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Zankapfel Südtirol

Trotz des heldenhaften Einsatzes der freiwilligen Standschützen, hier ein Veteran des 1866 Krieges, der sich 1915 erneut zum Waffendienst meldete, fiel Südtirol entgegen dem von Wilson verkündeten Prinzip des Selbstbestimmungsrechts der Völker nach dem Ersten Weltkrieg an Italien.

Von Prof. Dr. Erhard Hartung

Ein Freiheitskampf in unserer Zeit

Zum „Zankapfel“ wurde Südtirol erst, als Österreich und Italien am 3. November 1818 in der Villa Giusti bei Abano einen Waffenstillstand vereinbaren.  Von nun an wird Südtirol, eine der ältesten Demokratien Zentraleuropas, von Italien annektiert und einer Kolonie ähnlich behandelt sowie gegen den ausdrücklichen Willen der mit 97 % mehrheitlich deutschen und ladinischen Bevölkerung im Friedensvertrag von St. Germain Italien zugesprochen. Die eigentlichen Ursachen für diese katastrophale Fehlentscheidung finden sich in der Aufgabe sämtlicher damals geltender Wertvorstellungen und im machiavellistischen Handeln der Siegermächte.

Der Vertragsbruch Italiens

Als 1914 für Österreich und Deutschland der Krieg beginnt, folgt Italien nicht seinen Verpflichtungen, welche ihm aus dem 1882 geschlossenen sogenannten Dreibund gegenüber seinen Verbündeten erwachsen. Anstatt mit diesen gegen die Entente zu Felde zu ziehen, verhält es sich vorerst neutral und betreibt ein politisches Doppelspiel. Einerseits wird sein Bündnispartner Österreich unter Druck gesetzt, indem von ihm die sofortige Abtretung der mehrheitlich italienischsprachigen Gebiete von Triest und Trient, sowie des deutschen Südtirol sowie von Görz, Istrien und Dalmatien gefordert werden. Unabhängig davon verhandelt es gleichzeitig mit Großbritannien, um für seinen Kriegseintritt auf seiten der Entente den gleichen Preis zu erhalten. Da Österreich nicht bereit ist, schon während des Krieges den Forderungen Italiens nachzugeben, schließt Italien in London am 25. April 1915 einen Geheimvertrag. Darin verspricht England Italien die geforderten österreichischen Länder, sofern es auf seiten der Entente gegen seine ehemaligen Verbündeten in den Krieg eintritt. Darauf erklärt Italien am 23. Mai 1915 Österreich den Krieg.
Italiens militärische Führung verspricht sich, während Österreichs Heer in Galizien und Serbien kämpft und so die österreichisch-italienische Grenze von Truppen nahezu entblößt ist, eine rasche Eroberung der grenznahen Städte Triest und Trient sowie einen Spaziergang nach Wien. Daß dieser Plan nicht greift, ist eine der größten Niederlagen Italiens. Seine gut ausgerüstete Armee wird alleine von den Standschützen, das sind junge Knaben und alte Männer im nicht wehrpflichtigem Alter, solange aufgehalten, bis die regulären Truppen zurückgeführt werden können. Nicht nur das, sondern während der gesamten folgenden drei Kriegsjahre kann von Österreich die Front im Gebirge, bis zur Höhe von fast 4000 Metern, ohne Geländeverlust, trotz Mangels an Menschen und Material, gegen die überlegenen Italiener gehalten werden. Unabhängig davon gelingt es Italien in zwölf Schlachten nicht, die Grenze am Isonzofluß zu passieren. Ganz im Gegenteil durchbrechen bei Flitsch-Tolmein die österreichischen Truppen, verstärkt durch das deutsche Alpenkorps, die italienischen Linien und treiben ihr Heer bis zur Piave. Der österreichische Sieg bei Karfreit ist das italienische Trauma von Carporetto, welches von Historikern mit der Niederlage von Stalingrad verglichen wird. Zur Verwirklichung seiner imperialen Ziele zahlt Italien mit 600.000 gefallenen und 1,5 Millionen verwundeten Soldaten einen sehr hohen Preis.
Gemäß den Vereinbarungen des Waffenstillstandes rückt das italienische Heer nach Norden vor und erreicht so ohne Kampfhandlungen am 12. November die Landeshauptstadt Innsbruck. Südtirol wird bei einer damaligen Bevölkerung von 250.000 von 80.000–100.000 italienischen Soldaten besetzt. Eine Militärverwaltung wird errichtet. Diese riegelt Südtirol bis zum Brenner, der späteren Staatsgrenze, hermetisch ab. Im Land selbst herrscht Friedhofsruhe. Ein aktiver, bewaffneter Widerstand gegen die fremde Besatzung, ähnlich wie dieser in Oberschlesien, Kärnten und teilweise im Baltikum von Patrioten geführt wird, erfolgt nicht. Ursächlich dafür dürfte sein, daß der Krieg unter den Tirolern den höchsten Blutzoll von allen deutschen Stämmen gefordert hat.

„Von hier aus brachten wir den anderen Sprache, Gesetze und schöne Künste“ – Aufschrift auf dem Siegesdenkmal in Bozen.

Die Folgen des „Diktat-Friedens“

Bis zum Abschluß des Friedensvertrages mit Österreich in St. Germain am 10. Oktober 1920 bemühen sich die Südtiroler, gestützt auf das 14-Punkte-Programm des amerikanischen Präsidenten Wilson, die Tiroler Landeseinheit und damit den Verbleib beim Vaterland Österreich zu erreichen. Dort heißt es in Punkt 9: „Es sollte eine Berichtigung der Grenzen Italiens nach den klar erkennbaren Linien der Nationalität durchgeführt werden.“ So heißt es bereits im Aufruf der ladinischen Gemeinden an die Deutschtiroler Ende Oktober 1918: „… Wie die übrigen Völker Österreichs verlangen auch wir, die älteste bodenständige Bevölkerung Tirols, das Selbstbestimmungsrecht. Wir sind keine Italiener, wollten von jeher nicht zu ihnen gezählt werden und wollen auch in Zukunft keine Italiener sein! Ein selbständiges Volk, das seine Geschicke selber bestimmt … Tiroler sind wir und Tiroler wollen wir bleiben!“
Vergeblich, das deutschsprachige Südtirol wird Italien als Kriegsbeute zugeschlagen. So hat Italien letztlich auch seine Idee des Risorgimento, auf die es zu Recht stolz sein kann, verraten. Das von Österreich abgetrennte Südtirol und Trentino sind die einzigen Regionen Italien, welche nicht durch Volksentscheid dem italienischen Staat einverleibt werden. Ganz im Gegenteil, mit wenigen Ausnahmen wünscht auch die italienisch sprechende Bevölkerung nicht Italien zugeschlagen zu werden und opfert dafür in großer Zahl während des Krieges ihr Leben.
Am 6. September 1920 stimmt die Nationalversammlung Deutsch-Österreichs dem Diktat-„Frieden“ zu. Dr. Reut-Nicolussi nimmt im Namen der Südtiroler Abgeordneten Abschied. Unter allgemeiner Zustimmung der Nationalversammlung gibt deren Präsident „das heilige Ehrenwort“, niemals würde es ein österreichisches Parlament und eine österreichische Regierung geben, „der ein Opfer von Blut und Gut zu hoch sein wird, um die Südtiroler in ihrem Kampfe um die Erhaltung ihrer Heimat zu unterstützen und die Unrechtsgrenze am Brenner wieder zu beseitigen“.
Das Ziel jeder italienischen Regierung, unabhängig von ihrer Couleur, ist bis heute gleich, nämlich in Südtirol die „51 %-Lösung“ zu erreichen, das heißt eine italienische Mehrheit zu installieren. Bereits am 24. April 1921 überfallen mit Lastwagen herbeigekommene Faschisten mit Bomben und Schüssen einen friedlichen Trachtenfestzug der Tiroler. 48 Frauen und Männer werden verwundet. Franz Innerhofer, der Schulleiter aus Marling, wird tückisch ermordet, als er ihm anvertraute Burggräfler Buben zu schützen sucht. Dazu schreibt Popolo d’Italia: „Wenn die Deutschen verprügelt und zerstampft werden müssen, um Vernunft anzunehmen, wohlan, wir sind dazu bereit! Viele Italiener sind auf dieses Geschäft trainiert!“ Dem ersten Südtiroler, der alleine ob seiner deutschen Volkszugehörigkeit von Italienern ermordet wird, folgen bis heute über 50 Märtyrer. Von nun an erfolgt auf staatliche Anordnung Schlag auf Schlag die Auslöschung des Deutschtums. Für die Südtiroler wird die Wehrpflicht im italienischen Heer angeordnet, sämtliche österreichische und Tiroler Symbole werden entfernt, per Gesetz wird Italienisch zur Amts- und Schulsprache. Gemäß Minister Salandra existieren keine Minderheiten. Trotzdem schaffen es vier deutsche Südtiroler am 15. Mai 1921 als Abgeordnete in das römische Parlament gewählt zu werden. Nicht nur für die Faschisten ist das „eine Katastrophe für die Italianität der erlösten Gebiete“. Zur künftigen Vermeidung solch eines Wahlerfolges wird Südtirol politisch zerstückelt: Das Unterland und die ladinischen Gemeinden Cortina und Buchenstein werden abgetrennt. Am 2. Oktober 1922 wird von den Faschisten der Marsch auf Bozen durchgeführt. Er wird als Generalprobe für ihren Marsch auf Rom und die faschistische Machtergreifung am 28. Oktober 1922 verstanden. Das unter Leitung des Faschisten Ettore Tolomei ausgearbeitete Italienisierungsprogramm greift nun voll: Gemäß dem von ihm geschaffenen Prontuarium erhalten sämtliche Flur- und Ortsnamen frei erfundene, willkürlich italienische Bezeichnungen und alleinige Geltung. Per Gesetz sind diese faschistischen Namen noch heute die alleinig gültigen. Der Name Tirol wird verboten und durch Alto Adige ersetzt; keine deutschen Aufschriften werden geduldet; Vereine werden verboten und enteignet; die Vornamen werden italianisiert – Familiennamen sollen gemäß den Vorschlägen Tolomeis folgen, selbst auf Grabsteinen werden die deutschen Namen entfernt und durch erfundene italienische ersetzt; Italienisch wird alleinige Amtssprache, und deutsche Worte werden in der Öffentlichkeit nicht mehr geduldet; deutsche Zeitungen werden verboten; die freiwilligen Feuerwehren werden aufgelöst; Tiroler erhalten im öffentlichen Dienst keine Anstellung; die gewählten Bürgermeister werden durch italienische ersetzt, und ein von Rom ernannter Präfekt kontrolliert das Land; das Banken- und Kreditwesen kommt in italienischen Besitz; Beschränkungen des Grundbesitzes folgen, und die Kindergärten werden gänzlich italianisiert. Gleichzeitig wird aus politischen Gründen in Bozen eine hochsubventionierte Industriezone errichtet, welche fast ausschließlich Italiener beschäftigt.

Das Bündnis mit Mussolini war Hitler wichtiger als das Recht der Südtiroler auf ihre Heimat

Die faschistische Zeit

Die Südtiroler setzen der gewaltsamen Vernichtung der eigenen Kultur sogenannte Katakombenschulen entgegen. Hier erhalten die Kinder illegal und unregelmäßig Unterricht in ihrer deutschen Muttersprache. Viele dieser Lehrer wie Dr. Josef Noldin aus Alaurn oder Angela Nicoletti aus Margreid werden deswegen für Jahre in die Verbannung geschickt, wo sie unzureichend versorgt werden, erkranken und dadurch frühzeitig sterben. Gleichzeitig werden überall im Lande faschistische Denkmäler errichtet, von denen das sogenannte „Siegesdenkmal“ in Bozen das pompöseste ist. Bewußt wird es nach Schleifung des halbfertigen Kaiserjäger-Denkmals an gleicher Stelle errichtet. Neben den Liktorenbündeln, dem faschistischen Symbol, trägt es die beleidigende lateinische Aufschrift: „Hier, an den Grenzen des Vaterlandes, stehe und zeuge: Von hier aus brachten wir den anderen Sprache, Gesetze und schöne Künste.“
Weder vom Vaterland Österreich noch von Deutschland erwächst den Südtirolern Hilfe. Beide Länder sind durch den verlorenen Krieg, die neuen Grenzen und die immensen Reparationszahlungen dem völligen wirtschaftlichen Zusammenbruch nahe. Das politische und wirtschaftliche Chaos wird durch die Weltwirtschaftskrise nur noch verstärkt. In Österreich bildet schließlich Dollfuß 1934 einen kleriko-faschistischen Ständestaat, der insbesondere mit der immer mehr erstarkenden nationalsozialistischen Bewegung zu kämpfen hat. Italien ist der einzige echte Verbündete der Regierung Dollfuß. Der Preis ist das Verbot jeder Agitation für Südtirol in Österreich und aller Verbände und Schriften, die sich für die deutschen Südtiroler einsetzen.
Nach Italiens Angriff auf Äthiopien 1936 benötigt Mussolini aber Deutschlands Unterstürzung. Er ist bereit, Österreich fallen zu lassen, und die Berliner Regierung auch in allen sonstigen Belangen zu unterstützen, wenn ihm Hitler im Gegenzug in Südtirol freie Hand läßt.
Italiens Außenminister, Graf Ciano vermerkt am 3. April 1938 in seinem Tagebuch: „Südtirol ist geographisch italienisches Land. Und weil man Berge und Flußläufe nicht versetzen kann, ist es nötig, daß man Menschen versetzt …“ Das ist die unheilvolle Ouvertüre zu Ereignissen, die allem Unheil seit 1919 eine weitere, dramatische Steigerung anfügen soll: der „Stahlpakt“ zwischen Hitler und Mussolini (Berlin, 23. Juni 1939) mit der sogenannten Option für die Südtiroler. Sie haben sich zu entscheiden: entweder ihr Volkstum oder die Heimat aufzugeben! Im Spätherbst 1939 sprechen sich von den nahezu 247.000 optionsberechtigten Tirolern deutscher und ladinischer Zunge, unter ihnen auch Johannes Geißler, Fürstbischof von Brixen, nahezu 214.000 für die Umsiedlung in das bereits kriegsführende Deutschland aus. So müssen bis zur am 9. September 1943 erfolgten Kapitulation Italiens etwa 80.000 Südtiroler, das ist ein Drittel der deutschen Bevölkerung, ihre Heimat verlassen. Nach Landung der Alliierten wechselt Italien abermals die Seite und kämpft gegen Deutschland. Das führt zur Besetzung durch die Wehrmacht und Teilung des Landes. Im Norden gründen die Faschisten die Republica Sociale di Salo. Aus falscher Rücksichtnahme gegenüber Mussolini verbleibt Südtirol staatsrechtlich bei Italien, wird jedoch Teil der „Operationszone Alpenvorland“. Der Großteil Südtiroler empfindet das als Befreiung vom faschistischen Joch, es gibt wieder eine deutsche Verwaltung, deutsche Schulen, und Deutsch wird als Amtssprache wieder eingeführt. Dem wiederholten Drängen von Gauleiter Hofer, Südtirol an Deutschland anzugliedern, folgt Hitler nicht. Da in Südtirol lebende Italiener, im Gegensatz zur deutschen Bevölkerung, nicht zum Wehrdienst eingezogen werden, steigt auch in diesen Jahren der italienische Bevölkerungsanteil. Der Widerstand gegen die NS-Verwaltung in Südtirol ist bis zuletzt gering. Es konkurriert der von Südtirolern getragene Andreas-Hofer-Bund mit dem italienischen Comitato di Liberazione Nationale (CLN).

Nach dem Zweiten Weltkrieg

Während für die Wehrmacht Generaloberst Heinrich von Vietinghoff und SS-Obergruppenführer Karl Wolff mit dem CLN noch Verhandlungen zur Einstellung der Kampfhandlungen führt, ist in Wien am 26. April 1945 bereits die Republik Österreich ausgerufen worden. De Angelis (CLN) täuscht die deutschen Vertreter und spielt geschickt Südtiroler aus. So kapituliert am 29. April 1945 die Wehrmacht vor dem CLN und überträgt De Angelis und nicht dem Südtiroler Widerstand die Regierungsgewalt. Damit und durch einen militärisch sinnlosen Überfall auf zurückflutende deutsche Soldaten (3. Mai) sowie das Aufziehen der italienischen Fahne am Brenner dokumentiert Italien vor den nachrückenden Amerikanern seinen Anspruch auf Südtirol. Der Tiroler Widerstand hat zur entscheidenden Stunde versagt. So bleibt nur die Möglichkeit, am 8. Mai 1945 in Bozen die Südtiroler Volkspartei zu gründen. Deren erklärte Ziele sind, neben der Ausübung des Selbstbestimmungsrechts, die Rückführung der Optanten und die rasche Heimkehr der Kriegsgefangenen.
Die Nachkriegszeit bringt den Südtirolern weder Friede noch Freiheit. Am 12. Mai 1945 werden alle zur Durchführung der Entnationalisierung Südtirols seitens der Faschisten geschaffenen Gesetze unverzüglich wieder in Kraft gesetzt. Obschon 123.777 erwachsene Südtiroler (das sind fast alle erreichbaren, wahlberechtigten Personen) die Erklärung „Es ist unser unerschütterlicher Wunsch und Wille, daß unser Heimatland Südtirol vom Brenner bis zur Salurner Klause mit Nordtirol und Österreich wiedervereinigt werde“ unterschreiben, gestatten die USA 1946 Italien die erneute Stationierung seiner Truppen in Südtirol. Diese bestehlen und terrorisieren die einheimische Bevölkerung, von der einige ermordet werden, ohne daß jemals die Täter zur Rechenschaft gezogen werden. Begünstigt wird das durch die faschistische Gesetzgebung und einer fehlenden Strafverfolgung von Faschisten. Ganz im Gegenteil: Scharenweise lassen sich diese in Südtirol nieder, werden Mitglieder der neuen, demokratischen Parteien und nehmen so fast sämtliche leitende Positionen in Südtirol ein. Sie behindern die Rückführung der Optanten und zwingen Tausende von jungen Südtirolern zum Broterwerb im Ausland. Gleichzeitig fördern sie durch Zuweisung von Arbeitsplätzen und öffentlichen Wohnungen die Einwanderung von weiteren Italienern aus dem Süden. So wird die vom Faschismus betriebene Entnationalisierungspolitik Südtirols ungeniert durch das neue, angeblich demokratische Italien fortgesetzt. Gleichzeitig führen die Alliierten in Paris mit Italien Friedensverhandlungen. Österreich ist nicht zwingend Verlierer und Italien nicht zwingend Sieger. Für Österreich bemüht sich um Südtirol der junge, unerfahrene Außenminister Dr. Gruber, dessen bisheriger Verdienst lediglich darin liegt, dem Widerstand anzugehören. Sein Verhandlungsgegner ist der erfahrene, aus dem Trentino stammende Italiener De Gasperi, dem sein Handwerk noch vom Kaiserreich gelehrt wurde. Wegen der großen territorialen Verluste Italiens, dem neuen „kalten Krieg“, der starken italienischen kommunistischen Partei und der noch unsicheren Zukunft Österreichs beschließen die Alliierten, Südtirol abermals Italien zuzuschlagen. Österreich und Italien werden beauftragt, für Südtirol eine akzeptable Lösung auszuhandeln. Ohne Rückkoppelung mit dem österreichischen Parlament und unter Ausschaltung erfahrener Südtiroler unterzeichnet Gruber für Österreich am 5. September 1946 mit De Gasperi in Paris einen Vertrag, der Südtirol lediglich einige vage forumulierte Rechte zugebilligt. Für die christlichen Anhänger Grubers ist das die „Magna Charta Südtirols“, seine Kritiker wie z. B. der spätere österreichische Bundeskanzler Dr. Kreisky, halten diesen Vertrag für eine „furchtbare Hypothek“. Der Südtiroler Abgeordnete von Guggenberg sagt, daß „die Rückgliederung Südtirols an Österreich zu früh gegen das Linsengericht der Autonomie verkauft“ wurde. Tatsache ist, daß der sogenannte „Pariser Vertrag“ heute als zwischenstaatliche Vereinbarung international anerkannt ist, obschon ihm eine verbindliche Regelung über die Ladiner, den ethnischen Proporz und die Rückoption fehlen und er die Zusammenlegung Südtirols mit dem mehrheitlich italienischen Trentino ermöglicht. Letzteres erfolgt 1948 durch die Bildung der autonomen Provinz „Trentino/Alto Adige“, in welcher die Italiener mit einer 3/5-Mehrheit wiederum das Sagen haben. Südtirol ist für Österreich abermals verloren und bleibt auf sich alleine gestellt.

Der Freiheitskampf

Nachdem Österreich den Staatsvertrag erhält und seit 1956 wieder frei und unabhängig ist, bemüht es sich vordringlich um Südtirol. Dort schreitet die Italienisierung unaufhaltsam voran. Durch Zuzug von Italienern und wirtschaftlich erzwungener Abwanderung von Südtirolern wächst der italienische Bevölkerungsanteil jährlich um 3 %. Mit mathematischer Sicherheit läßt sich berechnen, daß die Südtiroler ab Mitte der 60er Jahre in der eigenen Heimat in Minderheit geraten. Kanonikus Dr. Gamper nennt das den Todesmarsch, auf welchen sich die Südtiroler befinden. So ruft die SVP für den 17. November 1957 zur Volkskundgebung auf Schloß Sigmundskron, um gegen die Überfremdung der Heimat, gegen Drohungen und Willkür, aber für Recht und Gerechtigkeit, für die Zukunft der Kinder und ein autonomes Südtirol zu demonstrieren. Alle 35.000 anwesenden Südtiroler fordern ein „Los von Trient“, viele die Selbstbestimmung. Rom vertritt den Standpunkt, seinen internationalen Verpflichtungen in Südtirol nachgekommen zu sein und ist zu keinem Entgegenkommen bereit. Da Italien der Auffassung ist, daß es sich hier um eine rein inneritalienische Frage handelt, bestreitet es das Vertretungsrecht der Südtiroler durch Österreich und verweigert jegliche Gespräche.
Nachdem die Bevölkerung vom Saarland und Triest über ihr künftige Staatszugehörigkeit frei abstimmt, die Kolonien in Afrika und Asien durch Freiheitskämpfe ihre Unabhängigkeit erhalten sowie ein solcher gerade in Zypern und Algerien ausgetragen wird, sind ab Ende der 50er Jahre Tiroler bereit, in Südtirol einen Freiheitskampf gegen Italien zu führen. Dieser erfolgt in Notwehr, um das Überleben des eigenen Volkes zu sichern. Dieses gemeinsame Ziel einigt verantwortungsvolle Patrioten aus allen politischen Lagern sowie ehemalige Front- und Widerstandskämpfer, welche den „Befreiungsausschuß Südtirol“ (BAS) gründen. Überall werden Widerstandszellen gebildet und geschult, Waffen- und Sprengstoffdepots angelegt, Flugblätter vorbereitet und Kontakte zu den maßgeblichen Politikern in Südtirol und Österreich geknüpft. Durch Sprengung von faschistischen Denkmälern und Strommasten sowie Angriffe auf Militäreinrichtungen soll unter Schonung von Menschenleben Italien ein größtmöglicher wirtschaftlicher Schaden erwachsen und die Weltöffentlichkeit auf das ungelöste Südtirolproblem aufmerksam gemacht werden. Erklärtes Ziel ist, Italien zu Verhandlungen zu zwingen und so die Selbstbestimmung zu erreichen. Unabhängig davon gelingt es der österreichischen Diplomatie sowohl 1960 als auch 1961, die UN-Vollversammlung für Südtirol zu interessieren und Resolutionen zu erwirken, in denen Italien aufgefordert wird, den mit Österreich bestehenden Streit um Südtirol zu lösen.
Symbolträchtig wird nach abermals gescheiterten Verhandlungen Ende Januar 1961 das überlebensgroße Mussolini-Reiterstandbild in Waidbruck gesprengt. Der Freiheitskampf beginnt mit einem Paukenschlag: In der großen „Herz-Jesu-Nacht“ im Juni 1961 werden in ganz Südtirol über 40 Strommasten von Überlandleitungen gesprengt; in der kurz darauf folgenden kleinen Feuernacht folgen weitere Masten. Die Welt wird dadurch auf das Südtirolproblem aufmerksam. So ist Italien erstmals gezwungen, politisch einzulenken: die sogenannte „19er Kommission“ wird gegründet. Diese ist paritätisch mit Südtirolern besetzt und beauftragt, für Südtirol eine Autonomie auszuarbeiten.
Gleichzeitig werden zur Unterbindung des von der Bevölkerung getragenen Freiheitskampfes über 40.000 Soldaten in Südtirol stationiert. Das heißt, auf je fünf Einheimische fällt ein Armeeangehöriger. Zusätzlich werden Privatgebäude für Quartiere und alpine Schutzhütten zur Verwendung als militärische Stützpunkte beschlagnahmt, Sondergesetze und zusätzliche Verordnungen erlassen. Die aus dem Süden versetzten Militärs fühlen sich, wie in ihren Briefen an Angehörige beschrieben, im Krieg! Sie haben große Angst und absolut kein Interesse, in dem für sie fremden Land mit einer Bevölkerung, die sie nicht verstehen, für Italien zu kämpfen. Die diversen italienischen Geheimdienste und Sicherheitskräfte sind überfordert.

Die Südtiroler Freiheitskämpfer verübten symbolische Anschläge unter Schonung von Menschenleben.

Folter und Mord

Willkürlich werden unliebsame, patriotisch eingestellte Südtiroler verhaftet und friedliche Zivilisten erschossen. Mit Billigung durch Innenminister Scelba werden die politischen Gefangenen tagelang schwer gefoltert und so zum Teil falsche Geständnisse erpreßt. Zwei dieser Häftlinge sterben unbehandelt an den Folgen der körperlichen Mißhandlungen im Gefängnis. Viele der politischen Südtiroler Häftlinge leiden lebenslang unter schweren, gesundheitlichen Schäden. Die wenigen Folterknechte, welche namentlich bekannt werden und sich ob der Mißhandlung von wehrlosen Gefangenen vor Gericht verantworten müssen, werden freigesprochen und später vom faschistischen Parlamentsabgeordneten General De Lorenzo ausgezeichnet. Erst nach diesen staatlich geduldeten Verletzungen der Menschenrechte und der bis heute ungesühnten Ermordung mehrerer Freiheitskämpfer durch Geheimdienstagenten bewaffnen sich einzelne Kommandos der Freiheitskämpfer. Obwohl bereits eine nicht unerhebliche Zahl von Freiheitskämpfern inhaftiert ist, gelingt es dem italienischen Militär nicht, die Situation zu beherrschen. Ganz im Gegenteil: der Widerstand gegen die Fremdbesetzung wächst und wird trotz Verteufelung durch die Politik, die Amtskirche und die Medien vom Volk getragen. Die einzelnen Gruppen der Freiheitskämpfer agieren in all den nächsten Jahren ab dem Frühjahr über Monate hindurch in ihrer näheren Heimat, wo sie die Leute und die lokalen Besonderheiten genau kennen. Fast überall werden sie von der Bevölkerung wohlwollend aufgenommen, informiert und aktiv unterstützt. Immer wieder greifen sie, teils in Notwehr, italienische Einheiten an und verwickeln diese in längere Feuergefechte. Dabei wird bewußt über die Köpfe der italienischen Soldaten geschossen – Menschen sollen und dürfen nicht zu Schaden kommen! Dies gilt besonders dann, wenn sich italienische Soldaten aus Angst und zum eigenen Schutz hinter einheimischen Kindern und Zivilpersonen verschanzen. Kein einziger Freiheitskämpfer ist im Kampf gefallen. Luis Amplatz stirbt 1964 durch die Kugel eines vom Geheimdienst angeworbenen, gedungenen Mörder, Friedrich Rainer (1964) und Helmut Immervoll (1965) werden durch gezielt errichtete Sprengstoffallen in die Luft gejagt. Diese Verbrechen werden der Öffentlichkeit als interner Streit bzw. als Unfälle dargestellt.
Trotz des gewaltigen Militäraufgebotes und einer nicht unerheblichen Anzahl von Spezialeinheiten werden in Südtirol weiterhin überall und fortlaufend elektrische Überlandleitungen und Militäreinrichtungen gesprengt. Vornehmlich im Winter fallen dem auch fast alle grenznahen Berghütten, die zweckentfremdet von den Italienern zu alpinen Militärstützpunkten ausgebaut werden, zum Opfer. Zusätzlich sickern Freiheitskämpfer in Bozen und anderen italienischen Hochburgen ein und verunsichern durch ihre vielfachen Aktivitäten (z. B. die wiederholte Sprengung des faschistischen Alpini-Denkmals in Bruneck, welches an die mit dem Völkermord an Äthiopiern belastete Truppe erinnert) das italienische Militär. Dieses beginnt sich in Gebäuden und hinter mit aufgetürmten Sandsäcken bzw. mit Minenfeldern befestigten Stützpunkten zu verschanzen. Die italienische Bevölkerung nimmt fassungslos wahr, daß sie von ihrer eigenen Armee nicht mehr ausreichend geschützt werden kann. Generell kann postuliert werden: Nicht nur die Nacht und die Berge gehören den Freiheitskämpfern, die von der Bevölkerung unterstützt und informiert werden. Tatsache bleibt, daß sich die Freiheitskämpfer über all die Jahre ab 1961 bis zur politischen Lösung des Konfliktes in Südtirol wie ein „Fisch im Wasser“ bewegen können.
Deshalb bedient sich Italien zunehmend der Geheimdienste und krimineller Elemente. Nachweislich der Erkenntnisse österreichischer Gerichte werden zur Gefährdung von zivil Reisenden Attentate auf Züge und Eisenbahneinrichtungen von dieser Seite begangen, um die Freiheitskämpfer öffentlich zu diskriminieren und so zu isolieren. Gleichzeitig und unabhängig davon setzt die italienische Regierung Österreich mit der Drohung seines Vetos gegen den von Wien geplanten und für notwendig erachteten EWG-Beitritt unter Druck. Auf Anregung Italiens treffen sich ab Sommer 1966 die österreichischen und italienischen Sicherheitsbehörden zu Geheimgesprächen in Zürich. So treffen sich dem Innenministerium unterstellte hohe Beamte mit ihren italienischen Kollegen, die bereits für Folter, Entführungen und Mord von Freiheitskämpfern verantwortlich sind. Um den Freiheitskampf empfindlich zu treffen, fordern die Italiener von Österreich die Anwendung von Präventivmaßnahmen für Südtiroler Freiheitskämpfer. Sie empfehlen ungeniert die Errichtung von Anhaltelagern, willkürliche Inhaftierungen, die Beeinflussung unabhängiger Gerichte und ähnlich wie in Italien bereits praktiziert, die Anwendung einer „Spezialbehandlung“ sowie anderer, in Österreich gesetzeswidriger Handlungen. Noch werden die Freiheitskämpfer durch die österreichische Verfassung und eines ihr treu ergebenen Justizministers geschützt. Aber zum Schaden einzelner Freiheitskämpfer werden entgegen nationalen und internationalen Rechts Erkenntnisse, welche u. a. durch die Folter zustande kamen und/oder für ein ordentliches Gericht keine Beweiskraft haben, ausgetauscht. Dies hat zur Folge, daß einzelne Freiheitskämpfer bis zu fünf Jahre in Untersuchungshaft gehalten und in Italien, trotz in Österreich erfolgten Freispruches, menschenrechtswidrig zu lebenslanger Haft verurteilt werden und deshalb bis heute, ohne Gefahr der Inhaftierung, Südtirol nicht betreten können. Den heute zugänglichen diesbezüglichen Wortprotokollen ist zu entnehmen, daß die Vertreter Österreichs eine strikte Geheimhaltung ihres schändlichen Vorgehens wünschen. Daraus schließe ich, daß diese Herren wissentlich Unrecht begehen, die Öffentlichkeit fürchten und sich zu Recht darüber schämen. Unabhängig davon findet Beweismaterial, das die Freiheitskämpfer entlastet, nicht den Weg von der Sicherheitsdirektion für Tirol und dem Wiener Innenministerium zu den Gerichten, geschweige denn zur Verteidigung.
Damit die politischen Verhandlungen nicht versanden, kommt es bis 1968 trotzdem wiederholt zu Gefechten und Anschlägen. Nach italienischen Angaben gibt es während dieser Zeit knapp über 400 Attentate, mehrere Dutzend italienische Soldaten sollen in Ausübung ihrer Pflicht zum Teil schwer verletzt und 16 von ihnen gefallen sein. Auch italienische Mütter trauern fortan um ihre Söhne. Die Verantwortung dafür trägt ausschließlich die italienische Armee, die ihre Angehörigen in Südtirol für imperiale Zwecke opfert. Die italienische Armee und die Geheimdienste wären gut beraten, ihre Archive zu öffnen und so Licht in das Dunkle zu bringen. Es ist einfach unredlich gegenüber den Angehörigen, den Freiheitskämpfern und der Öffentlichkeit, die eigene Schuld zu leugnen und diese Toten den Freiheitskämpfern anzulasten. So hat z. B. der Mord von Tiralongo höchstwahrscheinlich mit einer Familienfehde und nichts mit dem Freiheitskampf zu tun. Dies paßt aber der italienischen Politik 1964 nicht in das Konzept. So hat selbst der tote Tiralongo bis heute noch eine Aufgabe zu erfüllen!
An die 200 politische Südtiroler Häftlinge werden in Mailand, Florenz und Bologna angeklagt, bekennen und begründen ihre Handlungen und werden zu jahrhundertelangen Haftstrafen verurteilt. Davon müssen insgesamt über 500 Jahre abgesessen werden. Diese politischen Prozesse haben durch das korrekte Auftreten aller Freiheitskämpfer und durch die Übernahme jeglicher Verantwortung durch Sepp Kerschbaumer, dem Begründer des „Befreiungsausschuß-Südtirol“, der 1964 im Gefängnis zu Verona starb, sowie durch die sachliche Erläuterung der Ursachen des Südtirolkonfliktes viel zum Verständnis in der italienischen Öffentlichkeit beigetragen.

Sepp Kerschbaumer
Österreichs Außenminister Kurt Waldheim handelte mit Italiens Außenminister Aldo Moro 1968 das „Paket“ aus, welches in Südtirol mit knapper Mehrheit akzeptiert wurde.

Terroristen?

Als Italien Österreichs Beitrittsverhandlungen zum europäischen Wirtschaftsraum zu blockieren droht, werden die Freiheitskämpfer über Nacht auch in Österreich zu Terroristen. So werden 134 Personen, im Extremfall bis zu fünf Jahre, inhaftiert und zum Teil angeklagt. Die Geschworenen folgen jedoch den Argumenten der Verteidigung und fällen Freisprüche. Einige Freiheitskämpfer flüchten. Vornehmlich gehen diese in das Exil nach Deutschland.
In seinem Gutachten „Moraltheologische und rechtliche Beurteilung im Kampf um Südtirol“ stellt Univ.-Prof. Dr. Dr. Fritz Klüber (Regensburg) 1966 fest: „Es wird nur wenige Fälle im staatlich-politischen Geschehen neuerer Zeit geben, in denen das aktive Widerstandsrecht so eindeutig anerkannt werden muß wie im Falle Südtirols. Daß beispielweise die Erhebung vom 20. Juli 1944 und der Ungarn-Aufstand im Jahre rechtlich legitimiert waren, wird nur selten bezweifelt.“ Und: „Die Entscheidung für den aktiven Widerstand ist nicht nur rechtlich erlaubt, sondern moralisch von höchstem Wert, weil hier der einzelne sich mit dem Risiko seiner Existenz in den Dienst der Gemeinschaft stellt. Die Südtiroler Volksgruppe hat das Recht, entweder der italienischen Staatsgewalt solange aktiven Widerstand entgegenzusetzen, bis der Schutz des Volkstums durch rechtlich-institutionelle Sicherungen gewahrt ist, oder den Kampf solange weiterzuführen, bis zur vollen Herauslösung Südtirols aus dem italienischen Staatsverband.“ Klüber betont weiter: „Im Zusammenhang mit unserer Fragestellung kommt dem von der Rechtspraxis entwickelten Institut des übergesetzlichen Notstandes entscheidende Bedeutung zu. Strafrechtslehre und Strafrechtspraxis begründen den übergesetzlichen Notstand als Rechtfertigungsgrund mit dem Prinzip der Güter- und Pflichtabwägung, das will sagen, daß im Falle einer Kollision berechtigter Interessen das weniger wertvolle Rechtsgut dem höherwertigen geopfert werden muss.“ Und schließlich: „Das Verhalten österreichischer Staatsbürger, die in dieser Weise Südtiroler Widerstandskämpfer unter Außerachtlassung des Wortlautes positiver Rechtsnormen Hilfe zu leisten versuchten, ist also moralisch und rechtlich erlaubt und ethisch von hohem Wert.“
Auch wenn der Freiheitskampf nicht die gewünschte Wiedervereinigung Tirols und die Rückgliederung an das Vaterland Österreich gebracht hat, so ist unbestritten und wird von allen am Zustandekommen der politischen Lösung beteiligten Personen bestätigt: er hat nicht nur den Beginn der Verhandlungen mit Italien eingeläutet und deren Stillstand verhindert. Jüngste wissenschaftliche Erkenntnisse zeigen auf, daß die italienische Armee trotz der Stationierung von bis zu 40.000 Soldaten nicht in der Lage ist; den Südtiroler Freiheitskampf zu beenden und daher stark an Ansehen verliert. Eine weitere Verlängerung oder Aufstockung der Militärpräsenz ist aus wirtschaftlichen Gründen nicht mehr möglich. So zwingen die Pragmatiker in der Regierung die Falken im Außenamt zu Verhandlungen mit der SVP und Österreich. Zusätzlich hat der Freiheitskampf das Zustandekommen einer italienischen Bevölkerungsmehrheit in Südtirol gestoppt und eine kontinuierliche Abnahme derselben bewirkt und damit Südtirol eine „Verschnaufpause“ gebracht. So haben sich für Südtirol letztendlich die gewaltigen, selbstlosen Opfer der Freiheitskämpfer gelohnt.

 
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