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Identitäre Bewegung: Historische Wurzeln im antiken Sparta

In der Schlacht bei den Thermopylen stellte sich 480 v. Chr. der spartanische König Leonidas mit nur 7.000 Mann dem 100.000 Krieger zählenden persischen Reichsheer entgegen. Den Rückzug des Hauptteils seiner Streitmacht deckte er mit 300 Spartanern und 700 Thebanern und Thespiern, die alle den Tod fanden. Heute erinnert in Griechenland ein modernes Denkmal an ihn.
Das Opfer der Spartaner verschaffte den Griechen die Zeit, ihre Kräfte zu sammeln und zum Rückschlag ausholen zu können: In der Seeschlacht von Salamis fügten sie der persischen Invasionsflotte eine vernichtende Niederlage bei.
Das Lamda (das griechische „L“) stand als Abkürzung für die Lakedaimonier, die historische Bezeichnung des spartanischen Staates. Durch Frank Millers Comic „300“ und dessen Verfilmung rückte das Symbol wieder ins Bewußtsein der modernen Europäer.

Von Mag. Sebastian Pella

In dieser weltberühmten und oft zitierten Grabinschrift wird die Erinnerung an den Spartanerkönig Leonidas und dessen dreihundert Elitesoldaten, die 480 v. Chr. heldenhaft den Paß in der legendären Schlacht an den Thermopylen verteidigten, wach gehalten. Neben den unmittelbaren militärischen und politischen Folgen entfaltete dieses Ereignis seine weltgeschichtliche Bedeutung in dem durch dieses Opfer ermöglichten (nachfolgenden) Sieg der griechischen Welt gegen die anrennenden persischen Horden und der damit ermöglichten Rettung des Abendlandes.

„Wanderer, kommst Du nach
Sparta, verkündige dorten, Du
habest uns hier liegen geseh’n,
wie das Gesetz es befahl!“
Der amerikanische Zeichner, Schriftsteller und Filmemacher Frank Miller eröffnete mit seinem im Jahr 2007 für Furore sorgenden Film „300“ einen außergewöhnlichen Blick auf diese historische Welt, die mit ihren Idealen von Ehre, Verantwortung für das eigene Volk und Tapferkeit unserer dekadenten, hedonistischen und traditionsverneinenden Gegenwart diametral entgegensteht. Ebenso inspiriert das Vorbild Sparta die derzeit im Aufbau befindliche Bewegung der Identitären, die europaweit das von den spartanischen Kriegern stolz auf ihren Schilden geführte „Lambda“-Wappen als Symbol gemeinsamer Tradition und Geschichte führen.

Doch wo liegt das identitätsstiftende Moment?

Aus geschichtswissenschaftlicher Perspektive betrachtet, stellen zahlreiche tradierte Meinungen über spartanische Werte wie Tapferkeit, Disziplin, Treue und Ordnung zwar nicht generalisierbare Legenden über den spartanischen Staat dar, doch bietet gerade „der Spartiat par excellence“, „Leonidas, der strahlende Verteidiger der Thermopylen, die reine Verkörperung spartanischen Wesens schlechthin“ [Carl W. Weber: Die Spartaner. Düsseldorf 1977. S. 5], Gelegenheit, an die Notwendigkeit heroischer Mythen und die Bereitschaft zum Handeln in Zeiten der Not zu erinnern. Der Wille zur Tat fand hier einen weltgeschichtlichen Ausdruck und manifestiert einen Grundpfeiler abendländischer Identität.
Als im Jahre 480 v. Chr. die persischen Landtruppen, begleitet von der ihnen folgenden Flotte, den Hellespont auf zwei Schiffsbrücken überschritten, sahen sich zahlreiche griechische (Stadt-)Staaten dem furchteinflößenden Heer des Königs Xerxes hilflos ausgeliefert und gedachten an Anerkennung der persischen Herrschaft. In dieser Situation ergriffen Sparta und Athen – gewahr der welthistorischen Bedeutung, die eine Niederlage für den okzidentalen Kulturraum bedeutet hätte – die Initiative zum gemeinsamen Abwehrkampf gegen das nach vorsichtigen Schätzungen 100.000 Mann starke Heer von Xerxes. Sparta übernahm aus machtpolitischen Gründen, aber auch aus der Verantwortung für die hellenische Welt bereitwillig die Führungsrolle in dieser „neu gegründeten griechischen Wehrgemeinschaft, die alle antipersischen Kräfte in Hellas zusammenfaßte“ (Weber a.a.O. S. 267). Strategisch planten die Griechen die persische Flotte zu dezimieren, um die feindlichen Landtruppen moralisch zu destabilisieren, wobei es entscheidend war, den persischen Truppen solange den Zugang auf griechisches Territorium zu verwehren, bis die Flotte von Xerxes besiegt war. Das taktisch günstigste Gelände für eine Defensivstellung fand das die Verteidigung tragende Aufgebot Spartas im Thermopylenpaß, dem engen Hohlweg zwischen der See und dem Oita- Gebirge, wo das 7.000 Mann umfassende Heer des Königs Leonidas diesen einzigen Zugang nach Mittelgriechenland verteidigen sollte. Diese Stellung entfaltete ihren taktisch- strategischen Vorteil durch die Enge des Passes, wodurch das gewaltige Heer des persischen Herrschers nur mit wenigen Soldaten angreifen konnte. Gleichzeitig kreuzte die rund 200 Schiffe umfassende griechische Flotte nahe der Thermopylenstellung, um den Seeweg zu sperren und letztlich die Entscheidung mit der persischen Flotte zu erzwingen. Das parallele Vorrücken der See- und Landstreitkräfte Xerxes’ führte zum fast gleichzeitigen Aufeinandertreffen mit der griechischen Flotte und dem Heer von Leonidas.
Xerxes’ Überzeugung, die Thermopylenstellung rasch einnehmen zu können, veranlaßte ihn, zuerst die medischen Truppen in den Kampf gegen die Spartiaten zu schicken, doch scheiterten diese ebenso wie die am nächsten Tag in das Gefecht geworfene persische Eliteeinheit der „Unsterblichen“ am heldenhaften Widerstand der Heimatverteidiger unter Leonidas’ Führung. Die spartanische Taktik ermöglichte diese glanzvollen Siege, konnte aber nicht den Verrat des Griechen Ephialtes, der den Persern einen Umgehungspfad um den Thermopylenpaß nannte, auffangen: obschon Leonidas in Kenntnis der brisanten Lage tausend schwerbewaffnete Phoker zur Bewachung dieses Umgehungsweges zurückließ, vermochten diese das nun aufmarschierende persische Heer nicht aufzuhalten, so daß Xerxes in Mittelgriechenland stand und die infolgedessen bedeutungslose Stellung an den Thermopylen von hinten angegriffen werden konnte. Leonidas, von Boten über diese Entwicklung informiert, entließ die Bundesgenossen aus ihrer Pflicht und verblieb trotz der Möglichkeit eines sicheren Abzuges mit seiner dreihundert Mann starken Eliteeinheit sowie tausend Periöken und siebenhundert Thespiern in der schicksalhaften und todbringenden Stellung, denn für Krieger Spartas „zieme es sich nicht, den Platz zu verlassen, zu dem sie von vornherein gekommen seien, um ihn zu bewachen“ (Herodot). Dem spartanischen Kriegerethos und seinen Werten Tapferkeit, Treue und Disziplin verpflichtet, trotzten diese Recken Hellas’ den anstürmenden persischen Horden lange und standhaft.
Den Verlauf dieses Kampfes schildert Herodot in rhetorischem Pathos, welches an dieser Stelle nicht unerwähnt bleiben darf: „Die Barbaren um Xerxes rückten an, und die Griechen um Leonidas zogen, da sie im Begriff waren, in den sicheren Tod zu marschieren, jetzt noch mehr als zu Anfang zur breiteren Stelle des Engpasses. Wie sie nun außerhalb der Engen aufeinanderstießen, fielen eine Menge Barbaren, da von hinten aus die Anführer der Abteilungen alle Männer mit Geißeln immer wieder vorwärtstrieben. Viele von ihnen stürzten ins Meer und fanden den Tod, aber noch viel mehr Soldaten traten sich lebend gegenseitig nieder. Auf die Umgekommenen nahm man keine Rücksicht. Da die Griechen wußten, daß ihnen durch die, die das Gebirge umgangen hatten, der Tod bevorstand, zeigten sie ein Höchstmaß von Kraft gegenüber den Barbaren, ohne Todesverachtung und Besinnen. Den meisten von ihnen waren die Speere schon an diesem Tag zerbrochen, aber sie bedrängten die Perser mit ihren Schwertern. In diesem Kampf fielen sowohl Leonidas, ein hervorragender Held, als auch viele andere namhafte Spartiaten mit ihm. Der Kampf währte so lange, bis die Leute unter Führung des Ephialtes eintrafen. Als die Griechen von ihrem Kommen gehört hatten, nahm die Schlacht fortan einen ganz anderen Verlauf. Zum einen zogen sie sich nämlich zur Enge des Weges zurück, und dann kamen sie, nachdem sie an der Mauer vorbeimarschiert waren, und setzten sich alle auf einem Hügel fest. Hier wehrten sie sich mit Schwertern, sofern sie noch eines besaßen, und mit Händen und Zähnen, aber die Barbaren überschütteten sie mit ihren Geschossen, die einen, die von vorn gegen sie angerückt waren und die Schutzwehr der Mauer niedergerissen hatten, und die anderen, die von allen Seiten kamen und sie rings umzingelten“ [Josef Feix (Hrsg.): Herodot. Historien 7, 219–228. München 1964. S. 1034–1041].

Die militärischen Konsequenzen der Schlacht an den Thermopylen

Herodots mythenstiftende Darstellung orientiert sich nahe an den realgeschichtlichen Ereignissen, in deren Folge die wenigen verbliebenen Verteidiger der Thermopylen vollends vernichtet wurden. Dennoch bewirkte der tapfere Widerstand der Spartaner, daß die übrigen griechischen Truppen ihre Kräfte sammeln und nach der Brandschatzung weiter Teile der hellenischen Welt durch die Perser zum Rückschlag ausholen konnten: die berühmte und siegreiche Seeschlacht von Salamis bildete das Resultat der gemeinsamen Kraftanstrengung der damaligen Speerspitze der abendländischen Welt – des Griechentums! Als der Althistoriker Erich Bayer 1966 schrieb, „Der Opfertod der 300 Spartiaten hatte so nicht nur eine tiefe moralische Wirkung, sondern auch seine aktuelle strategische Bedeutung“, rekurrierte er auf den von den Kriegern um Leonidas errungenen Zeitkorridor, der es einem Großteil der griechischen Verbündeten, die nach einer mehrtägigen Abnutzungsschlacht mit der persischen Flotte am Kap Artemision den Rückzug antreten mussten, erlaubte, „durch den schmalen Sund zwischen Insel und Festland“ zu entkommen, weil eben „gleichzeitig an den Thermopylen Leonidas mit dem Restkommando des griechischen Aufgebots das weitere Vorrücken des persischen Landheers verzögerte“ (Erich Bayer: Die Griechen. In: Saeculum Weltgeschichte, Bd. 2: Neue Hochkulturen in Asien – Die ersten Hochreligionen – Die griechisch-römische Welt. Freiburg u.a. 1966. S. 107–195, hier: S. 150).
In diesem Moment war zwar Mittelgriechenland verloren und Athen in den Händen der Perser, doch die griechischen Kämpfer konnten sich „an der letzten und wirksamsten Verteidigungslinie, dem Isthmos“ (Erich Bayer a.a.O.) sammeln und unter Führung des Atheners Themistokles in die entscheidende Schlacht bei Salamis ziehen. „Ein günstigeres Kräfteverhältnis als im August bei Artemision (etwa 400 : 300 Schiffe), die vertrauten, engen Gewässer, der Mut der Verzweiflung, der sich zu heiliger Begeisterung steigerte – dies alles wirkte zusammen, daß Xerxes, der von einem Hügel des attischen Landes aus das Schlachtenpanorama betrachtete, an jenem Septembertag des Jahres 480 die Niederlage seiner Flotte und den Verlust einer Eliteeinheit seins Adels mitansehen mußte. Entmutigt kehrte er den Weg, der er gekommen war, heim; er ließ ein zerstörtes Athen zurück, aber auch ein Landheer, das unter Mardonios in Thessalien blieb“ (Erich Bayer a.a.O., S. 150–151). Das Jahr 479 v. Chr. brachte schließlich die endgültige Entscheidung, als sich die nominell immer noch unter spartanischer Führung stehende Flotte der Griechen bei Aigina sammelte und zum entscheidenden Schlag in der Schlacht bei Plataiai ausholte. Gleichzeitig griff das Landheer unter Führung des spartanischen Thronverwesers Pausanias den persischen Statthalter Mardonios in Böotien an, der im Kampf fiel und so „die Reste der Perser (…) bis auf wenige thrakische Stützpunkte Europa“ (Erich Bayer a.a.O., S. 151) räumten. König Leotychidas lief im folgenden mit der griechischen Flotte aus, stellte die persischen Schiffe an der kleinasiatischen Küste und „erstürmte und verbrannte sie in einem homerischen Kampf bei Mykale, ein Flammenzeichen, das für das anatolische Griechentum den Beginn der Freiheit bedeutete. Als die griechische Flotte dann in den Hellespont einfuhr, fand sie die Schiffsbrücken des Xerxes bereits abgebrochen. Der Krieg um Griechenland war zu Ende, 33 Poleis, deren Namen zum größten Teil auf den Resten des delphischen Siegesmonuments erhalten sind, (…), hatten den stärksten und bestorganisierten Angriff des persischen Weltreichs abgewehrt“ (Erich Bayer a.a.O.). Die Sprache Erich Bayers verrät uns die noch freiheitliche Denkkultur in den Geisteswissenschaften vor dem Siegeszug der 68er-Bewegung. Denn Aussagen, wie die nachstehend zitierten, brächten heute den akademischen Karriereknick mit sich. Bayer ordnete die weitreichenden Folgen der Abwehrschlachten um Griechenland in den gesamthistorischen Kontext für die Geschichte Europas ein: „Sehr bald erkannten die Menschen die weltgeschichtliche Bedeutung der Ereignisse von 490 und 480/479 (…)“; „Der Freiheitskampf der Griechen aber darf unbestritten als Geburtsstunde Europas gelten. Er stärkte, trotz aller Mängel und Unzulänglichkeiten im Ablauf der Ereignisse, das Bewußtsein der hellenischen Gemeinsamkeit, jener, Einheit in der Vielfalt, die nach Oscar Halecki das Wesen Europas schlechthin ausmacht; und er bestimmte diese Gemeinsamkeit zugleich näher durch das nunmehr jedermann begreiflich gewordene Ideal der Freiheit (…)“ (Erich Bayer a.a.O., S. 152). Der Heldentod der 300 Spartiaten ebnete hierfür den Weg!
Der militärischen Selbstaufopferung für das Vaterland und den eigenen Kulturraum gedachten die Zeitgenossen mit der Leonidas posthum zuteil gewordenen Ehre der Benennung des verteidigten Hügels nach ihm sowie dem anfangs zitierten Gedenkstein mit der Inschrift des Dichters Simonides: Leonidas ward Sparta und Sparta ward Leonidas! Die Treue und das Ehrbewußtsein des spartanischen Königs verdeutlicht sich in folgender Überlieferung: der Perserkönig bot Leonidas vor der Schlacht ein Bündnis an, wonach Sparta die Herrschaft über die hellenische Welt hätte ausüben sollen, doch Leonidas beantwortete dieses Ansinnen in der Verantwortung für das griechische Volk: „Wenn du, Xerxes, etwas von den edlen Dingen des Lebens wüßtest, würdest du davon ablassen, fremdes Eigentum zu begehren. Was mich betrifft, so ist der Tod für Griechenland besser als die Herrschaft auch nur über meine eigenen Landsleute“ (zitiert nach: Weber a.a.O. S. 273). Obschon der strategisch-taktische Nutzen des heldenhaften Opfertodes der Krieger Leonidas’ aus militärgeschichtlicher Perspektive ambivalent zu beurteilen ist, bildete diese sagenhafte Ruhmestat im Geiste des höchsten spartanischen Ideals den Kern der Historienbildung um den legendären Stadtstaat, dessen Mythos bis heute die Menschen fasziniert und in Tagen ethnisch-kulturellen Verfalls Anknüpfungspunkte verdient hat.

Das Staatsideal der Spartaner

Der verdienstvolle Film Millers, der auf dessen gleichnamiger Bildgeschichte „300“ beruht, erzeugte bei den Millionen an Zuschauern ein Gefühl der Notwendigkeit nach Rückbesinnung auf heroische Werte sowie nach dem Willen zur Tat in Zeiten äußerster Bedrängnis und stellte im Gegensatz zu den uns in den Lichtspielhäusern sonst begegnenden kulturlosen Werken im Geiste der multikulturellen „Eine-Welt-Ideologie“ eine erfrischen Abwechslung dar. Dieser Popularitätsschub in der jungen Generation dürfte den Identitären bei der Wahl ihrer Symbolik, des Lambda-Zeichens, durchaus bewußt gewesen sein und weist angesichts der heutigen Frontstellungen in dem im Siechtum befindlichen Abendland tatsächlich identitätsstiftende Wurzeln auf. Ob die Identitäre Bewegung in Europa allerdings – nebst der Verteidigungsfähigkeit und Kampfkraft spartanischer Krieger – auch die Staats- und Gemeinschaftsstruktur der Lakedämonier als Ideal betrachtet, bleibt abzuwarten. Einen tiefgründigen geschichtlichen Einblick in die soldatische Lebenswelt Spartas lieferte uns der scharfsinnige Althistoriker Helmut Berve in seinem in den 1930er Jahren erschienen Werk über den „Kosmos von Sparta“:
„Bewundernd haben selbst die Gegner Spartas vor der großartigen Geschlossenheit und Unbedingtheit des Kosmos gestanden, der, wenn auch nur für einen Adelskreis, den griechischen Staatsgedanken der politischen Gemeinschaft in schier vollkommener Weise verwirklichte. Mit einem Gemisch von Staunen, Neid und Unbehagen betrachtete man den einzelnen Spartiaten, dem der eherne Prägestock des Gesetzes eine typische Form gab. Unbestritten war die kriegerische Tüchtigkeit der adligen Elitetruppe, die zusammenhielt wie keine Phalanx sonst, und ihrer Einzelkämpfer, die in der Kunst des Fechtens jedem Hopliten aus einem der griechischen Aufgebote, der vom Pflug zu den Waffen eilte, weit überlegen waren. Die Tugenden des Gehorsams, der Disziplin, der Ordnung, die dem Hellenen keineswegs selbstverständlich waren, legte eine generationenlange Erziehung dem Spartiaten ins Blut, ja mehr als dies: das Gesetz der Gemeinde und seine Erfüllung durch den einzelnen wurden den Angehörigen dieser militärisch geformten Adelskaste zum Sinn des Lebens selbst. Nur in bezug auf das Gesetz, das nach allgemeinem Glauben der Gott zu Delphoi den Männern von Sparta gegeben hatte, bedeutete das Einzelleben etwas; sein Glück lag nicht im Genuß des Daseins, sondern in der Bewährung vor der großen Forderung, die über allen aufgerichtet war. Hier ward Dienst zur Ehre, Hingabe zu Selbstvollendung, und der Tod verlor seine Schrecken, wurde er männlich im Kampf gefunden. Als höchste Bewährung der Mannheit, als Krönung all jener Tugenden und Leistungen, darin man sich seit früher Kindheit im Wettstreit mit den Standesgenossen maß, war er [der Tod] eher zu suchen als zu fliehen. Wer ihn erlitt, hatte an dem wahren Leben, dem Leben im Gesetz, mehr Anteil als der, den ruhmloser Strohtod entraffte. Dieser Geist, schon von Tyrtaios in unvergleichlichen Elegien den Kämpfern um Messenien eingehaucht, hat im Verein mit der Überlegenheit an Fechtkunst und Taktik der kleinen Spartiatenschar eine schlechthin einzigartige Stellung im Kriegswesen von Hellas gegeben, welche die lückenlose Kette der Siege, die sich durch zwei Jahrhunderte zeiht, einigermaßen begreifen läßt. Dieser Geist ist aber auch der eherne Hort adligen Sinnes gewesen, als dieser Sinn ringsum in Hellas erstarb, und hat in seiner unbeugsamen Starrheit die Idee eines höheren Lebens bis zuletzt aufrechterhalten.“ (Helmut Berve: Sparta. Leipzig 1937. S. 43–44)


Der siegreiche Abwehrkampf der Griechen gegen das persische Großreich kann als Geburtsstunde Europas betrachtet werden.

 
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