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Leistung und Vielfalt

Von Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker

Parteiunabhängige Experten aus Wissenschaft und Pädagogik sowie engagierte Eltern, Lehrer, Schüler und Vertreter der Wirtschaft haben sich zur „Bildungsplattform Leistung & Vielfalt“ zusammengeschlossen. Die Plattform kämpft für eine Verbesserung des österreichischen Bildungssystems und gegen ideologisch bedingte Versuche, dieses System weiter zu verschlechtern. Die Stimmungsmache in Richtung Gesamtschule arbeitet weitgehend mit manipulierten Zahlen und unrealistischen Annahmen. Die tatsächlich katastrophalen Folgen eines Gesamtschulsystems in den Ländern, die es bereits eingeführt haben, wurden in der letzten neuen Ordnung (I/11) bereits ausführlich dokumentiert. So hat sich in Frankreich die Zahl der Studenten aus armen Familien nach Einführung der Gesamtschule drastisch reduziert, das deutsche Max-Planck-Institut für Bildungsforschung hat aufgezeigt, welch erhebliche Bildungsdefizite Gesamtschüler gegenüber Gymnasiasten aufweisen und auch ein Zusammenhang mit hoher Jugendarbeitslosigkeit läßt sich belegen. Warum sollte Österreich ein System einführen, das anderswo aufgrund seiner negativen Folgen bereits wieder rückgebaut wird? Gerade das soziale Argument spricht gegen das Gesamtschulsystem, wie jüngst erst in Berlin deutlich wurde (siehe Kasten): Ein Niveau-Absturz, besonders in ohnedies problematischen Vierteln, war die Folge, der zu Lasten all jener Kinder ging, die zu besseren Leistungen befähigt wären, deren Eltern aber nicht den Ausweg in eine teure Privatschule wählen konnten.
Im Folgenden dokumentieren wir die Leitlinie der Bildungsplattform „Leistung & Vielfalt“ und ihre Unterschiede zum Androsch-Volksbegehren „Österreich darf nicht sitzen bleiben“.

 

1. Gleichheit = gleiches Recht aller auf personengerechte, begabungsadäquate Bildung (nicht: Recht aller auf gleiche Bildung).
2. Freiheit = Entscheidungsfreiheit der Erziehungsberechtigten über Bildungsweg der eigenen Kinder.
3. Voraussetzung für gleichberechtigte Entscheidungsfreiheit aller sozialen Schichten = möglichst große Vielfalt an gleichwertigen (staatlichen) Angeboten.
4. Einsetzen dieses vielfältigen Angebots zum frühest möglichen Zeitpunkt.
5. Zielgruppenorientierte (= schulformenadäquate) Ausbildung der Lehrer im fachlichen Bereich.
6. Verstärkte allgemeinpädagogische Ausbildung aller Lehrer (einschließlich im Bereich der Begabungsförderung).
7. Autonome Selbstdefinition jeder (staatlichen und privaten) Schule.
8. Finanzielle Gleichbehandlung aller (staatlichen und privaten) Schulen durch den Staat.
9. Spezielle Förderung benachteiligter Kinder zur Vorbereitung auf deren Integration in den normalen Unterricht.
10. Entscheidungshilfen für eine begabungsgerechte Schulwahl ab der fünften Schulstufe mit Hilfe kommissioneller Gutachten.
11. Bekenntnis zu einer Leistungs- und Bildungselite, die sich aus allen Gesellschaftsschichten rekrutiert.
12. „Inklusive“  Begabungsförderung im Sinne einer optimalen personengerechten Förderung auf allen Ebenen (nicht: gleiche Förderung für alle).
13. Förderung des Wettbewerbs zwischen verschiedenen (staatlichen und privaten) Schularten und Schulen an Hand objektivierter Indikatoren.
14. Wiederherstellung der Aussagekraft und Verbindlichkeit eines österreichischen Maturazeugnisses.
15. Abbau der bürokratisch-juristischen Überregulierung des Schulbetriebs zu Gunsten einer verstärkten Autonomie der einzelnen Schulen, u.a. auch im Bereich des Personalmanagements.
16. Verstärkte Mitwirkung und aktive Einbeziehung der Erziehungsberechtigten.
17. Qualitätssicherung durch unabhängige externe Leistungsüberprüfungen.
18. Schulrelevante und umfassende Leistungsüberprüfungen (nicht nur in den „Hauptfächern“) an allen Nahtstellen.
19. Veröffentlichung der Ergebnisse dieser Leistungsüberprüfungen.
20. Von den Schulpartnern gemeinsam erarbeitete und von der Schulaufsicht begleitete Maßnahmen bei Nichterfüllung der allgemeinen Mindeststandards.
www.bildungsplattform.or.at

 

 

 
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