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Reiter in deutscher Nacht

Rudolf Freiherr von Eichendorff hat, selbst Angehöriger des Freikorps Lützow, mit der Waffe an der Befreiung Deutschlands mitgewirkt.
Robert Hohlbaum hat in seinen Romanen mehrfach das Schicksal von Burschenschaftern im 19. Jahrhundert gestaltet.
Hans Grimms Bestseller „Volk ohne Raum“, ein Kolonial-Roman, wurde von Kurt Tucholsky als „Bibel des Deutschtums“ bezeichnet.
Edwin Erwin Dwingers Baltikum-Roman „Die letzten Reiter“ schildert mit großer Eindringlichkeit die Kämpfe der Freikorps.
Der gebürtige Österreicher Arnolt Bronnen etablierte sich in Berlin als expressionistischer Theaterautor mit linksradikalen Tendenzen. Sein Oberschlesien-Roman „O. S.“ markierte seine Wendung zum Nationalismus.
Nach einer radikalen Phase wandte sich Ernst Wiechert einer stark christlich orientierten Weltsicht zu, dem Dritten Reich stand er als entschiedener Gegner gegenüber.
Hans Falladas „Bauern, Bonzen und Bomben“ bildet auch für den heutigen Leser einen hervorragenden Einblick in wesentliche Probleme der Weimarer Republik.
Ernst von Salomon schuf mit dem Buch „Die Geächteten“ einen der wichtigsten Romane über die deutsche Bürgerkriegszeit der Weimarer Republik.
Friedrich-Wilhelm Heinz ist der Verfasser des außerordentlichen Buches „Sprengstoff“
Alexander Lernet-Holenia (oben) hat mit seinem schmalen Roman „Die Standarte“ ebenso wie Bruno Brehm (unten) mit seiner groß angelegten Romantrilogie eine Sinndeutung des Untergangs der Habsburger Monarchie versucht.

Von Manfred Müller

Nationalisten in deutschen Romanen

Ernst Jünger nimmt für sich in Anspruch, den Begriff „Nationalist“ in die deutsche Sprache eingeführt zu haben. In seinen Alterstagebüchern „Siebzig verweht“ zitiert er einen Brief, den er dem Schriftstellerkollegen Alfred Andersch geschrieben hat (Eintragung vom 7. Juni 1977): „Sie rechnen mich nicht den Konservativ-Nationalen, sondern den Nationalisten zu. Rückblickend stimme ich dem zu. Ich darf selbst sagen, daß ich das Wort erfunden habe; neulich bei der Lektüre seiner ‚Cahiers‘ entdeckte ich eine merkwürdige Parallele zu Maurice Barrès.“1 Schon 1921 hat der Romanist Ernst Robert Curtius den französischen Philosophen Barrès als den Erfinder des Begriffs „Nationalismus“ ausgemacht. Barrès prägte den Begriff erstmals 1892.2 Jünger fährt fort: „Das erinnert mich an den Tag, an dem wir eine der kleinen Zeitschriften, ‚Die Standarte‘, gründeten. Wir berieten über den Titel: ‚Es ist doch eine Schande, daß heute selbst national ein Schimpfwort geworden ist.‘ Ich sagte: ‚Ihr müßt euch eben Nationalisten nennen und aus der Defensive heraustreten.‘ So geschah es denn.“4

Dieser Gründungsakt liegt vor dem 1. April 1926, denn zu diesem Datum erschien die Nr. 1 von „Standarte. Wochenschrift des neuen Nationalismus“ als selbständige Zeitschrift (vorher, seit 6. September 1925, Beilage zur Bundeszeitung des „Stahlhelm. Bund der Frontsoldaten“).5 In dieser Beilage benutzt Jünger den Begriff „Nationalist“ zum erstenmal in der Ausgabe von 22. November 1925; in der Ausgabe vom 20./27. Dezember 1925 wendet er sich erstmalig mit der Anredeformel „Nationalisten!“ an seine Leser (Anrede in früheren Ausgaben: „Frontsoldaten!“)6
Aber Jünger kann nicht derjenige sein, der dieses Wort in die deutsche Sprache eingeführt hat. Man blättere nur einmal in dem berühmtesten Werk von Arthur Moeller van den Bruck: Das Dritte Reich (Erstauflage 1923). Auch in der Schlageter-Rede, die Karl Radek 1923 vor der Erweiterten Exekutive der Kommunistischen Internationale gehalten hat, wird der Begriff „Nationalist“ ganz selbstverständlich benutzt („Haben das alle deutsche Nationalisten verstanden?“).7
Im heutigen deutschen Sprachgebrauch wird „Nationalist“ meistens deckungsgleich mit „Chauvinist“ verwendet. Gemeint ist eine übersteigerte, überhitzte, andere Nationen völlig abwertende Einstellung zur Großgruppe Nation, der man angehört. Relativ selten findet man eine Zuordnung zu einer Haltung, die einer recht starken Einsatzbereitschaft und Hingabe für die eigene Großgruppe Nation entspricht. Bei Denken und Tun rückt die Nation, sobald sie in wichtigen Fragen betroffen ist, in den Mittelpunkt der Überlegungen und Handlungen des Individuums. Dies vor allem, wenn die Nation sich in einem Zustand der Unterdrückung befindet oder wenn ein staatlicher Rahmen für sie erst erkämpft werden muß. Rückt die Nation dabei in den Rang des höchsten aller Werte, handelt es sich um den sog. integralen Nationalismus.8

Die Befreiungskriege

Das moderne deutsche Nationalbewußtsein beginnt im Zeitalter der Befreiungskriege. In Frankreich war es zur Nationalisierung der Massen gekommen. Beim Griff über die französischen Grenzen hinaus ging dem französischen Nationalismus nahezu alles verloren, was ihn zu einem Befreiungsnationalismus gemacht hatte. Er wandelte sich zu einem unterdrückenden Nationalismus, rief Gegenkräfte wach und provozierte so auch in Deutschland die leidenschaftliche Nationalisierung der Massen.9
Man kann also durchaus in Romanen aus der Zeit der Befreiungskriege nach deutschen Nationalisten suchen, obwohl es diesen Begriff damals in unserer Sprache noch nicht gab. Romane sind fiktionale Erzählgewebe, die Ausschnitte aus der Welt- und Lebenstotalität bieten – sprachliche Gebilde, in die stärker oder schwächer Geschichtliches einfließt.
Von Romanautoren, die aus eigenem Erleben Zeitgenössisches aus dem frühen 19. Jahrhundert in ihre Werke einbauten, sind heute nur noch wenige kleineren Kreisen der gebildeten Öffentlichkeit bekannt. Einer von ihnen ist Joseph Freiherr von Eichendorf (1788–1857), der als Angehöriger des Freikorps Lützow mit der Waffe (und nicht nur mit dem Wort) an der Befreiung Deutschlands mitgewirkt hat.
Eichendorffs Zeitroman Ahnung und Gegenwart (entstanden zwischen 1810 und 1812, Erstveröffentlichung 1815) hat einen Protagonisten, den jungen Grafen Friedrich, der für unsere Thematik von Interesse sein könnte. Dieser Adelige ist an der Zeitproblematik leidenschaftlich interessiert, eilt den Aufständischen in Tirol zu Hilfe, geht als Geächteter seiner Güter verlustig. Am Ende aber biegt Eichendorff den Befreiungskampf seines Helden im Sinne einer christlich-apokalyptischen Weltdeutung um. Friedrich wählt „das Kreuz zum Schwerte“, wird Ordensgeistlicher, um im befreiten Deutschland in die geistigen Kämpfe der Zeit einzugreifen.
Als Repräsentanten eines als negativ empfundenen (Links-)Nationalismus hat Eichendorff eine Nebenfigur seines Romans Dichter und ihre Gesellen (1833) gestaltet: den Maler Albert. Dieser, ein Kriegsteilnehmer von 1813, tendiert in seinem Äußeren zur Karikatur eines in die Jahre gekommenen altdeutschen Jünglings (Zeit der Handlung: um 1830). Dem Metternich-System entflohen, hat er sich in Italien der revolutionären, von den Freimaurern beeinflußten Untergrundbewegung der Carbonari angeschlossen, die den italienischen Nationalstaat erkämpfen wollen. Als Verschwörer gescheitert, umstellt von den Häschern, endet Albert im Selbstmord, verzweifelt über die „Schmach der Zeit“ und seine Zeitgenossen („Horch, wie sie draußen jauchzen und mit den Sklavenketten lustig klingeln – das ist’s, was mir das Herz frißt.“)10
Unter den Nachgeborenen, die deutsche Romane über die Befreiungskriege geschrieben haben, ragt Theodor Fontane (1819–1898) mit seinem Debütroman Vor dem Sturm (1878) heraus. Die Handlung spielt im Oderbruch und ist auf wenige Wochen, beginnend mit Heiligabend 1812, konzentriert. In vielfältigen Brechungen gibt Fontane die Stimmung (nach Napoleons Rußland-Debakel) wieder, in welche die märkische Adels-, Bürger- und Bauernwelt geraten ist. Vier der handelnden Gestalten weisen voraus auf die deutschen Nationalisten der 1920er Jahre, obwohl das Preußische stärker als das Deutsche die Identifikationsebene ist. Der alte Berndt von Vitzewitz, Landedelmann im Oderbruch, plant nach spanischem Vorbild für seine Gegend den antifranzösischen Vernichtungskrieg – wenn es sein muß, auch gegen den Willen des schwachen preußischen Königs. Als Reaktion auf persönliches Leid und aus tiefer Betroffenheit über die Schandtaten der Franzosen im niedergezwungenen, tief gedemütigten Preußen formuliert er es so: „Nur kein feiges Mitleid. Jetzt oder nie. Nicht viele werden den Njemen überschreiten, über die Oder darf keiner.“ Sein Sohn Lewin will die offene, ritterliche Art der Kriegsführung „Ja, ich will Krieg führen, aber deutsch, nicht spanisch, auch nicht slawisch.“ Doch auch Berndt ist letztlich doch nicht von einem so fanatischen Vernichtungswillen beseelt wie etwa der zeitgenössische Dichter Heinrich von Kleist („Hermannsschlacht“). Schon vor dem Landsturm-Handstreich gegen Frankfurt (Oder) findet er sich mit der üblichen Gefangennahme von Franzosen ab. Nach dem gescheiterten Unternehmen gegen Frankfurt gerät er in Gewissensnot: „War es Vaterland und heilige Rache, oder war es Ehrgeiz und Eitelkeit?“11
Bei dem Landsturm-Unternehmen fallen der Student Hansen-Grell (ein Hölderlin-Bewunderer) und der calvinistische Konrektor Othegraven, beide von ihrer Abstammung und ihren Anschauungen her über das Märkisch-Preußische hinaus ins Gesamtdeutsche weisend.

Vormärz

Sucht man nach einem zeitgenössischen Romanautor, der Frühnationalisten der Metternich-Ära bis zur 1848er Revolution in seinem Werk auftreten läßt, findet man niemanden von Rang und Namen. Man kann sich aber an einen Nachgeborenen halten, den sudetendeutsch-österreichischen Autor Robert Hohlbaum (1886–1955), wenn man antiquarisch das 1927 erschienene Buch Die Raben des Kyffhäuser erwirbt. Mit diesem „Roman der Burschenschaft und ihres Zeitalters“ gelingt es Hohlbaum, die Eigentümlichkeit von Burschenschaftern und Turnern in ihrem studentischen Überschwang und ihrer Bewährung oder ihrem Scheitern im späteren Leben, in ihrem Sehnen, Kämpfen und Leiden dem Leser farbig vor Augen zu stellen. Besonders eindringlich wird das seelische Ringen des Kotzebue-Mörders Sand und die Ausstrahlung von Karl Follen, Inspirator des radikalen Flügels der Burschenschaft, gestaltet. Untergrundburschenschaft, Frankfurter Wachesturm, Hambacher Fest – da wird auch das Zwielichtige und Abstoßende nicht verschwiegen. Alles zwischen Verrat, Anpassung und Opfertod ist hier zu finden.
Und dann 1848: „Die Farben der Burschenschaft rauschten über Deutschland.“ Sucht der Leser einen Schlüssel zur Deutung der Frühnationalisten in diesem Roman, so sollte er sich an den Erklärungsversuch Hohlbaums halten: „Alle geistigen, sozialen und nationalen Strömungen, die uns ein Jahrhundert lang durchwühlt haben und uns heute noch erschüttern, sind im Rahmen der deutschen Burschenschaft von einst vorgeahnt und vorbereitet worden … Mochte sie vom Wege abirren, sich zu Torheit und Verbrechen fortreißen lassen, die Schuld fällt nicht auf sie, sondern auf ein faules, rationalistisches Alter, das ihr ursprünglich reines Wollen nicht verstand.12
50 Jahre, nachdem Hohlbaum diese Einschätzung getroffen hatte, sah die Welt der deutschen Studentenschaft völlig anders aus. Der kulturelle Amerikanismus, liberalistische und marxistische Utopien hatten spätestens seit der 1968er Revolte die bundesdeutschen und österreichischen Hochschulen zu Brutstätten eines Primitiv-Hedonismus mit radikalen politischen Eruptionen (Terrorismus der 1970er Jahre!) verkommen lassen. Der Romanautor Michael Zeller (Jg. 1944) verdichtete seine persönlichen Erfahrungen, die er bis 1984 studierend und dozierend in der Germanistik gesammelt hatte, in einem Universitätsroman, der sich in Einschüben auch mit den Frühnationalisten Sand und Follen befaßt. In diesem Roman gerät der Germanistik-Dozent Buchwald in den Verdacht, ein Sympathisant des RAF-Terrors zu sein. 1977 gibt er unter dem Druck randalierender linker Studenten, denen er nicht progressiv genug ist, und unter dem Druck der Universitätsbehörden den Plan auf, eine Follen-Biographie zu erarbeiten und zu veröffentlichen. Welche Kontraste: der kämpferisch-idealistische, charismatische Follen und der BRD-konformistische, feige Buchwald, der immer nur um seine banalen Lüste und Sorgen kreist; die Gefolgsleute Follens und die zu APO-Spätlingen verkommenen Randale-Studenten von 1977. Der Roman gerät an vielen Stellen zur Universitätssatire, die gleichermaßen Lehrkörper, Behörden und Studenten bloßstellt. Die Studenten: meilenweit entfernt von einer nationalen Identität, die sich aus dem geistigen Kosmos der Nation aufbaut. Kleine Kostprobe aus dem, was Buchwalds Seminarteilnehmer in der Sprechstunde an den Dozenten herantragen: „Nee, weißte, mit dem Vormärz, das is nich. Der Herwegh, du: das war schon ’ne irre Type …“ Oder: „Aber über den Herwegh jetzt zu germantisieren (sic!), so mit Sekundär-Gedöns und Pipapo – nee, du, echt, das kekst uns an.“13

Zweikampf um Deutschland

Sucht man nach deutschen Romanautoren, die das Zeitgeschehen im Vorfeld der Reichseinigung miterlebt und in ihrem Werk verarbeitet haben, kommt man zu einem etwas überraschenden Ergebnis. Die deutsche Nationalstaatsbildung ist nur in geringem Maße in deutsche Romane eingegangen, frühe Nationalisten sind als handelnde Personen kaum auszumachen. Fast alles bleibt im Bereich des Nur-Patriotischen. Ein sprechendes Beispiel hierfür ist Wilhelm Raabes Roman Gutmanns Reisen (Erstauflage 1891) mit biederen Patrioten des Deutschen Nationalvereins um 1860. Eine beträchtliche Anzahl solcher gediegen-bürgerlicher Patrioten täte heutigen nationalen Gruppierungen allerdings gut.
Etwas größer dürfte die Anzahl von Romanen dieser Thematik sein, die aus der Feder von Nachgeborenen (oder Quasi-Nachgeborenen) stammen. Manche sind auch heute noch nicht ganz vergessen. So etwa Clara Viebig (1860–1952) mit dem Roman Die Wacht am Rhein (Erstauflage 1902), dessen rheinisch-preußisch-kleindeutsche Problematik auch noch in der Alt-BRD interessierte Leser fand.14 Oder Adolf Bartels mit seinem Roman Dietrich Sebrandt (Erstauflage 1899). Sein Protagonist, ein Autodidakt aus Dithmarschen, kämpft 1848 in Berlin auf den Barrikaden. Im Freiheitskampf Schleswig-Holsteins gegen Dänemark streitet er als Journalist und als Freiwilliger für die deutsche Sache seiner Heimat, für die er sein Leben hingibt.
Die österreichisch-großdeutsche Perspektive dieser Jahre arbeitet Robert Hohlbaum in seinem Roman Zweikampf um Deutschland heraus (erschienen 1936). Er entfaltet hier den Entwicklungsgang studentischer Wiener Barrikadenkämpfer (von 1848–1870). Diese Mitglieder der Akademischen Legion stehen in einem Spannungsbogen von hingebungsbereiter Treue zu den freiheitlichen und großdeutschen Idealen bis hin zu austriakischem Opportunismus. Erschütternd das Schicksal des Friedrich Jordan, der als Nationalist in den fürchterlichen Verliesen der Festung Spielberg über 10 Jahre hin körperlich und seelisch zerbrochen wird. Sein Schicksal spiegelt sich in dem des jungen österreichischen Offiziers Piero Calvi aus vornehmem oberitalienischem Hause wider, der am Ende heftiger Gewissenskonflikte zur geheimen italienischen Untergrund-Nationalbewegung überläuft. In die Zukunft weist die Gestalt des Gymnasialprofessors Dr. Emmerich Matzke aus Nordböhmen, dessen Weltbild und geschichtlich-politische Auffassungen aus den Erfahrungen des Grenzlanddeutschtums scharfe Konturen gewinnen.

Weimar

Romane zu unserem Thema über die Jahre 1914 bis 1918 müssen hier aus Platzgründen ausgespart werden. Es ließe sich beobachten, wie sich unter dem Eindruck der Stahlgewitter des Ersten Weltkriegs der soldatische Nationalismus ausformte, der dann in der Bürgerkriegssituation der Weimarer Republik junge Frontkämpfer und junge Männer, die nicht mehr zum Fronteinsatz gekommen waren, zu politischem Aktivismus in Wort und Tat antrieb. Fronterlebnis und Frontgeist bestimmten die Kämpfer, die den Zerfall oder die Versklavung des Reiches verhindern wollten und auf eine Systemüberwindung hinarbeiteten.
Generalnenner für Romane über kämpferischen Nationalismus in der Weimarer Republik könnte eine Feststellung Ernst Jüngers aus dem Dezember 1925 in der „Standarte“ sein: „Den Vorwurf des ‚Nationalismus‘, den man uns dann machte, wollen wir zu unserem Ehrentitel wählen. Ja, wir sind nationalistisch, wir können gar nicht nationalistisch genug sein, und wir werden uns rastlos bemühen, die schärfsten Methoden zu finden, um diesem Nationalismus Gewalt und Nachdruck zu verleihen.“15
Es finden sich Autoren, die das wild-bewegte Leben solcher Nationalisten in Romanen mit dokumentarischer Tendenz darstellen. So der damals als Skandalautor geltende Hanns Heinz Ewers (1871–1943), in dessen Romanen sexuell freizügige Partien für Aufsehen und Empörung sorgten. Im Ersten Weltkrieg in den USA interniert, machten das Versailler Diktat und die französisch-belgische Besatzungsherrschaft am Rhein den gebürtigen Düsseldorfer zu einem glühenden Nationalisten, der 1931 in die NSDAP eintrat und 1932 den Roman Reiter in deutscher Nacht publizierte. Hauptfigur ist der Oberleutnant Gerhard Scholz, dem in der Realität Oberleutnant Paul Schulz entsprach, Frontkämpfer, Freikorpsmann, Mitorganisator der Schwarzen Reichswehr, führender Aktivist der lose strukturierten O. C. (Organisation Consul). In die sog. Fememordprozesse verwickelt, wurde er zum Tode verurteilt und über fünf Jahre eingekerkert. Der Roman hat ein offenes Ende: Der Amnestierte leidet unter den Folgen einer schweren Haftpsychose und hat noch keinen Zugang zu neuen nationalistischen Aktivitäten gefunden.16
Dieser Roman blieb trotz heftiger Proteste aus Kreisen der NSDAP, die sich der strengen Sittlichkeit bürgerlicher Moral verbunden sahen oder dies vorgaben (u. a. Will Vesper, Alfred Rosenberg, Walter Buch), mit hohen Auflagenzahlen bis 1935 erhältlich. Anders der Roman Horst Wessel, den Ewers auf Wunsch Hitlers verfaßt und 1932 publiziert hatte. Im Frühjahr 1934 gab Propagandaminister Goebels dem Drängen der zahlreichen Gegner des verteufelten „Politpornographen“ nach und verbot das Buch.17
Anschaulich, spannend, mitunter sogar reißerisch, schildert Ewers in Reiter in deutscher Nacht die Kämpfe des Protagonisten und seiner Kameraden gegen Kommunisten, Polen, Franzosen, Belgier, Separatisten, deutsche Kollaborateure. Sehr emotional die Schilderung des Leids in den Gefängnis- und Zuchthausjahren. Entehrend die aufgezwungene Arbeit für den Offizier: „Tüten kleben, Schweinsborsten auslesen, Abtrittbürsten anfertigen“. Schlimmer die auf Persönlichkeitszerstörung zielende psychische Quälung des Gefangenen. Schließer Kubalke: „Wat denn, wat denn, Scholz? Sei woll’n aus’m Zuchthaus komm’? Woll’n zwölf Jahre lang Soldat jewesen sin? Da solltense doch nu jelernt haben, wie blank det der Kübelrand des Fäkalieneimers sin muß!“ 1930 schreibt der zermürbte Scholz an Reichspräsident von Hindenburg, an dessen Wahlkampagne 1925 er als nationaler Aktivist führend beteiligt gewesen war, und bittet um die Hinrichtung (als eine „wahre Gnade“): „Ich habe alles verloren für Deutschland, Verlobte und Schwester, drei Brüder, Vater und Mutter. Viele treue Kameraden – überall in Europa faulen ihre Knochen. Wofür nur, wofür? Und das letzte, das mir blieb, das einzige: die Hoffnung auf Deutschland – das, Herr Generalfeldmarschall von Hindenburg, zerbrach in den Jahren Ihrer Präsidentschaft.“18 
Literarisch höheren Rang als Ewers hat Hans Grimm (1875–1959). In seinem großen Romanwerk Volk ohne Raum (Erstausgabe 1926) entfaltet Grimm den Lebensweg des Cornelius Friebott, des Sohnes eines Kleinbauern aus dem Weserbergland. Nachdem er als Tagelöhner und Bergbauarbeiter ein Leben mühsam gefristet hat, wandert Friebott nach Südafrika aus. Schwere Jahre und schlimme Schicksalsschläge stehen ihm bevor (Farmer in Südafrika, Teilnehmer am Burenkrieg und an der Niederwerfung des Hottentotten-Aufstandes in Deutsch-Südwest, Verurteilung zum Tode durch die Briten, britische und portugiesische Haft). Aus Portugiesisch-Ostafrika kann er in das Deutschland des verlorenen Ersten Weltkriegs fliehen. Unter dem Eindruck seine Erfahrungen in Deutschland und Übersee wandelt sich Friebott vom Sozialdemokraten zum Nationalisten. Schlüssel zur Behebung der deutschen Misere scheint ihm die Raum- und Kolonialfrage zu sein, daher der Titel des Romans. Voraussetzung ist, daß die Deutschen die Sozialdemokratie überwinden und zu einem wahren Sozialismus gelangen. Er wird politischer Wanderredner. Friebott: „Wenn es in den Leuten der engen Zimmer und der langen Arbeitswege und des Neides und der Entmündigung, dahinter doch fast überall eine Hoffnung für die Kinder verborgen liegt, wenn es auf den Straßen nicht brennt, wird Deutschland nie geschaffen werden.“19 Im Herbst 1923 kommt der Redner Friebott durch den Steinwurf eines verhetzten Arbeiters zu Tode.
Stärker als in dieser „Bibel des Deutschtums“ (so Kurt Tucholsky über Volk ohne Raum) stößt man in einem posthum erschienenen großen Romanwerk Grimms auf deutsche Nationalisten. In Heynade und England. Eine deutsch-englische Familiengeschichte der Jahre 1880–192320 ist der Nationalist mit dem interessantesten Profil ein ehemaliger kaiserlicher Marineoffizier. Der Kapitänleutnant Albert Wasmus diskutiert nach dem gescheiterten Kapp-Putsch (1920) mit Kameraden der Marinebrigade Ehrhardt und umreißt seinen Standpunkt so: „Ich selbst bin als aus der Gefangenschaft heimkehrender kaiserlicher Offizier Freikorpsmann geworden, um unserem gemeinsamen Deutschland in seiner Not zu dienen, ich hatte keine Nebenabsicht. Lust zum Landsknecht fehlt mir, irgendeiner Partei oder irgendeinem Bekenntnis, das noch einen anderen Namen trüge als Deutschland, war ich nie verschrieben, selbst die Wiederaufrichtung des Kaisertums schien mir nicht die Hauptsache. Deutschland kann wahrscheinlich ohne Kaiser sein, Deutschland kann ohne Freikorps sein und ganz gewiß ohne Rote, auch ist alles, was sonst in Deutschland wichtig tat und wichtig tut, nur von zeitlicher Bedeutung. Von ewiger deutscher Bedeutung aber ist, daß bei uns Gott und das Recht immer neu gesucht wird und daß keine Trägheit des Herzens bei uns dauert und daß Leistung und Ordnung und Sauberkeit und Zuverlässigkeit und Ehrfurcht allem Schein und auch aller falschen Lautheit vorausgelten … Und wenn ich meinetwegen das alte Deutschland nicht wiederhaben will, die Forderungen will ich wiederum gültig machen. Und wer die deutschen Forderungen am besten erfüllt, der ist ganz gewiß von größtem ‚Belang für ein neues befreites Deutschland.“21
Für die Reichswehr erledigt Wasmus Spezialaufträge. So im Krisenjahr 1923, als er zur Erkundung der komplizierten politischen Lage in Hamborn (heute ein Stadtteil von Duisburg) als Tarnung einen Zigarrenladen übernimmt. Er findet menschlichen und politischen Zugang zu kommunistischen Bergleuten und bildet insgeheim rote Hundertschaften aus. Am schlimmsten für Deutschland scheint ihm die Separatistengefahr an Rhein und Ruhr zu sein, begünstigt von der belgisch-französischen Besatzungsherrschaft – mitten im sog. Ruhrkampf und kommunistischen Revolutionswühlereien. Mit zwei Hundertschaften fährt er am 30. September 1923 nach Düsseldorf, wo die Separatisten bei Massenkundgebungen ihre Rheinische Republik ausrufen wollen. An diesem Düsseldorfer „Blutsonntag“ kann Wasmus mit seinen roten Kameraden kämpferisch dazu beitragen, daß die Separatisten scheitern. Wasmus wird dabei durch einen heimtückischen Stich schwer verwundet und siecht in den kommenden Wochen dem Tode entgegen.
Dieser nationalistisch-kommunistische Aktivismus entspricht dem kurzzeitigen Schlageter-Kurs der Kommunisten im Jahre 1923. Aber ein solcher Einsatz von roten Hundertschaften unter nationalistischer Leitung ist für Düsseldorf historisch nicht verbürgt und ist einer Wunschvorstellung des Autors Grimm entsprungen. Dieser arbeitete von 1936 bis April 1945 an dem Roman und brach dann die Arbeit ab: aus tiefer Enttäuschung über den Gang der geschichtlichen Entwicklung und über das Scheitern seines Wunschtraums einer deutsch-englischen Verständigung.22
Wer nur ganz oberflächlich über Edwin Erich Dwinger (1898–1981) informiert ist, möchte annehmen, daß in dessen Baltikum-Roman Die letzten Reiter (Erstauflage 1935) Erlebtes und Dichtung in starkem Maße deckungsgleich seien. Aber Dwinger war kein Baltikum-Kämpfer. Wenn die Ereignisse von März bis Dezember 1919 bei ihm so lebensecht wirken, hängt das mit Dwingers Erfahrungen von 1914 bis 1920 zusammen: 1914 von der Schulbank weg Kriegsfreiwilliger, knapp 17jährig als Dragonerfähnrich an die Ostfront, 1915 schwere Verwundung und Gefangenschaft, entsetzliche Erlebnisse in Lagern von Moskau bis an die chinesische Grenze, freiwillige bzw. erzwungene Teilnahme am russischen Bürgerkrieg bei den Weißen und den Roten, erst 1920 geglückte Flucht nach Deutschland, in den Allgäuer Bergen als Landwirt allmähliche Erholung von schweren körperlichen und seelischen Leiden. Mit großer Eindringlichkeit gestaltet Dwinger in diesem Roman ein politisch-militärisches Wagnis: dem Bolschewismus vor der Ostgrenze des Reiches Einhalt zu gebieten und in Kurland mit siedelnden Soldaten ein deutsches Territorium zu schaffen, von dem aus eine neue Ordnung in die Novemberrepublik getragen werden soll. Gescheiterte Existenzen, Landsknechtnaturen, soldatische Reaktionäre, Jugendbewegte, hochgestimmt Idealisten, Völkische, Nationalrevolutionäre: vielgestaltig ist die Zusammensetzung der Freiwilligenverbände, leidenschaftlich und tiefschürfend sind die Diskussionen der Freikorpsmänner.
Als die „Baltikumer“ in Kurland einer überstarken Mächtekonstellation erliegen, formuliert einer der Reiter aus dem Freikorps Mannsfeld die Zukunftsaufgabe als ein gestalterisches Eingreifen (unter Absage an Nostalgie und Resignation): „Darum müssen wir hinein in den Strom, nicht um uns von ihm tragen zu lassen, sondern um ihn zum Besten zu lenken! Wir müssen das Vakuum erfüllen, damit es kein Bolschewismus wird, sondern eine neue Lebensform, die wir ohne Scham deutsch nennen können …“23
Im volkstümlichen Ton (und damit breiten Schichten zugänglich) haben Autoren, die heute nahezu völlig vergessen sind, das Nationalisten-Thema der 1920er Jahre aufgegriffen. Zum Teil auf eigene Erlebnisse zurückgreifend, unterwarf Heinz Steguweit (1897–1964) in Der Jüngling im Feuerofen den Kriegsheimkehrer Manes Himmerod den Bewährungsproben der Besatzungsjahre am Rhein. Nach dem Kampf gegen den rheinischen Separatismus schließt sich Himmerod der Siedlungsbewegung der damaligen Jahre an und gründet eine Ziegelei: „Das Neue muß vom Lande kommen, dort sind die Wurzeln heil geblieben.“24
Als Volksschriftsteller wollte auch der katholische Priester Johannes Kirschweng (1900–1951) gelten. 1935 brachte er in der letzten Phase des Wahlkampfes um den zukünftigen Status des Saargebietes einen „Saarroman“ heraus: Das wachsende Reich.25 Kirschweng läßt seinen Helden Ludwig Burgund als Kriegsfreiwilligen mit dem Notabitur ins Feld ziehen. Der schwerverwundete Kriegsheimkehrer Burgund profiliert sich im geistig-politischen, gewaltfreien Abwehrkampf gegen die französischen Besatzer an der Saar. Seinen „Glauben an Deutschland“ formuliert er so: „Wir sind hier ohne Waffen und ohne alles. Wir leiden Hunger und Bedrängung jeglicher Art. Die anderen werden glauben, uns müd und mürb zu haben und zu keinem Widerstand fähig. Aber ich sage Ihnen, wir werden ihrer Gewalt den Widerstand unseres Herzens entgegensetzen, ihrem Triumph unseren Glauben, ihrer Sattheit unseren Hunger. Wir werden überwinden, und aus unserem Sieg wird das neue Deutschland aufsteigen …“26
Wie Steguweit und Kirschweng konzentrierten auch einige andere Romanautoren ihre Darbietung des Stoffes auf eine bestimmte Region, die ihnen für die deutsche Bürgerkriegssituation besonders aufschlußreich zu sein schien. So etwa Arnolt Bronnen (1895–1959). Der gebürtige Österreicher (halbjüdischer Herkunft) hatte im Ersten Weltkrieg als Tiroler Kaiserjäger gedient und war schwer verwundet worden. Im Berlin der Nachkriegsjahre erregte er als expressionistischer Theaterautor wegen seiner linksradikal-anarchistischen Tendenzen Aufsehen. Mit seinem Oberschlesien-Roman  O. S. (Erstauflage 1929) markierte er seine Wendung zum deutschen Nationalismus. Die politische literarische Linke tobte, für Kurt Tucholsky war dieser Roman eine „im Tiefsten gesinnungslose Pfuscherei“. Die staatstragende „Vossische Zeitung“ warf dem Roman „raffiniertes Kolportagegemisch sensationslüsterner Abenteuerschilderung mit eindeutiger Erotik“ vor. Ernst Jünger dagegen: „Hier erfahren wir Nationalisten Unterstützung von einer Seite, auf die wir schon lange gewartet haben.“27
Ernst Wiechert (1887–1950), ein Dichter mit hohen Auflagen seiner Bücher in der späten Weimarer Republik, im Dritten Reich und in der frühen BRD, wäre als Frontoffizier und Kriegsheimkehrer mit starken Ressentiments gegen die Weimarer Ordnung prädestiniert gewesen, einen großen nationalistischen Ostpreußen-Roman zu schreiben. Die beiden Heimkehrer-Romane Der Wald (1922) und Der Totenwolf  (1924), von denen sich Wiechert später distanzierte, könnte man als Vorübungen für ein solches Projekt verstehen. In späteren Werken schwinden die Vernichtungstendenzen der Helden dieser frühen Romane. In dem 1939 erschienenen Roman Das einfache Leben28 wird der Leser dann mit einem ehemaligen Korvettenkapitän als Hauptgestalt konfrontiert, der alles andere als ein nationalistischer Aktivist ist. Er hat sich aus der Weltstadt Berlin in die ostpreußische Wald- und Seenlandschaft zurückgezogen, um hier bei harter körperlicher Arbeit Ruhe und Erfüllung zu finden. Lediglich in den Partien, in denen der Sohn dieses Thomas von Orla auftaucht, finden sich Anklänge an Nationalistisches. Der junge Orla ist Offizier in der Kriegsmarine der Weimarer Republik, frei von der grüblerischen Schwere seines Vaters, der als Gott- und Sinnsucher in seiner antizivilisatorischen Aussteigermentalität verharrt.29
Die Landvolkbewegung in Schleswig-Holstein, in der die Bauernschaft gegen die Agrarkrise der Weimarer Republik aufbegehrte, hätt ohne die Hilfe nationalistischer Kader nicht zu einer starken Bedrohung der Weimarer Ordnung werden können. Noch heute kann man das gut nachvollziehen, wenn man einen Roman von Hans Fallada  (1893–1947) liest: Bauern, Bonzen und Bomben (Erstauflage 1931). Eine spannende Verfilmung wurde vor vielen Jahren vom Deutschen Fernsehen in Auftrag gegeben und ausgestrahlt. Dieser Film eignet sich hervorragend für den Geschichtsunterricht: als Einstieg in eine kritische Sichtung wichtiger Strukturelemente der Weimarer Republik.
Diese Landvolk-Thematik hat Ernst von Salomon (1902–1972) in seinem 1932 erschienenen Roman Die Stadt verarbeitet, in dem die Hauptfigur Ive, ein nationalistischer Bauernagitator und Journalist, bei allem Agieren, Theoretisieren und Diskutieren unter den rebellischen Bauern sowie den nationalistischen Zirkeln und den Bürgerkriegsverbänden der Weltstadt Berlin der Frage nachgeht, ob vom Lande oder aus der Stadt die entscheidenden revolutionären Energien zur Rettung des Vaterlandes kommen werden. Ive, der „Soldat im kleinen, verstreuten, ungenannten, immer bereiten Heere der Revolution“30 wird bei einer Straßendemonstration in Berlin von der Polizei erschossen.
Die Nationalsozialisten waren wegen der wenig schmeichelhaften Wertungen ihrer vielgestaltigen Massenbewegung, wie sie in diesem stellenweise theorieüberfrachteten Buch zu finden sind, irritiert und empört. Wenn sie Bestätigung für die Kämpfer im Braunhemd bei Romanautoren suchten, griffen sie in diesen und späteren Jahren zu Werken, in denen die NS-Bewegung positiv gewürdigt oder glorifiziert wurde.31

Österreich

In Österreich spitzte sich nach dem Zusammenbruch und Zerfall der Donaumonarchie die nationale Thematik auf die Frage zu, ob das von den Siegermächten zur Eigenexistenz gezwungene Staatswesen sich damit begnügen und seine Reichstradition in einem habsburgischen Kleinformat pflegen wollte. Oder ob ein gesamtdeutsches Reichsdenken die Überwindung der Siegerordnung von St. Germain anstreben sollte – mit dem Ziel, den großdeutschen Nationalstaat zu verwirklichen. Für die erstere Position steht exemplarisch Alexander Lernet-Holenia (1897–1977) mit seinem Roman Die Standarte (Erstausgabe 1934). Der Ich-Erzähler, ein junger Fähnrich, reflektiert im Morgengrauen des 5. November 1918 bei Belgrad inmitten schrecklicher militärischer Auflösungserscheinungen die historische Situation: „Österreich hatte schon einmal bloß bis zur March gereicht, es würde wiederum bloß bis zur March reichen. Die Kolonialländer waren verloren … Wir fielen an das Reich zurück. Das Reich war heilig. Es konnte nicht untergehen.“32
Für die andere Position steht exemplarisch Bruno Brehm (1892–1974) mit seiner Trilogie Apis und Est. Ein Franz-Ferdinand-Roman (1931), Das war das Ende. Von Brest-Litowsk bis Versailles (1932) und Weder Kaiser noch König. Der Untergang der habsburgischen Monarchie (1933). Die Sinndeutung dieses Untergangs: „Verloren den Krieg? Aber was siegt der Verlust, wenn wir uns alle selbst gefunden haben? Kann uns dieses Glück jemand aus dem Herzen reißen? Ist jemand unter uns, der nicht an diese große Zukunft glauben kann? Hängt ihr immer noch am Alten? Denkt ihr immer noch in Formen, die man hat zerschlagen können, weil sie nicht stark genug gewesen?“33
Die persönliche, die Zeiteinflüsse eigenwillig aufnehmende Entwicklung eines großen österreichischen Romanciers hat es verhindert, daß wir aus der Feder dieses Heimito von Doderer (1896–1966) einen Roman mit überwiegend positiv gezeichneten Nationalisten lesen können. Von 1930 bis 1956 arbeitete Doderer (mit Unterbrechungen) an seinem berühmtesten und komplexesten Roman, der in Wien und Umgebung spielt: Die Dämonen. Doderer, 1933 der illegalen österreichischen NSDAP beigetreten (und bis Kriegsende nicht ausgetreten!), konzipierte dieses umfangreiche Erzählwerk zunächst unter dem Titel Die Dämonen der Ostmark: mit scharf antisemitischer Tendenz und einer positiven Zeichnung des Kreises der „Unsrigen“, aus dem ein preußischer Ex-Rittmeister und ein österreichischer Rechtsanwalt als forsch-rabiate Prä-Nationalsozialisten herausragen. Der Zeitroman, 1927 einsetzend, sollte auf die „Erneuerung des Reiches“ hinauslaufen und 1932 mit einer Rede eines der Protagonisten auf das „neue Reich“ enden.
Doderers zunehmende Distanzierung von allen Ideologien, seine Konversion zum Katholizismus (1940) und das antinationalsozialistische Klima der Nachkriegsjahre führten dazu, daß der Roman 1956 bei seinem Erscheinen sich weit von den Positionen der ersten Schaffensphase entfernt hatte. Wo Nationalisten überhaupt noch zu erkennen sind, wirken sie nun eher abstoßend. Ein konservativer und philosemitischer Grundzug machten den Roman für die literarische Öffentlichkeit der 1950er Jahre akzeptabel. Was von den sexuellen Obsessionen des Autors durchschlug, ließ man dem bekehrten Ex-Nationalsozialisten Doderer durchgehen.34

DDR

Wie in der DDR der Nationalisten-Komplex der 1920er und 1930er Jahre in romanhafter Beleuchtung behandelt werden durfte, zeigt das Beispiel von Bodo Uhse (1904–1963). Seit 1956 kam dort in mehreren Auflagen sein stark autobiographisch ausgerichteter Roman Söldner und Soldat heraus, der in Erstauflage 1935 im französischen Exil erschienen war. Schwerpunkte: Bund Oberland, Hitler-Putsch und Landvolkbewegung, gipfelnd im Übertritt des aus der NSDAP ausgeschlossenen Straßer-Anhängers zur KPD. Uhse streicht besonders die reaktionären Züge heraus, die im nationalistischen Lager zu finden waren, läßt innere Widersprüche und Abstoßendes in der NS-Bewegung  grell hervortreten und projiziert manche nationalkommunistische Auffassungen des Renegaten Uhse in frühere Phasen zurück. So läßt er den Ich-Erzähler etwa nach einer blutigen Saalschlacht folgende Worte an die SA richten: „Deutschlands Feind …, das waren nicht die heute [d. h. die Kommunisten], das sind nicht die, die euch morgen in den Straßen begegnen, das sind die hinter marmornen Mauern, hinter eichenen Türen, die, zu deren Häusern euch niemals freiwillig Zutritt gewährt wird, … die Gebieter über das Geld. Sie zu besiegen ist die Voraussetzung der Freiheit. Schlagt, wie ihr euch heute geschlagen habt, jeden, der es nicht zu diesem Kampf kommen lassen will.“35

„Die Geächteten“ und „Sprengstoff“

Wer seine Lektüre der Nationalisten-Romane aus der besonders ergiebigen Bürgerkriegszeit der Weimarer Republik auf zwei Titel beschränken möchte, sollte zu Ernst von Salomons „Die Geächteten“ (Erstauflage 1930) und zu Sprengstoff von Friedrich Wilhelm Heinz (1930, Nachdruck: Toppenstedt 2004) greifen. Schlüsselerlebnis für den 16jährigen preußischen Kadetten Ernst von Salomon war die Novemberrevolution. 17jährig kämpfte er im Baltikum als Freikorpsmann. Wie viele überlebende Baltikumer wurde er danach Verschwörer. Zusammen mit Friedrich Wilhelm Heinz (1899–1968) sammelte er in Frankfurt/Main und Umgebung junge Aktivisten zum Kampf gegen die französischen Besatzer und zur Rettung des zerfallenden Reiches: „kleine, zum Letzten bereite Trupps der Jugend“. Die Vorgehensweise: „Wie beide traten achtzehn Vereinen bei. Wo ein junger Kerl war, der sich empörte gegen die langsame Verkrustung mit patriotischen Sentiments, gegen die unablässig plätschernden Reden geehrter Greise und betagter Koryphäen, da traten wir an ihn heran und lockten ihn. Wir griffen uns Arbeiter und Studenten, Schüler und junge Kaufleute, Nichtstuer und Alleskönner, glühende Idealisten und höhnende Fanatiker.“36
Nach den Freikorps-Einsätzen in Oberschlesien ließ Salomon sich in die Vorbereitungen zum Mord an Reichsaußenminister Rathenau verwickeln; er und seine Mitverschwörer erhofften sich von dieser Bluttat die Auslösung eines revolutionären Umsturzes. Salomon wurde 1922 zu fünf Jahren Zuchthaus verurteilt, die er in der schlesischen Haftanstalt Striegau verbüßte. Mit glühenden Farben schildert Salomon diese Haftjahre und gestaltet dieses Zuchthauserlebnis zu einer haßerfüllten Anklage gegen ein System, das ihn erniedrigt und entehrt.37
Nach der Entlassung versucht sich Salomon an einer Sinndeutung der vergangenen Jahre: „Wir hatten gefährlich gelebt, da die Zeit gefährlich war, und da die Zeit chaotisch war, war alles, was immer wir dachten oder taten oder glaubten, chaotisch. Wir waren besessen von dieser Zeit, besessen von ihrer Zerstörung, und besessen auch von dem Schmerz, der die Zerstörung erst fruchtbar machte … Nein, der Kampf war noch nicht zu Ende.“38
Nur drei Jahre älter als Salomon war Friedrich Wilhelm Heinz (1899–1968), schon in ganz jungen Jahren war er führend in der nationalistischen Bewegung tätig. Stichwortartig hielt er seinen Lebenslauf 1932 so fest: „Mit 16 Jahren Kriegsfreiwilliger im Garde-Füsilier-Regiment. Mit 18 Jahren aktiver Leutnant im Infanterie-Regiment, 46 … Grenzschutz, Ehrhardtbrigade, Kapp-Putsch, Oberschlesien, Schwarze Reichswehr, Ruhrkrieg, Feldherrnhalle … Bis 1925 Freikorps- und Wehrverbandsführer. Im Ruhrkampf Führer einer aktiven Sabotagegruppe. Bis Ende 1923 oberster S. A.-Führer von Westdeutschland. 1925–1928 Mitglied der Stahlhelm-Bundesleitung und vorübergehend Leiter der Stahlhelmzeitung. Später Führer in der Hitlerpartei. Seit 1929 keiner Bewegung mehr angehörend.“39
Seine Erlebnisse bis 1925 ordnet Heinz in dem autobiographischen Roman Sprengstoff einem Georg Heidt zu: „Unser Tun hieß Zerstörung“. Es gelang nicht, den Staat zu erobern, es fehlten Einsichten nationalrevolutionärer Art bei den Führern: „Wie im Weltkrieg mußten wir auch in der Putschzeit und in der gegenrevolutionären Periode des Nachkrieges durch Fehlschläge und Niederlagen frei werden für die eigentlichen und tieferen Entscheidungen …“40 In den Dialogen des Romans deutet sich einiges von diesen Einsichten bereits an.
Heinz hat vierzehn Gefängnisse des Weimarer Staates kennengelernt, ohne je verurteilt zu werden. Das Gefangenenelend, das in Salomons Roman breit dargestellt wird, ist bei Heinz als Summierung von Schikanen gemeinster Art in knapper Andeutung wirkungsvoll gestaltet.
Ähnlich wie Salomon ging Heinz zum Dritten Reich auf Distanz. Ab 1936 war er in der Abwehr bei Canaris tätig und in Konspirationen gegen Hitler verwickelt. 1938 war er dafür vorgesehen, mit einem Stoßtrupp Hitler festzunehmen. Nach dem 20. Juli 1944 tauchte Heinz unter. Ab 1945 baute Heinz einen Nachrichtenhandel auf, Adenauer zog ihn für nachrichtendienstliche Aufgaben im Kalten Krieg heran.41

Nationalisten in der BRD

Deutsche Nationalisten als Romangestalten zur Zeit des Kalten Krieges, das war für Autoren und Verleger unter den Bedingungen einer vergröbernden und verzerrenden Anti-NS-Volkspädagogik ein schwieriges Unterfangen. In den gängigen Deutungsmustern konnten Nationalisten nur rückständige, beschränkte Anhänger einer völlig überholten nationalstaatlichen Ordnung sein oder – wenn man in Schlagtot-Manier wertete – gefährliche „Nazis“.
Und doch gab es noch die Möglichkeit, einen Nationalisten als überwiegend positiv gezeichnete Romanfigur zu schaffen, wenn man sich eines Kunstgriffs bediente und ihn z. B. sozialdemokratisierte. Das geschieht mit einer der Hauptfiguren in dem „Roman der deutschen Teilung“, den Julika Oldenburg 1981 unter dem Titel … über alles in der Welt herausgebracht hat. Das Leben des Horst Falkenhorst, Frontoffizier des Ersten Weltkriegs und danach bis 1933 Offizier der preußischen Sicherheitspolizei,  ab 1933 Hauptmann a. D. in der inneren Emigration, entspräche durchaus Romangestalten des soldatischen Nationalismus aus der Zwischenkriegszeit, wenn da nicht die „Treue zur Verfassung“ für ihn einen so hohen Wert hätte. 1945 stellt er sich in der Altmark zunächst den US-Amerikanern, dann den Sowjets zur Verfügung. Mit seiner Familie streitet Falkenhorst über „Vaterlandsehre, Nationalstolz und realistische Lageeinschätzung“. Er sieht sich nicht als Kollaborateur: „Wir sind Demokraten und haben auch eine nationale Pflicht. Wenn alle davonlaufen, wer garantiert dann noch den Schutz der Bevölkerung?“ Von Russen und deutschen Kommunisten als Sozialdemokrat eingeschätzt (wenngleich sie Falkenhorsts ideologische Position nur oberflächlich erfassen), läßt sich der altgediente Offizier in Geheimdienstaktionen des Kalten Krieges verwickeln und scheitert letztlich.42 In der Romanhandlung, die personell, räumlich und ideell in den Komplex des RAF-Terrorismus gehört, auf deutsche Nationalisten zu stoßen, ist recht ungewöhnlich. 1979 ermöglichte dies in einem Schweizer Verlagshaus ein gewisser E. W. Pless mit dem Roman Geblendet. Aus den authentischen Papieren eines Terroristen. Dort schildert ein bundesdeutscher Terrorist, Jahrgang 1944, seinen Werdegang: vom unpolitischen Jugendlichen mit einer Politisierung in den frühen 1960er Jahren bis zu einer Höllenexistenz als Mitstreiter palästinensischer Terrorgruppen im libanesischen Bürgerkrieg. Die Politisierung läuft über einen aus der DDR geflohenen, fanatisch antikommunistischen und zugleich stramm antikapitalistischen Freund. Man berauscht sich an völlig unrealistischen Guerilla-Planungen („Volks-Befreiungs-Front Deutschland“). Auf der Suche nach Bundesgenossen wird man von rechtsgerichteten Gruppierungen in der BRD schwer enttäuscht: „Der Versuch, mit rechten Gruppen zu kooperieren, deckte einen Abgrund von Unterwanderung auf. Diese rechten Gruppen waren durchsetzt vom Verfassungsschutz. Das bis in die Spitzen.“43
Erkenntnis aus der Zerschlagung der ersten Versuche zu einem Untergrund-Kampf: man benötigt eine sichere ausländische Basis. Das führt über die RAF zum palästinensischen Terror und in die persönliche Katastrophe für den Ich-Erzähler mit kaum mehr zu steigernden entsetzlichen Grausamkeiten. Von einem wirklich deutschen Befreiungskampf haben sich sein Bewußtsein und seine Aktivitäten längst weit entfernt.
Romane, die die Zeit der Wende und der Wiedervereinigung 1989/90 behandeln, müßten, so könnte man meinen, eine wahre Fundgrube für das Auftreten deutscher Nationalisten sein. Aber was sich da in deutschen Romanen tummelt, kommt nur ganz selten an eine solche inhaltlich-begriffliche Festlegung heran.
30 Jahre alt ist der rheinische Architekt Johannes Stirner, der als Aussteiger 1989 zusammen mit einer spanischen Zufallsbekannten in Berlin den Mauerfall und dessen Folgen erlebt. So arrangiert es Ulrich Woelk (Jg. 1960) in seinem Roman Rückspiel: „Es wurde immer voller, da hatte ein Ereignis die Menschen von den Fernsehern losgekettet und, wie sie waren, auf die Straße gesteuert, und auch wir bewegten uns wie ferngelenkt, alles verschwamm zu einem Ganzen, das Jubeln, der Applaus, die Häuserfronten mit den geöffneten Fenstern …, und teilweise kam Musik aus den Wohnzimmern, eine merkwürdige Mischung aus Hymnen, ‚Freude schöne Götterfunken‘ und ‚We Are The Champions‘, und wir gingen weiter, und immer noch wurde applaudiert, gejubelt und knatterte es …, und über allem lag das Deutschlandlied.“44
Aber keine der in diesem Roman auftretenden Gestalten wird durch dieses überwältigende Erlebnis zum Nationalisten – zu stark sind gerade die Generationsgenossen Stirners durch Sex, Drogen, Multikulti, Materialismus und Hedonismus bestimmt, als daß ein solches Erweckungserlebnis möglich wäre. In Berlin begegnet Stirner einem alten Mann, der sich als Nationalsozialist bekennt. Was er aber als seine „Weltanschauung“ vorträgt, ist eine krude Mischung aus antikapitalistischen Gedankensplittern und völkischem Mythus-Gebrabbel mit scharf antichristlicher Tendenz. Für Stirner: „Ideologie aus Urväterzeiten, Theorien aus der Mottenkiste“.45
Bevor Uwe Tellkamp (Jg. 1968) sich mit seinem DDR-Roman Der Turm im deutschen Literaturbetrieb fest etablierte, irritierte er die literarisch interessierte Öffentlichkeit 2005 mit seinem Roman Der Eisvogel. Darin scheitert eine rechtskonservative Vereinigung „Organisation Wiedergeburt“ mitsamt ihrem militärischen Arm, der Terroristen ausbildet. Der charismatische Organisator und Propagandist dieser Bestrebungen, Mauritz Kaltmeister, möchte durch systematischen Terror die verhaßte, heruntergekommene BRD-Demokratie zerstören und durch einen elitären Ständestaat ersetzen. Er fasziniert den Philosophen Wiggo Ritter, einen gescheiterten Bankierssohn. Doch handelt es sich bei Kaltmeisters gutbürgerlichen Gefolgsleuten und Sympathisanten nicht um Nationalisten.  Die rechtskonservative Vereinigung hat, trotz kecker Sprüche einzelner Mitglieder, noch nicht einmal den Mut, die 1. Strophe des Deutschlandliedes zu singen, auch wenn man ganz unter sich ist.46
Der Roman steckt voller Widersprüche. Bei der Recherche hat sich der Autor Tellkamp allenfalls ein verzerrtes Bild der gegenwärtig tätigen links- und rechtsnationalistischen Kreise und ihrer Vorstellungen erworben.47
So bleibt ein wirklichkeitsgerechter Nationalisten-Roman von heute, der die Stimmungslage, die Nöte und Hoffnungen deutscher Nationalisten auslotet und mit ausgefeilter Erzähltechnik darbietet, ein Desiderat.

Anmerkungen

1 Ernst Jünger: Siebzig verweht, Bd. II, Stuttgart 1981, S. 313.
2 Otto Ernst Schüddekopf: Linke Leute von rechts. Die nationalrevolutionären Minderheiten und der Kommunismus in der Weimarer Republik, Stuttgart 1960, S. 405, Anm. 7.
3 Ernst Jünger: a. a. O., S. 313.
4 Sven Olaf Berggötz (Hg.): Ernst Jünger. Politische Publizistik 1919 bis 1933, Stuttgart 2001, S. 667 u. 701 f.
5 Berggötz: a. a. O., S. 145 u. 162.
6 Zit. bei: Karl O. Paetel: Versuchung oder Chance? Zur Geschichte des deutschen Nationalbolschewismus, Göttingen 1965, S. 272.
7 Hierzu noch immer grundlegend: Eugen Lemberg: Nationalismus I u. II, Reinbek bei Hamburg 1964.
8 Vgl. G. L. Mosse: Die Nationalisierung der Massen, Frankfurt/M. 1975.
9 Joseph von Eichendorff: Werke, Bd. II, München 1970, S. 425.
10 Theodor Fontane: Vor dem Sturm. Roman aus dem Winter 1812 auf 13 (dtv Weltliteratur), 2. Aufl. München 1980, S. 34 u. 648.
11 Robert Hohlbaum: Die Raben des Kyffhäuser. Der Roman der Burschenschaft und ihres Zeitalters, Leipzig 1927, S. 392 u. 7.
12 Michael Zeller: Follens Erbe. Eine deutsche Geschichte. Roman, Bad Homburg 1986, S. 113 f.
13 Düsseldorf 1983 auf der Textgrundlage der 26. Aufl. v. 1914.
14 Berggötz: a. a. O., S. 163.
15 Der historische Oberleutnant Schulz stieg in der SA zu führenden Positionen auf. In der Röhm-Affäre des 30. Juni 1934 entkam er schwerverwundet den SS-Häschern.
16 Zum „Politpornographen“ Ewers vgl. Wilfried Kugel: Der Unverantwortliche. Das Leben des Hanns Heinz Ewers, Düsseldorf 1992.
17 Hanns Heinz Ewers: Reiter in deutscher Nacht, Stuttgart 1932, S. 459, 385 u. 460.
18 Zit. nach der einbändigen Ausgabe von 1934, S. 1277.
19 Posthum erschienen: Lippoldsberg 1970 (in 5 Bänden).
20 Hans Grimm: Heynade und England, Bd. 3, S. 135.
21 Hans Grimm: a. a. O., Bd. 1, S. 6 f.
22 Edwin Erich Dwinger: Die letzten Reiter, Jena 1935, S. 433. – Weiterführung des Romangeschehens in dem 1939 erschienenen Band „Auf halbem Wege“ (das fiktive Freikorps Mannsfeld im deutschen Bürgerkrieg: Kapp-Putsch, Kampf gegen die Rote Armee an der Ruhr).
23 Heinz Steguweit: Der Jüngling im Feuerofen, München 1932, S. 331.
24 Nach 1945 näherte Kirschweng sich (völlig enttäuscht vom NS-Regime und seelisch erschüttert durch die Katastrophe des Zweiten Weltkriegs) den Autonomisten und Separatisten um den Saar-Ministerpräsidenten Johannes Hoffmann („Joho“). Dies mag erklären, warum zwischen 1974 und 1984 Kirschwengs Gesammelte Werke (darin auch der „Saarroman“) erscheinen konnten.
25 Johannes Kirschweng: Das wachsende Reich. Saar-Roman, Bonn 1935, S. 214.
26 Zitate aus: Arnolt Bronnen: Arnolt Bronnen gibt zu Protokoll. Beiträge zur Geschichte des modernen Schriftstellers, Konberg/Ts. 1978, S. 203.
27 Dieses Buch hat nach 1945 bis heute immer wieder Neuauflagen erlebt. Trotz des programmatischen Titels hätten Linksalternative und Grüne erhebliche Schwierigkeiten, sich auch nur partiell von diesem Roman anregen zu lassen.
28 Vgl. Walter Delabar: Unheilige Einfalt. Zu den Verhaltenskonzepten in den Romanen Ernst Wiecherts, in: Christiane Caemmerer/Walter Delabar (Hg.): Dichtung im dritten Reich? Zur Literatur in Deutschland 1933–1945, Opladen 1996, S. 135–150.
29 Ernst von Salomon: Die Stadt, Berlin 1932, Neudruck für Bibliotheken 2007, S. 433. – In Ive erkennt man über weite Strecken des Romans den vom Nationalismus zum Kommunismus konvertierten Bruno von Salomon, einen Bruder des Autors. Der Journalist Bruno von Salomon war einer der führenden Männer der Landvolkbewegung. Vgl. hierzu: Markus Josef Klein: Ernst von Salomon. Eine politische Biographie, Limburg/Lahn 1994, S. 175–211.
30 Beispiele: Thor Gootes Romantrilogie: „Wir fahren den Tod“ (1930), „Wir fragen das Leben“ (1932), „Die Fahne hoch“ (1932). Oder die Romantrilogie von Otto Paust: „Volk im Feuer“ (1935) „Nation in Not“ (1936), „Land im Licht“ (1937). Bekannter zwei Bücher von Hans Zöberlein: „Der Glaube an Deutschland“ (1931), „Der Befehl des Gewissens“ (1937).
31 Alexander Lernet-Holenia: Die Standarte; hier zit. nach der Ausgabe Wien 1959, S. 350 f.
32 Bruno Brehm: Das war das Ende, München 1932, S. 409 f. – Romanausschnitte (zumeist minderer Qualität) mit großdeutscher Position bei: Heinz Kindermann (Hg.): Heimkehr ins Reich. Großdeutsche Dichtung aus Ostmark und Sudetenland 1866–1938, Leipzig 1939.
33 Vgl.: Dietrich Weber: Heimito von Doderer, München 1987, S. 56–83; Kai Lührs/Gerald Sommer: Nach Katharsis verreist. Heimito von Doderer und der Nationalsozialismus, in: Caemmerer/Delabar: a. a. O., S. 53–75.
34 Bodo Uhse: Söldner und Soldat, Berlin 1974, S. 272.
35 Ernst von Salomon: Die Geächteten; zit. nach der Taschenbuchausgabe (rororo 461/62), Reinbek b. Hamburg 1962, S. 152 f.
36 Vgl. hierzu: Ernst von Salomon: Der Fragebogen (Erstausgabe 1951). In dieser zum Bestseller gewordenen Autobiographie (mit der ungewöhnlichen Darbietungsform) drängt Salomon die romanhaften Züge zurück. So werden die Haftjahre objektiver, weniger leidenschaftlich-anklagend, geschildert.
37 Ernst von Salomon: Die Geächteten, S. 324.
38 Friedrich Wilhelm Heinz: Die Nation greift an. Geschichte und Kritik des soldatischen Nationalismus, Berlin 1933 (Faksimile-Druck Toppenstedt 2005), S. 7.
39 Friedrich Wilhelm Heinz: Sprengstoff, Berlin 1930 (Faksimile-Druck Toppenstedt 2004), S. 9.
40 Vgl. Susanne Meinl: Nationalisten gegen Hitler. Die nationalrevolutionäre Opposition um Friedrich Wilhelm Heinz, Berlin 2000.
41 Julika Oldenburg: „… über alles in der Welt“. Roman der deutschen Teilung, München 1981, S. 26, 117 u. 128.
42 E. W. Pless: Geblendet. Aus den authentischen Papieren eines Terroristen, Zürich 1979, S. 37. – Dieser Autor heißt eigentlich Willi Pohl und schreibt auch unter dem Namen Willi Voss. Seine Vita wurde jetzt im Zusammenhang mit der NSU-Hysterie aufgedeckt. Vgl. Rheinische Post v. 18. 6. 2012.
43 Ulrich Woelk: Rückspiel. Roman, Frankfurt/M. 1993, S. 208.
44 Woelk, a. a. O., S. 200 ff. – In einem anderen Roman erlebt ein westdeutscher Student während der Wendezeit die ganze Verlogenheit der BRD-Geschichtspolitik. Verfasser von „Die Entdeckungen des Alexander Kern“ (Berlin 2008) ist Andreas Molau (Jg. 1968). Am Ende des Romans deutet alles auf eine nationale Wende im Leben des Geschichtsstudenten Kern hin, der sich nicht vom BRD-System korrumpieren läßt.
45 Uwe Tellkamp: Der Eisvogel. Roman, Berlin 2005.
46 Bei den recherchierten Fakten zum gegenwärtigen bundesdeutschen Nationalismus ist ein stofflich überladener Roman des Rußlanddeutschen Viktor Streck („Heimat ist ein Paradies, 2 Bde., Bad Pyrmont 2007/2010) näher an der Wirklichkeit als Tellkamp. In dem erzähltechnisch und stilistisch verbesserungsbedürftigen Roman durchlebt ein junger Rußlanddeutscher nach der Aussiedlung in der BRD mit ihren multikulturellen und politisch korrekten Zwangsbeglückungen einen Kulturschock, reagiert darauf als Nationalist und versucht, unter seinen jugendlichen Altersgenossen Mitstreiter gegen die Auflösungstendenzen in der deutschen Nation zu gewinnen.

 

 
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