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Die verschwiegene Katastrophe

Dr. habil. Volkmar Weiss, geb. 1944, forschte in der DDR zur Genetik der Intelligenz. 1984 wurde er „strafversetzt“ zur Forschungsstelle für Regionalgeschichte und später zur Deutschen Zentralstelle für Genealogie in Leipzig. Seit 2008 ist er im Ruhestand.
Die moderne Gesellschaft bringt nicht mehr genügend Begabtennachwuchs hervor, die Erkenntnisse über die Genetik der Intelligenz werden ignoriert, die Ansprüche nach sozialer Gleichheit steigen weiter. Das Ergebnis wird der Untergang der Industriegesellschaft sein.
DIE INTELLIGENZ UND IHRE FEINDE 544 Seiten, mit zahlreichen Tabellen und Graphiken, HC Preis: € 34,90

Von Dr. Angelika Willig

Über die Intelligenz und ihre Feinde


Immer noch ist es nicht gelungen, die „kulturelle Hegemonie“ der Linken, das heißt die Meinungsführerschaft in Europa, zu überwinden. Mehr als zwanzig Jahre nach dem Zusammenbruch des Ostblocks nennen sich die Linken zwar vielfach nicht mehr links oder gar marxistisch, sondern berufen sich mit Vorliebe auf „Freiheit und Demokratie“ sowie auf die „Menschenrechte“. Heraus kommt aber die alte Forderung nach sozialer Gleichheit und Wohlstand für alle. Ironischerweise ist genau das der Grund für die grenzenlose Macht der Finanzwelt, denn irgendwo muß das Geld für die sozialen Wohltaten ja herkommen.

Dagegen lassen sich deshalb so schwer Argumente finden, weil wir es hier mit Grundwerten einer bürgerlichen – zivilisierten – Gesellschaft zu tun haben. Sie stoßen heute vielfach an ihre Grenzen. Und die liegen letztlich in den natürlichen Ressourcen. Vielfach ist schon bemerkt worden, daß wir für die Bedürfnisse einer wachsenden Weltbevölkerung einerseits und den immer noch wachsenden Energieverbrauch der Industrieländer andererseits eigentlich „zwei oder drei Erden“ bräuchten. Was heißt das aber anderes, als daß die bestehenden Ansprüche und Forderungen nicht mehr zu erfüllen sind. Dieses Problem unter dem Schlagwort „Ökologie“ zu subsumieren, bedeutet bereits eine Verharmlosung. Man bekommt den Eindruck, als handle es sich um eine neue Methode, die Lebensqualität zu verbessern und bestimmte Spezialprobleme zu lösen. Worum es aber geht, ist eine rasant zunehmende Bedrohung unserer gewohnten Lebensweise, vielleicht sogar der gesamten Existenz.
Immerhin gibt es schon ein ganzes Heer von Wissenschaftlern und Spezialisten, die regelmäßig ihre Warnungen im Hinblick auf Ressourcenknappheit und Umweltzerstörung zu Gehör bringen. Die Fachleute sind sich einig, daß radikale Gegenmaßnahmen nötig wären, die von der Politik höchstens dem Anschein nach getroffen werden. So hat sich im Interesse des Menschen selbst – seiner Versorgung sowie seiner Erholung – eine starke Natur-Lobby gebildet.
Wie sieht es aber mit der Substanz des Menschen aus? Ist nicht auch der Mensch ein gewachsener Rohstoff, von dem unsere Zivilisation mindestens ebenso abhängt wie vom Regenwald? Und wie die natürliche Umwelt, so wird auch der Mensch durch die Industrialisierung und Technisierung verändert, nicht nur seelisch, sondern auf die Dauer auch evolutionär. Die künstliche Geburtenkontrolle sowie bestimmte soziale Mechanismen, die auf das Gebärverhalten einwirken, können zu einer genetischen Veränderung in der Art einer negativen Selektion führen.
Bei der beinahe schon hysterischen Bio-Mode muß man sich wundern, daß kaum ein Wissenschaftler und keine Zeitung sich für die biologischen Qualitäten von uns Menschen interessiert. Alles soll „Bio“ sein, alles soll unter dem Maßstab der „Natur“ stehen, nur der Mensch selbst ist von dieser Vorgabe anscheinend ausgenommen. Man könnte glauben, daß zwar Tomaten und Mais oder auch Schafe von „Mutter Erde“ hervorgebracht werden und sich nach den Naturgesetzen verhalten, der Mensch hingegen hat sich laut der Ideologie von Autonomie und Individualität selbst erfunden und tut nur das, was er sich bewußt vornimmt. Genetische Steuerung scheidet beim „höchsten Wesen“ von vornherein aus. – Wenn man diesen merkwürdigen Befund geistesgeschichtlich bewerten will, dann leitet sich das geltende Menschenbild vom autonomen Subjekt aus der Zeit der Aufklärung her, während Tiere und Pflanzen unter den Vorgaben von Darwin gesehen werden. Zwei Epochen treffen hier aufeinander bzw. sie laufen praktisch unverbunden nebeneinander her.

Intelligenz erregt die Gemüter

Was einem Naturwissenschaftler passiert, der diese Trennung – vornehm spricht man von „zwei Kulturen“ – einreißt, erweist sich an der Vita des Genetikers Volkmar Weiss, der fast ein ganzes Leben lang in der DDR und in der Bundesrepublik mit einem zentralen Tabu-Thema unterwegs ist: der Erblichkeit der menschlichen Intelligenz. Das Thema Intelligenz wirkt aus verschiedenen Gründen besonders provozierend. Im Unterschied etwa zur Musikalität, für deren Erblichkeit ebenso viel spricht, ist die Intelligenz ausschlaggebend für den sozialen Aufstieg in einer modernen Gesellschaft. Eine verminderte Intelligenz schließt den Betreffenden vom Erfolg praktisch aus. Zudem gilt die Intelligenz – in Form von Vernunft – schon seit der Antike als Kennzeichen des Menschen überhaupt. Die gesamte menschliche Kultur beruht darauf. Wem es also an Intelligenz mangelt, hat an der menschlichen Gesellschaft einen geringeren Anteil. Deshalb können die meisten ohne weiteres zugeben, nicht musikalisch, nicht sportlich oder sogar faul zu sein, doch spricht man ihnen die Intelligenz ab, so halten sie das für einen Angriff auf ihren menschlichen Wert.
Volkmar Weiss stammt aus der DDR und hat 1972 in Ost-Berlin seine Dissertation über die Vererbung von mathematisch-technischer Hochbegabung vorgelegt. Den Außenstehenden verwundert es, daß eine solche Arbeit von den marxistischen Professoren überhaupt angenommen wurde. Zumindest einige Jahre durfte Weiss in der DDR sogar forschen. In der Bundesrepublik wäre das zu dieser Zeit vielleicht gar nicht mehr möglich gewesen, denn die marxistischen Vorgaben hatten sich von den sozialistischen Ländern klammheimlich in den Westen fortgepflanzt – sogar nachdem sie im Osten schon gescheitert waren:
„Die Fachrichtungen, die sich mit den biologischen und genetischen Unterschieden zwischen Menschen befassen“, berichtet Weiss aus der DDR der 50er Jahre, „waren in ihrem Wesen als antikommunistische Wissenschaften durchschaut und demzufolge ausgelöscht.“ Bereits in den 60er Jahren aber setzte ein allmähliches Umdenken ein. Der Grund: die Kinder der Parteikader kamen jetzt selbst auf die Hochschulen, und man suchte dringend geeignete Führungskräfte. Genau zur gleichen Zeit gerieten im Westen „die Fachrichtungen, die sich mit den biologischen und genetischen Unterschieden zwischen Menschen befassen“, ins Abseits. Es war zwar nicht verboten, sich damit zu beschäftigen, aber: „Seit diesen Jahren haben alle sozialen Unterschiede angeblich nur soziale Ursachen. Inzwischen ist nur noch diese Meinung politisch korrekt. Wer andere Auffassungen auch nur andeutet, hat keinerlei Chance auf eine Berufung auf einen Lehrstuhl in dieser ,Freien Welt‘.“

Todesurteil für die wissenschaftliche Karriere

Sicherlich ist der Begriff der „Intelligenz“ und speziell das Konzept der Intelligenztests zur Ermittlung des Intelligenzquotienten (IQ) umstritten. Weiss informiert eingehend über diese Kontroverse und was seiner Meinung nach für den IQ als wichtigen Indikator für spätere berufliche Leistungen spricht. Speziell für den mathematisch-naturwissenschaftlichen Sektor ist das Abschneiden bei solchen Tests sehr aussagekräftig. Und gerade von diesen Tätigkeiten hängt das Bestehen einer hochzivilisierten Gesellschaft ab. Eine Vielzahl von literarisch gesinnten Menschen mag interessant sein – wenn sie keine Computerprogramme schreiben und keine differenzierte medizinische Diagnostik betreiben können, bekommt die Gesellschaft bald Probleme.
Für die Erblichkeit mathematisch-technischer Intelligenz sprechen vor allem die Zwillingsforschung sowie alle großangelegten Studien in der Bevölkerung. Allerdings spielt sich die gesamte diesbezügliche Forschung am Rande und im Schatten anderer Projekte ab. Nachdem sich Dr. Weiss 1990 noch mit einer Arbeit über „Humangenetik in Psychologie und Psychiatrie“ habilitieren konnte, durfte er fortan nur noch in als „rechtsextrem“ etikettierten Publikationen wie „Mankind quarterly“ publizieren. Genauso ergeht es Wissenschaftlern auch im Westen. Das Interesse an der Erblichkeit typisch menschlicher Eigenschaft ist das Todesurteil für jeden Forschungsantrag und für jeden jungen Wissenschaftler. Und im Unterschied zu den Kulturwissenschaften, wo die Chancen ohnehin nicht so groß sind, verzichten Naturwissenschaftler durch ein nonkonformes Verhalten auf eine sichere Karriere und Möglichkeiten zum weiteren Aufstieg. Daher baut sich oft wider besseres Wissen eine Mauer des Schweigens auf. Für Weiss sind das die Anzeichen einer Realitätsverweigerung, die früher oder später zum Zusammenbruch auch des angeblich liberalen Systems führen muß:
„Wir, die wir im Osten miterlebt haben, wie ein System sich im Laufe von Jahrzehnten zugrunde richtet, sehen heute die Keime und den Trend, der auch für die gesamte Bundesrepublik zu einer schweren Krise führen wird. Die alte Bundesrepublik hat Mechanismen des Ausklinkens der Wirklichkeit und der Tabuisierung von Problemen geschaffen, die nicht weniger effektiv sind, als sie es in der DDR waren. Der damit zusammenhängende Realitätsverlust führt in die Krise bzw. leitet den Untergang ein.“

Höhere Ansprüche, weniger Begabte

Warum ist die wissenschaftliche Ignoranz auf diesem Gebiet so gefährlich? Wenn Intelligenz wenigstens zur Hälfte erblich ist, dann bedeutet die Tatsache, daß sich Angehörige qualifizierter Berufe immer weniger fortpflanzen und der Nachwuchs unqualifizierter oder gar asozialer Eltern das Übergewicht gewinnt, eine Katastrophe für die Zukunft des Landes. Was sich jetzt schon andeutet, ist die Schwierigkeit, bestimmte Arbeitsplätze oder Lehrstellen so zu besetzen, daß die gestellten Ansprüche auch erfüllt werden. Demgegenüber gibt es immer mehr Menschen, die keinen Arbeitsplatz finden. Dabei verschränken sich zwei Tendenzen auf fatale Weise: einerseits werden weniger Begabte geboren, andererseits werden die Anforderungen durch die Technisierung immer höher und einfache Tätigkeiten fallen weg.
Bereits in den 1920er Jahren hat der Psychiater Karl Jaspers diese Entwicklung vorhergesehen: „Die Existenzmöglichkeit für geistig minderwertige und abnorme Persönlichkeiten ist in den Verhältnissen fortgeschrittener technischer Kultur viel schwieriger als in den Verhältnissen der niederen technischen Kultur. (…) Auf dieselben Umstände, nämlich die größeren Anforderungen im Leben (…),  ist es zurückzuführen, daß heute schwachsinnige und weniger begabte Kinder eine so große Rolle in der Diskussion spielen, während es scheint, als ob man die Häufigkeit des Schwachsinns früher gar nicht bemerkt hätte.“ Während sich vor hundert Jahren auf dem Land sogar der Schwachsinnige noch einigermaßen integrieren ließ, erfordert es im 21. Jahrhundert schon eine überdurchschnittliche Intelligenz, um eine Ausbildung zu absolvieren, einen Arbeitsplatz auszufüllen und mit dem komplexen Alltag zurechtzukommen. Diejenigen, die über die nötige geistige Ausstattung nicht verfügen, müssen vom Staat unterstützt werden: beim Lebensunterhalt, bei der Gesundheitspflege, bei der Partnerschaft usw. Aufgrund dieser gesteigerten Komplexität hätten wir eigentlich eine Höherzüchtung des Menschen im Hinblick auf Intelligenz nötig. Das Gegenteil ist jedoch der Fall: Immer mehr Menschen versagen bei der Lebensgestaltung schon auf Grund ihrer mangelnden genetischen Voraussetzungen.
Das allseits gepriesene Mittel dagegen heißt Bildung und Bildungsförderung: „Es gibt ja keine Dummen mehr, sondern nur noch ,Bildungsarme‘  und ,Bildungsferne‘. Fehlt es irgendwo an qualifiziertem Personal, dann kann nur eine ,Bildungsinitiative‘  abhelfen. Daß vielleicht schon seit Jahrzehnten zu wenig Talente geboren werden, das darf nicht einmal gedacht werden.“ Hier verweist Volkmar Weiss auf das Buch von Thilo Sarrazin. Auch ihm ging es neben der Islamisierungsgefahr um den Verfall des Erbguts im eigenen Volk. Bezeichnenderweise wurde das meist überlesen. Während der klassische Rassismus wenigstens noch als Feindbild präsent ist, haben die Feinde der Eugenik diese Problematik völlig aus dem allgemeinen Bewußtsein verbannt. Immerhin kann Weiss sich auf ein in diesem Jahr erschienenes Buch mit dem Titel „Ist Intelligenz erblich?“ beziehen. Autor ist Dieter E. Zimmer, ein Redakteur der Wochenzeitung „Die Zeit“, der sein liberales Umfeld schon öfter darauf hingewiesen hat: „Missliebige Fakten aber lassen sich nicht durch eine Fatwa aus der Welt schaffen. Wer sich ihrer entledigen will, hätte sie zu widerlegen.“

Politik ist nicht Wissenschaft

Die Frage ist allerdings: Bestimmen wissenschaftliche  Fakten tatsächlich die Politik? Sie tun es sicher – aber nicht auf direktem Wege. Wissenschaft bestimmt Politik und Geschichte durch die technischen Entwicklungen, die aus ihr hervorgehen und die wiederum die Lebensbedingungen verändern. Ist denn jemals wissenschaftlich bewiesen worden, daß alle Menschen gleich sind oder gleiche Rechte haben? Es ist doch eher so, daß das Postulat von Gleichheit und Gerechtigkeit sich aus der industriellen Massenproduktion ergeben hat, die solche Ansprüche erst realisierbar machte. Volkmar Weiss bezieht solche gesamthistorischen Überlegungen in sein Buch durchaus mit ein. Es handelt sich nicht nur um das Intelligenz-Problem, sondern um seine Stellung innerhalb der modernen Gesamtproblematik. Schon dieser Ansatz ist für einen Naturwissenschaftler höchst ungewöhnlich. Sein Buch gehört zu den Grenzgängern zwischen den „zwei Kulturen“, die dringend zusammengeführt werden müssen, wenn politische Argumente in Zukunft wirksam sein sollen.
Es ist aber auch illusionär, einen Gleichheitsapostel mit rein wissenschaftlichen Argumenten von seinem Irrtum zu überzeugen. Überzeugen wird ihn letztlich nur das praktische Scheitern der Gesellschaft, die auf egalitären Grundlagen operiert. Also nicht die richtige wissenschaftlichen Einsicht, sondern die Folgen unserer falschen Annahmen werden den Umschwung bringen: „An Erkenntnissen über die Genetik des IQ wird die Welt nicht genesen. Wenn solche Erkenntnisse einmal Bedeutung erlangen, dann in einer anderen Welt nach dem Großen Chaos, in dem Neuen Zyklus, der auf den Untergang der Industriegesellschaft folgen wird.“ Weiss betont, daß er das „Große Chaos“ möglichst klein halten will,  und führt auch einige Möglichkeiten dazu an. Doch ohne einen schmerzhaften Bruch wird es ein Umdenken nicht geben.
Das Buch heißt „Die Intelligenz und ihre Feinde“. Dabei spielen Demokratie und bürgerliche Freiheit eine verwirrende Doppelrolle. Zunächst bedeutet Demokratie die Auflösung der Privilegien des Adels. Damit bekam „der Tüchtige“ Gelegenheit, seine gesellschaftliche Position zu verbessern. Intelligenz wurde geradezu zur Eintrittskarte in die Führungspositionen. Ein bis dahin ungenutztes Potential von begabten Menschen aus den unteren Schichten kam damit der Gesamtgesellschaft zugute. Verstärkt wurde diese Entwicklung noch einmal durch das kostenlose Bildungssystem und das staatlich finanzierte Studium. Nun stand dem Aufstiegswillen kaum noch etwa entgegen. Volkmar Weiss erklärt übrigens, daß er selbst zu diesen „Aufsteigern“ gehört und nicht aus einem privilegierten Elternhaus stammt. Bis dahin haben sich demokratische Prinzipien sicherlich positiv auf die Intelligenzförderung ausgewirkt. Man bezeichnet dieses Erfolgsmodell auch als „bürgerliche Gesellschaft“.

Leistungselite und Demokratie

Es gelangt jedoch an eine natürliche Grenze. Irgendwann haben sich die Befähigten in der oberen oder mittleren Ebene angesiedelt und pflanzen sich vorwiegend untereinander fort. Es bleibt ein unteres Drittel übrig, dem der Aufstieg kaum noch gelingt. Diese Tatsache jedoch steht in einem gewissen Widerspruch zu den Idealen einer demokratischen Gesellschaft, die gegen Privilegien und Standesdenken angetreten ist. Man kann nicht abstreiten, daß die oberen Schichten – die „Besserverdienenden“ – gewisse Privilegien haben, zu denen die anderen keinen Zugang finden. Zwar beruhen die Privilegien nicht mehr auf der Herkunft, sondern auf der Leistung, jedoch sind sie über die Erblichkeit der entsprechenden Eigenschaften mit der Herkunft durchaus verknüpft.
Diesen Zustand halten unsere politischen Vertreter für untragbar, und zwar schon deshalb, weil sie ihre Wähler auch aus den unteren Schichten rekrutieren. Es ist aber auch eine ideologische Frage. Sie können es nicht akzeptieren, daß die von ihnen vertretenen Grundwerte historisch zumindest teilweise ausgedient haben.
Mit dem Einsatz hoher finanzieller Mittel versuchen sie nun, die „Unterprivilegierten“ so zu fördern, daß auch ihnen der Aufstieg möglich wird. Notfalls werden Leistungsschwächere durch sogenannte „affirmative action“ künstlich gleichgestellt. Bis hin zu dem Versuch, Schwachsinnige in die Normalschule einzuschulen, was übrigens schon in der Sowjetunion praktiziert wurde. Mit solchen Maßnahmen aber werden die Politiker und entsprechende Medienvertreter zu „Feinden der Intelligenz“. Bei den Ideologen der massiven „Förderung“ kommt es dabei zur Ablehnung und Anklage jedweder Leistungsvergleiche, zur Forderung nach Abschaffung der Schulnoten und einer Glorifizierung der „Andersartigkeit“ – alles mit dem Ziel, die natürlichen Unterschiede aufzuheben.

Scheitern geltender Mechanismen

Für den Autor ist es ausgemacht, daß unser demokratisches System an diesen und anderen Problemen scheitern wird, weil es nicht in der Lage ist, sich selbst entsprechend zu korrigieren:
„Heutige Regierungen meinen, sich nur mit Versprechungen und weiterer Umverteilung an der Macht halten zu können. Das Buch Sarrazins wird von einer gebildeten Minderheit zur Kenntnis genommen, die in demokratischen Wahlen durch keine als koalitionsfähig geltende Partei repräsentiert wird und demzufolge auch ohne Einfluß auf das immer weitere Aufreißen der IQ-Lücke ist.“
Nun wäre es ein unschlagbares Argument, wenn man die Disposition für eine höhere oder niedrige Intelligenz direkt im Genom nachweisen könnte, so wie es etwa bei der vieldiskutierten Trisomie 21 oder vielen anderen Erbkrankheiten bereits der Fall ist. Die Suche nach einem „Intelligenz-Gen“ hat sich jedoch bisher als erfolglos erwiesen. Volkmar Weiss nimmt nach wie vor an, daß es sich hier um einen bestimmten Gen-Ort handelt, während andere von einer Vielzahl von zusammenwirkenden Konstellationen ausgehen. Bei der Schwierigkeit dieser Fragestellung sollte man aber zweierlei berücksichtigen: höhere Eigenschaften des Menschen sind generell schwer genetisch zu orten. Während aber für die Suche nach Krankheiten – etwa nach der genetischen Disposition für Krebs oder für Depressionen – riesige Summen ausgegeben werden, findet eine Forschung hinsichtlich der Intelligenz praktisch nicht statt. Und merkwürdigerweise wird die Erblichkeit solcher Krankheiten, auch wenn die betreffenden Gene noch gar nicht gefunden sind, überhaupt nicht mehr in Abrede gestellt, während bei seelisch-geistigen Eigenschaften schnell von „Rassismus“ gesprochen wird.
Was ist eigentlich so viel „diskriminierender“ daran, wenn man einem Menschen eine geringere Begabung nachweist als die Anlage zu einer gravierenden Krankheit? Der Hauptunterschied besteht wohl darin, daß von der Krankheit immer nur wenige betroffen sind, die sich mit dem Stigma herumschlagen müssen, während die Minderbegabten einen politischen Faktor darstellen und Mehrheitsverhältnisse bestimmen können.

Tragik des „weißen Mannes“

Von den klügeren „Feinden der Intelligenz“ wird ein Argument vorgebracht, das in dem Buch vielleicht noch fehlt. Sie sagen nämlich: Wohin hat uns die vielgerühmte mathematisch-technische Intelligenz denn gebracht? Genau in jene Schwierigkeiten, die hier so furchterregend beschrieben werden. Die Technik sorgte in Form von Hygiene und Medizin für den gewaltigen Bevölkerungsanstieg und für die Versorgung dieser Bevölkerungsmassen mit immer mehr Energie. Die Kosten haben jetzt auch die zu tragen, die schon auf Grund ihrer beschränkten Fähigkeiten nie so weit gekommen wären. Auf ähnliche Weise klagen manche Vertreter von Indianern und Schwarzen den „weißen Mann“ nicht ganz zu Unrecht an. Allerdings führt kein Weg zurück zu einer beschränkten und bescheidenen Lebensweise. Nur die Vernunft kann uns helfen, aus der Vernunftfalle wieder herauszufinden.

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