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Sozialbiologie – ein gefährliches Gebiet

Der junge Charles Darwin: die Bedeutung der „Entstehung der Arten“ (1856) für das moderne Menschenbild ist nicht zu überschätzen. Danach beginnt die Vererbungslehre.
Francis Galton, ein Vetter von Charles Darwin, fertigte die ersten Familienstammbäume an. Hier registriert er die Begabungen in der eigenen Familie.
Otmar von Verschuer machte sich als Erbforscher speziell an Zwillingen schon vor 1933 einen Namen. Später galt er als einer der skrupellosesten NS-Wissenschaftler.
Die gängigen Intelligenztests prüfen vornehmlich die technische und mathematische Eignung ab. Sie erlauben Voraussagen für die spätere berufliche Leistung.
Kein Beweis für die Macht der Vererbung: die Kessler-Zwillinge wurden von ihrem Vater fürs Showgeschäft schon als kleine Mädchen gedrillt.
Die moderne Präimplantationsdiagnostik ist eine Eugenik durch die Hintertür. 90 Prozent der Frauen lassen bei Down-Syndrom abtreiben.

Von Dr. Angelika Willig

Zum neu erschienenen Buch von Andreas Vonderach

Stellen Sie sich vor, eine ökologische Katastrophe steht bevor, doch fehlt noch der letzte Beweis dafür. Es gibt einzelne Fachleute, die alles für harmlos erklären. Dabei drängt die Zeit. Wenn die volle Gewißheit da ist, wird es bereits zu spät sein. Es handelt sich um ein komplexes Geschehen mit verheerenden Folgen. Ein Zaudern können wir uns nicht leisten.

Die Rede ist hier nicht von der sogenannten Klimakatastrophe. Wir sprechen von dem Risiko eines raschen Verfalls des menschlichen Erbguts. Auch hier läßt sich der Ausgang nicht mit letzter Sicherheit vorhersagen. In seiner Komplexität entzieht sich das Geschehen der exakten Berechnung. Es gibt aber deutliche Hinweise. Im Unterschied zum Klima können wir sicher sein, daß die Ursache im menschlichen Verhalten selber liegt. Die menschliche Fortpflanzung unterliegt seit dem 19. Jahrhundert infolge besserer medizinischer Versorgung einer Veränderung. Eine „natürliche Auslese“ findet in geringerem Maße statt als früher. Seit dem 20. Jahrhundert kommt die Geburtenplanung hinzu. Die unteren Schichten haben deutlich mehr Kinder als die Leistungsträger. Wem es gelingt, durch eigene Leistung in eine höhere Gesellschaftsschicht aufzusteigen, nimmt in den meisten Fällen das entsprechende Fortpflanzungsverhalten an. Als Folge davon verringert sich die Zahl der Begabten im Verhältnis zu den weniger Leistungsfähigen.

Mensch als wichtigster Rohstoff

Dieser Mechanismus würde eines Tages zu dramatischen Folgen führen. Gerade in einer hochtechnisierten Gesellschaft, wo immer mehr Fachkräfte benötigt werden und immer weniger Hilfsarbeiter, würden immer weniger Steuerzahler für immer mehr Sozialempfänger aufkommen müssen. Dabei geht es nicht um das Verschieben von Geldbeträgen, wie es von links oft dargestellt wird, sondern um reale Arbeit, die geleistet werden muß, um einen allgemeinen Lebensstandard zu garantieren. Es klingt hart, doch in diesem Sinne ist der Mensch tatsächlich ein Rohstoff („human ressource“), den das System ebenso benötigt wie Energie oder Wasser. Und wie bei jedem Rohstoff kommt es auf die Qualität an. Unterschreitet sie ein bestimmtes Niveau, dann ist der Stoff nicht mehr zu gebrauchen. Ja, noch mehr: der Mensch verwandelt sich in einen steigenden Kostenfaktor. Nicht nur der laufende Unterhalt muß aufgebracht werden, sondern auch Alterssicherung und medizinische Versorgung.
Viele wehren sich gegen eine solche Betrachtungsweise des Menschen. Doch ist damit keine absolute Wertung verbunden. In mancher Hinsicht mag der Wert eines Menschen von seiner wirtschaftlichen Leistung unabhängig sein. Doch wer in Wohlstand und Sicherheit leben will, muß sich dem Leistungsprinzip letztlich auch beugen. Alles, was an Sozialleistungen geboten wird, muß von den Tüchtigen erwirtschaftet werden. Wenn dieser Menschentyp buchstäblich ausstirbt, bricht das System unweigerlich zusammen.
Zu den Klassenunterschieden im Gebärverhalten kommen die Unterschiede zwischen Weißen und Farbigen. Ob innerhalb Europas oder in den Herkunftsländern ist die Geburtenrate bei der farbigen Bevölkerung deutlich höher. Zugleich gehören Farbige (zum Beispiel in den USA) sehr viel häufiger der Unterschicht an. Was wäre nun, wenn der Grund hierfür in einer durchschnittlich geringeren Begabung von Schwarzen für höher qualifizierte Tätigkeiten läge? Dann würde sich diese Geburtenstärke doppelt verhängnisvoll auswirken. Auch die Kriminalitätsrate und die Zahl der Drogenabhängigen sind bei den Schwarzen deutlich höher, was zusätzliche Belastungen für die Gesellschaft bedeutet.
Im Unterschied zur Klimakatastrophe wird über die genetische Gefahr so gut wie gar nicht gesprochen. Hier werden keine Konferenzen einberufen und keine Riesensummen bewilligt, um Abhilfe zu finden. Im Gegenteil: Noch immer fördert die Sozialfürsorge de facto die Geburt schwachbegabter Kinder. Diese Kinder werden dann mit zweifelhaftem Erfolg und unter hohen Kosten gefördert. Noch können wir uns das leisten – aber wie lange?

Die wissenschaftlichen Fakten

Wer dagegen spricht, bekommt es meist mit dem Einwand zu tun, die Vererbbarkeit von menschlichen Eigenschaften sei überhaupt nicht bewiesen. Um sich über den derzeitigen wissenschaftlichen Stand klar zu werden, leistet das gerade erschienene Buch von Andreas Vonderach gute Dienste (Berliner Schriften zur Ideologienkunde, Bd. 2, IfS, 2012). Unter dem Titel „Sozialbiologie, Geschichte und Ergebnisse“ stellt es auf 200 Seiten einen Wissenschaftszweig dar, der etwa im Vergleich zur Ökologie noch recht übersichtlich ist. Es beginnt erst Mitte des 19. Jahrhunderts mit Francis Galton, einem Vetter Charles Darwins und Begründer der menschlichen Vererbungslehre. Mit Darwin hatte eine völlig neue Auffassung vom Menschen begonnen. Sie machte nicht nur der Kirche zu schaffen. Weniger bekannt ist, wie der Darwinismus das gesamte moderne Menschenbild in Frage stellt. Der neuzeitliche Humanismus nämlich bezieht sich auf Aristoteles, der den Menschen als ein „Lebewesen“ definiert hatte, das „über Vernunft verfügt“. Vernunft, Freiheit und politische Gestaltung heben sich deutlich von der natürlichen („zoologischen“) Wesensart des Menschen ab. In der Sphäre der Vernunft gelten nicht mehr die Gesetze der Natur, und der Mensch unterliegt nur der eigenen Selbstbestimmung. Von dieser Annahme gehen alle fortschrittsorientierten und utopischen Gesellschaftsentwürfe aus. In diesen Kategorien von Freiheit und Vernunft denken auch die Philosophen des 18. Jahrhunderts, die Demokratie und Gleichheit der Menschen fordern. Für sie ist der Mensch in erster Linie das Subjekt, das denkt und urteilt. Die Tatsache, daß dieses Subjekt de facto stets mit einem Körper verbunden ist, der keineswegs frei, sondern den Naturgesetzen unterworfen ist, wird im Konzept der „Menschenrechtsideologie“ völlig ausgeklammert. Erst mit Darwin beginnt man zu begreifen, daß die dualistische Sichtweise auf den Menschen falsch ist. Körper und Geist sind nicht voneinander zu trennen. Der Mensch stellt eine untrennbare Ganzheit dar. Er trägt die Natur und damit die Grenze seiner Möglichkeiten als Schicksal in sich.
Daß damit die gesamte moderne Weltanschauung hinfällig ist und alle Hoffnungen, die damit verbunden sind, fällt zunächst gar nicht auf. Die Philosophen kümmern sich wenig um die Erkenntnisse der Biologie. Und die Biologen mischen sich nicht in die Gesellschaftswissenschaften. Es entsteht eine Spaltung in „zwei Kulturen“, von denen die eine für den Menschen, die andere für die Natur zuständig ist.
Bald gab es allerdings auch Bestrebungen, den Menschen in eine biologische Auffassung mit einzubeziehen. Vielfach wird darunter der „Sozialdarwinismus“ verstanden. Das ist falsch: Sozialdarwinismus bedeutet die Übertragung des Prinzips vom „Kampf ums Dasein“ auf die Wirtschaft und Gesellschaft. Das ist unwissenschaftlich. Die Sozialbiologie untersucht das Fortwirken biologischer Zusammenhänge unter den Bedingungen der Zivilisation. Während das Bildungsangebot stark vom Zivilisationsgrad abhängt, stellt sich heraus, daß die Fähigkeit zum Erwerb dieser Bildung weiterhin an genetische Voraussetzungen geknüpft bleibt. „Es gibt keine Ausflucht vor der Folgerung“, erklärte schon Francis Galton, „daß die Vererbung weit stärker als die Umwelt ist, wenn die Unterschiede nicht das übertreffen, was man gewöhnlich bei Menschen derselben Gesellschaftsschicht und desselben Landes findet.“ Für Anhänger der Milieu-Theorie ist es jedoch einfach, gegen die aus Stammbäumen gewonnenen Erkenntnisse zu argumentieren. Auch die Beispiele von Trinker- , Asozialen- oder Verbrecher-Familien (Cesare Lombroso) begegnen immer wieder dem Einwand, daß sich hier das Milieu schädigend auswirke.

Eugenische Bewegung

Dennoch kam es um die Jahrhundertwende zur „Eugenischen Bewegung“. Dabei ging es um die Forderung nach politischen Maßnahmen, um die Kinderzahl der Leistungsfähigen zu erhöhen. Wichtig ist, daß die „Eugeniker“ niemals die Züchtung eines „Übermenschen“ oder die Förderung bestimmter Einzelmerkmale (wie sportliche Eignung, Schönheit oder dergleichen) im Sinn hatten. Diese Unterstellung begegnet uns immer wieder. Dabei wird die Tatsache übersehen, daß durch die Zivilisation bereits eine „Züchtung“ stattfindet, das heißt eine künstliche Beeinflussung der natürlichen Selektion. Was die Eugeniker wollen, ist eine Korrektur dieser zivilisationsbedingten Negativauslese. Es handelt sich also um nichts anderes als „Ökologie am Menschen“ – unvermeidlich, wenn man auch diesen in die ganzheitliche Betrachtung einbezieht. Bedauerlich ist, daß sich schon damals kein großer Name weder aus Naturwissenschaft noch Philosophie für dieses Anliegen finden läßt. Den Arbeiten von Alfred Ploetz und Wilhelm Schallmayr hängt daher ein Dunst von Sektierertum an. Sie werden zwar gelesen und diskutiert, aber vom Establishment nicht ernst genommen. Das änderte sich erst mit dem Nationalsozialismus, wo die „Rassenhygiene“ (Ploetz) oberste Priorität erhält. Allerdings in einem veränderten Sinne: jetzt geht es erst in zweiter Linie um Eugenik, vor allem aber gegen die Juden.
Nach 1945 hatte es die Vererbungslehre besonders schwer. Es galt, dem ständigen Verdacht des „Nazismus“ zu begegnen. Dagegen schien nur eine bessere wissenschaftliche Forschung zu helfen, um etwa den Zusammenhang von Intelligenz und Abstammung endgültig zu beweisen. Um dem Einwand der Milieu-Abhängigkeit zu entgehen, stützte man sich auf die Zwillingsforschung. Schon das bloße Wort löst bei vielen schreckliche Assoziationen aus. Dabei handelt es sich nur darum, die Lebensläufe von eineiigen Zwillingen zu vergleichen, die in unterschiedlicher Umgebung aufgewachsen sind: „Die Zwillingsuntersuchungen zeigen“, erklärt Vonderach, „daß etwa die Hälfte der Variation der menschlichen Charaktereigenschaften innerhalb der Bevölkerung auf genetischen Faktoren beruht. Für die Begabung, gemessen mit dem Intelligenzquotienten (IQ), hat man sogar eine noch höhere Heritabilität von 70 bis 80 Prozent errechnet.“ In den USA kam erschwerend hinzu, daß sich beim Vergleich der Intelligenzquotienten ein deutlicher Rückstand bei der schwarzen Bevölkerung herausstellte – in Übereinstimmung mit dem niedrigeren sozialen Status sowie höheren Kriminalitätsraten.

Heimliche Zensur

Danach ist die Erblichkeit von Intelligenz unter Wissenschaftlern kaum mehr umstritten. Das gilt aber keineswegs für die „erste Kultur“ der Soziologen und Politologen und die durch sie bestimmten Medien: „Die Intelligenzkontroverse hat zu dem paradoxen Ergebnis geführt, daß in den westlichen Ländern zwar die meisten Wissenschaftler von der Bedeutung der Erblichkeit des IQ auch für soziale Gruppenunterschiede überzeugt waren (…) sich aber zugleich in der Öffentlichkeit das Tabu verfestigte, daß nur Rassisten und Biologisten von genetischen Unterschieden zwischen Rassen und sozialen Schichten sprechen.“ Die Folgerung: „Nur wer als Wissenschaftler bereits etabliert ist, hat überhaupt die Chance, entsprechende Vorwürfe halbwegs unbeschadet zu überstehen.“ Journalisten, Politiker und Bürger ohne wissenschaftliche Autorität haben demnach nicht die Chance, über entscheidende Themen auch nur zu sprechen.
Ist unter diesen Umständen etwas von weiterer wissenschaftlicher Forschung zu erhoffen? Könnte es einen Beweis geben, dem sich auch der Widerwilligste und Beschränkteste nicht entziehen kann? Mit der Molekulargenetik schien dieser ultimative Beweis in greifbare Nähe zu rücken. Man hatte das Erbgut – den DNA-Code – komplett entschlüsselt und mußte jetzt nur noch herausfinden, welche Genabschnitte für welche Eigenschaften zuständig sind. Leider hat sich diese Hoffnung bisher nicht erfüllt. Fest steht nur eins: die Übertragung der Erbinformation in konkrete menschliche Fähigkeiten ist weit komplizierter, als man zunächst glaubte. Die Problematik erinnert an die verschiedenen Hirnareale, denen man zwar neurologische Krankheiten sehr präzise zuordnen kann, nicht aber die seelischen Eigenschaften. Der Mensch ist keine Maschine und wird sich vielleicht nie so transparent machen lassen wie der Bauplan eines Flugzeuges.
Auch in der Medizin sind die Wirkungen vielfach nicht erklärt. Trotzdem würde niemand ein wirksames Medikament ablehnen, weil sich nicht genau erklären läßt, wie es funktioniert. Entscheidend ist die Evidenz und die Notwendigkeit für den Patienten.
Solche Evidenz und solche Notwendigkeit gibt es hinsichtlich der Eugenik schon längst. Trotzdem wird dort immer auf der Restunsicherheit und dem „fehlenden Beweis“ insistiert. Man sollte auf diese Scheinargumente gar nicht eingehen. Es handelt sich offensichtlich um Schutzbehauptungen: „Die Wirklichkeitsverweigerung der Sozialwissenschaften im Hinblick auf die Biologie ist jedoch nicht nur ein akademisches Problem. Vielmehr bekommt sie durch die Tatsache, daß sich aus den Reihen der Sozialwissenschaftler die Berater unserer Politiker rekrutieren, eine schicksalhafte Dimension. Die Politiker sind ganz auf ihre Berater angewiesen, die die sozialwissenschaftlichen Studiengänge durchlaufen haben und der Milieutheorie verhaftet sind.“

Abstrakte Fähigkeiten

Was die Zukunft angeht, bleibt Andreas Vonderach ziemlich optimistisch: „Es geht (…) darum, von einem realistischen Menschenbild auszugehen, das auch vor sozialbiologischen Fakten nicht die Augen verschließt, ohne dabei die ethischen Standards einer modernen Gesellschaft preiszugeben.“ Für viele sind allerdings die „ethischen Standards“ allein schon durch eine solche Thematik verletzt. So ist es im Staat Kalifornien grundsätzlich verboten worden, mit Schwarzen Intelligenztests durchzuführen. Ohne Kampf wird es bei diesen Fragen nicht gehen.
Damit die Forderung nach eugenischen Maßnahmen, welcher Art auch immer, politisch vertretbar wird, sollte man sich allerdings mit einem Einwand auseinandersetzen, der sehr viel ernster zu nehmen ist als die übliche „menschelnde“ Empörung. Die Frage ist nämlich, wie weit die bestehende Ordnung mit der Lieferung des geeigneten „Menschenmaterials“ aufrechterhalten werden soll. Intelligenztests sind stets so aufgebaut, daß sie die Fähigkeiten belohnen, die unsere Gesellschaft in steigendem Maße braucht. Wer diese Tests gut besteht, kann aller Erfahrung nach auch Computerprogramme schreiben, Maschinen konstruieren oder Intensivmedizin betreiben. Solche Techniken ermöglichen ein bequemes und angenehmes Leben. Eine hochgezüchtete Elite arbeitet daran, die verführerischsten Schokoriegel zu produzieren und zu bewerben, während andere Elitemenschen sich der medizinischen Folgen dieser Fehlernährung annehmen. Ein so definierter Intellekt tritt zwangsläufig in den Dienst fremder oder auch eigener Trivialbedürfnisse. Er wird zum Instrument, das über seine Anwendung nicht mehr reflektieren kann. Denn Fähigkeiten wie Kritikfähigkeit und Selbstreflexion oder gar Widerspruchsgeist sind in den Leistungs- und Intelligenztests nicht gefragt. Und sie können gar nicht gefragt sein, weil solche Fähigkeiten sich nicht schematisch erfassen lassen.

Menschenbild überprüfen

Wir brauchen also eugenische Überlegungen, um die Zivilisation aufrechtzuerhalten. Aber wir brauchen auch eine Kritik dieser Zivilisation. Sie geht immer von Quertreibern aus. Betrachtet man die Jugendlichen von heute, so wird ihnen in der Schule teilweise viel abverlangt. Wer das leistet, kann (noch) nicht verblödet sein. Man beobachtet eher eine Zweiteilung zwischen Leistungsstarken auf der einen und den Unfähigen auf der anderen Seite. Die Gemeinsamkeit beider Gruppen ist jedoch der Mangel an charakterlicher und auch körperlicher Haltung. Das mehr oder weniger entwickelte Hirn hängt verbindungslos an einer unterentwickelten oder gestörten Persönlichkeit. Bei teilweise hohen schulischen Anforderungen muß man hier von einer erzieherischen Verwahrlosung sprechen. Offenbar sind Eltern und Schule nur darauf aus, den Heranwachsenden für irgendeinen „Job“ fitzumachen, ohne an die ganze Person zu denken. Erst wenn hier eine Wende vollzogen ist, darf man auch über das Thema „angeborene Intelligenz“ sprechen.
Im Zusammenhang mit der Gentechnik hat der Philosoph Peter Sloterdijk von einem künftigen „Menschenpark“ gesprochen, in dem nach gärtnerischen Maßstäben gezüchtet wird. Die Vorstellung ist gar nicht so übel. Die Gartenkunst ist ein altes Kulturgut. Schrecklich wäre allerdings eine Produktion von Fachkräften für den globalen Markt, damit die Natur noch effektiver ausgebeutet und der Mensch pervertiert werden kann.

Andreas Vonderach, „Soziobiologie. Geschichte und Ergebnisse“. Berliner Schriften zur Ideologiekunde II, 221 Seiten, brosch., Institut für Staatspolitik 2012, € 15,50

 
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