines Jäger- und Sammlervolkes in einem Wüstengebiet sind andere Eigenschaften überlebensnotwendig und sozialprestigeerhöhend als für die Bewohner von Großstädten im industrialisierten Teil der Welt. Aus christlicher Sicht zählt zuletzt nur die Nähe eines Menschen zu Gott, und dafür spielt der Intelligenzquotient mit Sicherheit keine Rolle. 
  3. Auch der einzelne Mensch wird ausschließlich aufgrund seiner Zugehörigkeit zu einer bestimmten Großgruppe beurteilt, zum Beispiel (aber nicht nur), was seine Ausstattung mit bestimmten Rechten betrifft. So waren in den USA bis in die 1960er Jahre verschiedene öffentliche Einrichtungen nach rassischen Kriterien zweigeteilt.
  4. Ihre Zuspitzung erfahren diese Punkte im „Rassenhaß“, der Verächtlichmachung bestimmter menschlicher Gruppen, deren Angehörige als nicht „gleichwertig“ betrachtet werden. 

Wer Gleichartigkeit behauptet, lügt

Wer die Gleichartigkeit von Menschen behauptet, lügt, wer ihre Gleichwertigkeit in Abrede stellt, ist ein Rassist. Gleichartig sind wir Menschen nur im Höchsten und im Niedrigsten: in unseren animalischen Instinkten einerseits und in der Gotteskindschaft andererseits. Im ganzen dazwischen gelegenen Bereich unterscheiden wir uns radikal: nach Rassen, Völkern, Stämmen, Regionen, Klassen, Schichten und Ständen, Religionen und Kulturen, individuellen Eigenschaften und Charakterzügen. 

Die grundsätzliche gleiche Wertigkeit ergibt sich aus der Gotteskindschaft der Menschen, doch wird niemand die faktische Gleichwertigkeit eines Lustmörders und seines unschuldigen Opfers behaupten wollen. Auch wird uns der Tod nahestehender Menschen mehr berühren als der von Personen, über deren Schicksal wir nur in der Zeitung gelesen haben. Es gibt Menschen, die für uns „wertvoller“ sind als andere. Die Opfer österreichischer Naturkatastrophen werden bei uns mehr Solidarität und Hilfe erfahren als die Opfer einer Überschwemmung in einem fernen Weltteil. Nicht weil das ertrunkene Kind in Bangladesch objektiv weniger „wert“ wäre als das österreichische, sondern weil uns das Schicksal des einen direkter berührt als das des anderen. Wir kommen nicht umhin, Geschehnisse nach „Nähe“ und „Ferne“ zu klassifizieren, wobei die Zugehörigkeit zum selben Staat, zum selben Volk oder zur selben Religion „Nähe“ trotz gleichzeitiger geographischer Ferne bedeuten kann. Könnten wir diesen Unterschied nicht machen, es würde uns das Herz zerreißen angesichts all des Unglücks und Elends in der Welt. 

Daraus läßt sich eine Fürsorgepflicht des Staates zuallererst für seine Staatsangehörigen ableiten, ohne daß dies vom Rassismusvorwurf berührt wird. Allenfalls kann ein Staat beschließen, nach bestimmten Kriterien auch eine Fürsorgepflicht für andere Gruppen einzugehen. Österreich etwa, indem es den Südtirolern die Option auf Doppelstaatsbürgerschaft einräumt, und Deutschland, das sich volksdeutscher Minderheiten in Osteuropa und Rußland annimmt; ein christlicher Staat, der sich um verfolgte und vertriebene Christen in intensiverer Weise kümmert als um Angehörige anderer Religionen.

Antisemitismus und Rassismus sind zu Totschlag-Vokabeln geworden, sie werden im politischen Tageskampf zur Vernichtung eines Gegners eingesetzt. Dagegen muß sich die FPÖ wehren, die klare Verurteilung von Antisemitismus und Rassismus durch H.-C. Strache ist dafür ein wichtiger Schritt. Der zweite Schritt muß eine klare Definition dieser Begriffe sein, um festzustellen, welche Äußerungen rassistisch oder antisemitisch sind und welche eben nicht. Auch die Funktionäre der FPÖ müßten sich dann an eine solche nachvollziehbare Sprachregelung halten und nicht mehr über jedes Stöckchen hüpfen, das ihnen die Medien hinhalten. Auf diese Weise könnte die FPÖ sogar wieder aus der bloßen Defensive in eine „pro aktive“ Phase eintreten. 70 % der Bevölkerung oder mehr unterstützen nämlich die diesbezüglichen Positionen der FPÖ. Johann Gudenus‘ Kritik an George Soros wird inhaltlich von einer großen Mehrheit der Österreicher geteilt, auch wenn vielen das dazu nötige Hintergrundwissen fehlt. Diese schenken dann der Verleumdung von Gudenus als Antisemiten Glauben, doch seine Kritik an Soros war nicht nur deshalb nicht antisemitisch, weil auch die „Jerusalem Post“ und Benjamin Netanjahu in vergleichbarer Weise über diesen urteilten, sondern vor allem weil George Soros aufgrund seiner Herkunft nicht sakrosankt ist. Wer antisemitisches Denken wirklich aus den Köpfen verbannen will, muß Juden als Menschen unter Menschen sehen, in gleicher Weise kritikwürdig wie alle anderen auch. Kritik an jüdischen Einzelpersonen, Vereinen oder Organisationen ist keinesfalls antisemitisch, wenn sie nicht aufgrund ihrer Religions- bzw. Volkszugehörigkeit verächtlich gemacht werden. Auch das kann man der Bevölkerung erklären, und sie wird sich gegen jene politischen Kräfte wenden, die immer wieder die Schlagworte von Antisemitismus und Rassismus mißbrauchen, weil ihnen die Argumente ausgehen. 

Nachsatz

Linke Medien schrecken auch vor sinnentstellenden Zitatkürzungen nicht zurück, wie es etwa diese Zeitschrift wiederholt erfahren mußte. So erschien im letzten Jahr in der Neuen Ordnung ein Artikel, dessen Autor sich mit dem Wesen der deutschen Kultur befaßt hatte und zum Schluß gekommen war, daß diese unauflösbar mit dem Christentum verbunden sei. Seine Schlußfolgerung war, daß daher Deutscher sein auch Christ sein heiße und Christ sein bedeute, nicht Jude, Mohammedaner, Heide, Atheist oder Hindu zu sein. Der „Standard“ hat dieses Zitat dann auf die Hälfte beschnitten wiedergegeben und behauptet, wir hätten geschrieben: „Deutsch sein heißt Christ sein und Christ sein heißt nicht Jude sein.“ Damit wurde unserem Autor eine ganz andere Aussage, als sie ursprünglich beabsichtigt war, und gleichzeitig antisemitische „Hetze“ (so wörtlich!) unterstellt. Juristisch kann man sich nach der gegenwärtigen Gesetzeslage gegen solche Unterstellungen nicht zur Wehr setzen, was Verleumdungskampagnen gegen widerständige Medien und Publizisten ermöglicht hat. Es wäre wichtig, die Pflicht zur sorgfältigen und vollständigen Zitierung wieder herzustellen, um den Mißbrauch der Meinungsfreiheit in Österreich einzudämmen.

 
Neue Ordnung, ARES Verlag, A-8010 Graz, EMail: neue-ordnung@ares-verlag.com