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No tears for Krauts

„Wir bargen sie in Zinkbadewannen und Waschkesseln. In einen Kessel paßten drei, in eine Wanne sieben oder acht Körper.“ Hamburg, August 1943 (Abbildung aus dem Buch „Brandstätten. Der Anblick des Bombenkrieges.“ Von Jörg Friedrich, Propyläen, 2004)
„Wir werden Deutschland zu einer Wüste machen, ja zu einer Wüste" (Winston Churchill 1941)

Von Achim Lang

Kriegsverbrechen Bombenkrieg


In den letzten Jahren war es in Dresden üblich geworden, daß Linkradikale und „Antifaschisten“ mit Bierdosen und Sekt lautstark die Erinnerung an die Bombennacht vom 13. Februar 1945 feierten und dabei Parolen wie „Bomber-Harris – do it again!“, „No tears for Krauts“ oder „Oma, Opa und Hans-Peter – keine Opfer, sondern Täter!“ skandierten. Dies hat heuer ein massives Polizeiaufgebot unterbunden und der Stadt ein stilles abendliches Gedenken ermöglicht.

Für Widerspruch von offizieller Seite sorgte aber der von der jungen Landsmannschaft Ostpreußen organisierte und von der NPD unterstützte Gedenkmarsch mit immerhin 6.000 Teilnehmern. Im Vorfeld hatte die NPD im sächsischen Landtag mit einer gezielten Provokation eine bundesweite Mediendebatte ausgelöst, als sie für den alliierten Angriff das Wort „Bomben-Holocaust“ verwendete.
NPD-Abgeordneter Jürgen Gansel wies dabei darauf hin, daß der Bombenkrieg eben nicht Antwort auf deutsche Verbrechen, sondern davon völlig unabhängig von England geplant worden war, und führte dafür Churchill-Zitat wie die folgenden an: „Wenn Deutschland zu stark wird, wird es wieder wie 1914 zerschlagen werden“ (1937!), „Dieser Krieg ist ein englischer Krieg und sein Ziel ist die Vernichtung Deutschlands“ (1939), „Wir werden Deutschland zu einer Wüste machen, ja, zu einer Wüste“ (1940), „Es gibt knapp 70 Millionen bösartige Hunnen – die einen sind heilbar und die anderen zum Schlachten“ (1941). Und Holger Apfel erinnerte die sächsischen Abgeordneten, daß der heute verpönte britische Historiker David Irving schon 1963 für seine Erforschung des Bombenangriffs auf Dresden mit der Ehrenbürgerwürde der Stadt ausgezeichnet worden war.
Die Zitate im nebenstehenden Kasten machen deutlich, wie sehr das offizielle Deutschland in den letzten Jahrzehnten das Maß für eine angemessene Beurteilung der Vergangenheit verloren hat: 1965 nannte noch eine Publizistin wie Ulrike Meinhof im linksradikalen „Konkret“ den Angriff auf Dresden eine „Barbarei und Unmenschlichkeit, für die es keine Rechtfertigung gibt“, während heute sogar der evangelische Landesbischof den Angriff indirekt als „Notwendigkeit“ bezeichnet, und der katholische Pfarrer der Frauenkirche sich zur Ungeheuerlichkeit der Aussage versteigt, Dresden sei „keine unschuldige Stadt, sondern eine Nazi-Stadt wie alle anderen“ gewesen: Dieses Pauschalurteil aus dem Munde eines Priesters heißt im Klartext, daß auch die in Dresden verbrannten Säuglinge und Kleinkinder als „Nazis“ keine Opfer, sondern rechtmäßig justifizierte Täter gewesen seien.
Im Gespräch mit dem „Spiegel“ ist sich Pfarrer Fritz sogar sicher, mit dieser Aussage die überwiegende Mehrheit der Deutschen hinter sich zu haben. Doch im selben Artikel berichtet der Spiegel (Online-Ausgabe 1. Februar 2005) von einer Umfrage, nach der immerhin 27 % der Deutschen unter 30 Jahren den Begriff des „Bomben-Holocausts“ in Zusammenhang mit Dresden nicht für anstößig halten, während es bei den über 60jährigen nur 15 % sind. Ganz offenbar funktioniert Geschichtspolitik und Meinungsprägung bei der Jugend nicht mehr in dem bisher gewohnten, doktrinären Ausmaß.
Dabei werden heute die deutschen Opferzahlen in Dresden (und nicht nur dort) munter heruntergerechnet. – Offiziell und auch in den meisten Medien ist nurmehr von 25.000 bis 35.000 Toten in jener Nacht die Rede. Noch 1992 war die Landeshauptstadt Dresden jedoch in einem offiziellen Schreiben von 250.000– 300.000 Opfern ausgegangen, und Wolfgang Schaarschmidt dokumentiert in seinem jüngst erschienenen Buch „Dresden 1945“ unter Berücksichtigung sämtlicher zur Verfügung stehender Quellen, daß die Zahl der Opfer eindeutig über der Marke von 100.000 liegt.

Moral bombing

Die Alliierten wollten mit der systematischen Bombardierung deutscher Städte die Moral der Bevölkerung, den Widerstandswillen brechen. Als einer der grausamen Höhepunkte dieses „moral bombing“ ist das Unternehmen „Gomorrha“, der Hamburger Feuersturm im Juli 1943 zu erwähnen. Bei mehreren Luftangriffen wurden über drei Millionen Brandbomben abgeworfen, die die Stadt fast völlig vernichteten und 30.000 bis 50.000 Menschen töteten, teils sogar in den Luftschutzkellern durch Einatmen der auf mehrere hundert Grad erhitzten Luft.
Das Ziel des britischen Luftmarschalls Arthur Harris war es, alle deutschen Städte mit mehr als 50.000 Einwohnern mittels Flächenbombardements zu zerstören. Dies erwies sich als undurchführbar, doch Ende 1944 konnte er resümieren, daß es immerhin gelungen sei, 80 % aller Städte mit mehr als 100.000 Einwohnern entweder vollständig zu vernichten oder sehr ernstlich zu zerstören. Die restlichen 20 % deutscher Großstädte wie Dresden, Würzburg, Chemnitz, Potsdam und Plauen sollten 1945 folgen.

Guernica, Warschau, Rotterdam

Heute wird in den Medien gerne behauptet, Deutschland habe ja mit dem Bombenkrieg angefangen und dabei unter anderem auf die Angriffe auf Guernica, Warschau und Rotterdam verwiesen. Doch alle drei Städte wurden nicht im Rahmen eines strategischen Bombenkrieges angegriffen, sondern taktisch, also im Zuge konkreter Kriegshandlungen, bombardiert. Die Zerstörung Guernicas im spanischen Bürgerkrieg war dabei nachweislich die Folge unpräziser Abwürfe, das eigentliche Ziel des Angriffs war eine neben der Stadt gelegenen Bahntrasse und Brücke.
Warschau wurde von der deutschen Luftwaffe bombardiert, um eine Eroberung der Stadt durch die Wehrmacht ohne allzu große Verluste möglich zu machen. Zuvor war die seit Tagen eingeschlossene Stadt mehrfach, unter anderem sogar durch Entsendung eine Parlamentärs, zur Übergabe aufgefordert worden. Als eine solche verweigert wurde, ließ die Wehrmacht eine große Menge von Flugblättern über der Stadt abwerfen, die die Zivilbevölkerung aufforderten, binnen 12 Stunden das Stadtgebiet zu verlassen, da dann mit der Bombardierung begonnen werden würde. Erst danach erfolgte der Angriff auf Warschau, das eindeutig als verteidigte Stadt anzusehen war.
Auch Rotterdam war eine solche verteidigte Stadt, wodurch der Schutz gemäß Artikel 25 der Haager Landkriegsordnung verlorengegangen war. Nach mehrfacher Aufforderung zur Übergabe wurde durch die deutsche Wehrmacht ein letztes Ultimatum gestellt, in dem die Folgen einer nochmaligen Ablehnung der Kapitulationsaufforderung eindeutig und klar angeführt waren. Da die holländische Führung auch diese Frist verstreichen ließ, wurde der Befehl zum Start zweier Bomberverbände gegeben. Als verspätet doch ein holländischer Parlamentär erschien, taten die deutschen Stellen alles, um die bereits gestarteten Bomberverbände zurückzurufen. Doch diese waren durch Funksprüche nicht mehr zu erreichen und auch ein Stabsoffizier, der mit einem schnellen Jagdflugzeug dem Geschwader hinterhergesandt wurde, konnte es nicht mehr rechtzeitig einholen. Erst kurz vor dem Ziel gelang es, Kontakt mit einem der beiden Verbände herzustellen, der daraufhin abdrehte, während der zweite Bomberverband seine Last – insgesamt 1.308 Bomben – auf Rotterdam abwarf; zwischen 600 und 900 Einwohner starben.

Coventry

Während die Angriffe auf Warschau und Rotterdam also eindeutig verteidigten Städten galten und nicht als strategischer Bombenkrieg zu bewerten waren, ist dies bei Coventry anders. Der Angriff auf die Rüstungswerke, wobei Brandbomben auch Teile der Innenstadt zerstörten und insgesamt 400 bis 500 Einwohner töteten, ist ohne Frage als Teil eines strategischen Bombenkriegs zu werten. Doch war Coventry im Gegensatz zu den heute verbreiteten Darstellungen nicht der erste Bombenangriff auf eine im wesentlichen unverteidigte Stadt im Hinterland.
Schon am 11. Mai 1940 hatte Großbritannien den strategischen Luftkrieg gegen das deutsche Festland begonnen. Bahnanlagen, Fabriken und Flugplätze waren die Ziele, getroffen wurden jedoch auch nicht militärische Objekte wie ein Kloster, ein Krankenhaus oder einzelne Bauernhöfe. Insgesamt kam es schon in den ersten drei Tagen nach der Nacht auf den 11. Mai zu 71 Bombenangriffen seitens der Briten. Zu diesem Zeitpunkt war der deutschen Luftwaffe noch jeder Bombenabwurf auf englischen Boden untersagt. Erst am 20. Juni begannen die deutschen Angriffe, die sich jedoch eindeutig nur gegen militärische Ziele richten sollten. Abwürfe auf Wohnsiedlungen oder auch nur bei nicht einwandfreier Erdsicht waren laut Führerbefehl unbedingt zu vermeiden. Da ab diesem Zeitpunkt aber auch Nachtangriffe als Antwort auf britische Bombardements geflogen wurden, waren Verluste unter der Zivilbevölkerung nicht zu vermeiden.
Am 25. August kam es dann zum ersten großen Angriff britischer Bomber auf Berlin, dem in den folgenden Nächten weitere Angriffe folgten. Hitler ließ sich noch bis zum 4. September Zeit, und kündigte erst dann Vergeltungsschläge an. In der Nacht auf den 6. September eröffneten deutsche Kampfflugzeuge die Angriffe auf London. Der schwere Angriff auf Coventry am 14. November erfolgte erst, als britische Bomberverbände weiterhin Woche für Woche Wohnviertel in Berlin, Bremen, Hamburg und weiteren westdeutschen Städten angegriffen hatten.
Die Schuld an der Entfesselung des strategischen Bombenkriegs Deutschland in die Schuhe zu schieben, kann also nur bei massiver Mißachtung der historischen Tatsachen erfolgen. Bis Ende 1944 hatten die englischen Bomberverbände bereits 80 % der deutschen Großstädte schwer getroffen. Das Ziel des „moral bombing“ war jedoch nicht erreicht worden. Der Durchhaltewille der deutschen Wehrmacht und der Rüstungsarbeiterinnen war durch keine noch so furchtbare „Operation Gomorrha“ zu brechen gewesen. Zudem war der Krieg zu Beginn des Jahres 1945 bereits endgültig entschieden.
Die letzten Bombardements sollten nur mehr die deutsche Kultur zerstören
Auch eine Verkürzung des Krieges durch die Bombardements konnte nicht mehr erwartet werden. Dennoch gingen die Angriffe weiter. Viele Städte wurden erst jetzt, wenige Wochen oder Monate vor Kriegsende richtig zerstört.
Am 23. Februar 1945 zerkochte Pforzheim in einem Feuersturm. Jeder dritte Einwohner der Uhrmacher- und Goldschmiedestadt, 20.000 Kinder, Frauen und (hauptsächlich alte) Männer verbrannten oder erstickten.
Am 16. März vernichteten britische Bomber die Barockstadt Würzburg. Nachdem eigene, kleindimensionierte Sprengbomben die Ziegel von den Dächern geblasen hatten, konnten Brandbomben ihr Ziel erreichen. 5.000 Menschen starben an Hitze, Sauerstoffmangel, Rauchgasvergiftung oder wurden von den zusammenbrechenden Gebäuden erschlagen.
Am 22. März 1945 wurde das „Venedig des Nordens“, der mittelalterliche Bischofssitz Hildesheim in einem nur 18 Minuten dauernden Angriff ausgelöscht.
Am 26. März 1945 wurde Danzig und tags darauf das städtebauliche Kleinod Paderborn zerstört. Anfang April ereilte das Schicksal noch die kleine Stadt Nordhausen und am 14. 4. flogen britische Bomberverbände ihren letzten Großangriff auf das Symbol des „preußischen Militarismus“ Potsdam, wo
47 % des historischen Baubestandes vernichtet und 5.000 Menschen getötet wurden, nicht zuletzt, um auch der vorrückenden Sowjetarmee ein Anschauungsbeispiel für die Wirksamkeit des britischen Bombenkriegs zu hinterlassen.

Wien

Auch Wien wurde erst mit den Bombenangriffen zwischen dem 15. Jänner und Ende März 1945 schwer getroffen. Die bis unmittelbar vor dem Angriff der Sowjetarmee stattfindenden Bombardements haben rund 10.000 Wienern das Leben gekostet. Stephansdom, Staatsoper, Burgtheater und Dutzende andere bedeutende Bauten wurden teils schwer beschädigt.
Mit mehr als 80 % zerstörten oder beschädigten Gebäuden sind Villach und Wiener Neustadt die am meisten betroffenen österreichischen Städte, es folgen Klagenfurt und Innsbruck mit mehr als 60 %, Attnang-Puchheim mit mehr als 50 % und schließlich Graz, Linz, Salzburg, Zeltweg und Wien mit rund einem Drittel.
Insgesamt starben 40.000 Österreicher, darunter vor allem Frauen und Kinderm aufgrund der alliierten Luftangriffe.
Im gesamten deutschen Reich in den damaligen Grenzen ist nach den vorsichtigsten Berechnungen mit mindestens 635.000 Gefallenen des Luftkriegs zu rechnen. Darunter sind auch zahllose Ostflüchtlinge wie die 23.000 Toten beim Angriff auf das Seebad Svinemünde nahe bei Stettin am 12. März 1945. Dort bombardierten die englischen Verbände in erster Linie nicht den Militärhafen sondern gezielt die in den Kurpark geflohenen Menschen.
Die schrecklichen Auswirkungen dieses von Winston Churchill verantworteten Bombenkriegs führten schließlich auch zu heftigen Reaktionen in der britischen Öffentlichkeit. Churchill forderte daher von der Royal Air Force die Frage der Bombardierung deutscher Städte „nur um einer Vermehrung des Terrors wegen“ zu überprüfen, denn „die Zerstörung von Dresden bleibt ein ernstes Argument gegen die Führung des Bombenkrieges“.
Anfang April 1945 war ein solches Umdenken allerdings wohlfeil. Deutschland war bereits „in eine Wüste, ja in eine Wüste“ verwandelt worden. Und zwar vom späteren Karls-Preisträger Winston Churchill.

 
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