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Blutzoll

Von Mag. Wolfgang Dvorak-Stocker

Der Erfolg politischer Systeme läßt sich an verschiedenen Kennzahlen ablesen: An der Wirtschaftsleistung und dem Bruttosozialprodukt etwa, aber auch an der Zahl der Verbrechensopfer, der Drogentoten und der Selbstmordrate. Menschen brauchen Freiheit, um ihr Leben sinnvoll leben zu können. Zuviel Freiheit kann aber negative Folgen haben, etwa, wenn dadurch die Kriminalität steigt oder die Zahl der Armen wächst, denen die ökonomische Basis für eine selbstbestimmte Lebensgestaltung fehlt. Freiheit und Ordnung, das heißt Freiheit und Zwang müssen also in einem richtigen Verhältnis stehen.
Der Versuch, dem Irak Freiheit amerikanischer Lesart zu implantieren, hat seit 2003 einer Million Iraker das Leben gekostet – dazu sind noch über 200.000 Kinder zu rechnen, die der erhöhten Sterblichkeit aufgrund der US-Sanktionen in den Jahren vor der Invasion zum Opfer gefallen sind. Alles nur Kollateralschäden? Diese Opferzahlen übersteigen jene Saddam Husseins um mehrere Zehnerpotenzen. Ohne dessen Regime beschönigen zu wollen: Damals konnte in der Regel, wer den Mund hielt, auch sicher sein, unbehelligt seinem Alltagsleben nachgehen zu können. Dies galt selbst für die Minderheiten wie die irakischen Christen. Heute aber kann niemand mehr sicher sein, daß seine Kinder auch nur lebend vom Schulweg nach Hause kommen.
Im „befreiten“ Südafrika wiederum liegt die Mordrate seit Jahren bei fast 20.000, das sind umgerechnet auf die Bevölkerungszahl mehr als 40 mal so viele wie in Deutschland oder Österreich; an die 60.000 Frauen werden jährlich vergewaltigt. Ob alle diese Menschen die an ihnen begangenen Verbrechen im stolzen Bewußtsein ertragen haben, damit ein nötiges Opfer für die Beseitigung des weißen Regimes zu erbringen? Und dabei hat Südafrika nicht einmal die Hoffnung, daß es sich hier um Symptome eines chaotischen Umbruches handelt, der bald überwunden sein wird. Zwar sinkt die Mordrate dank polizeilicher Härte etwas, dafür mehren sich Berichte (wie zuletzt im „Spiegel“), die dem Land eine rasante wirtschaftliche Talfahrt bescheinigen. Gut ausgebildete Spitzenkräfte kehren in immer größerem Maß der Kaprepublik den Rücken. Wie Robert Mugabe es in Zimbabwe geschafft hat, aus der einstigen Kornkammer des südlichen Afrikas ein Hungerland zu machen, wird sich wohl auch in Südafrika die wirtschaftliche und soziale Lage der schwarzen Bevölkerung im Vergleich zu den Zeiten der Apartheid massiv verschlechtern. Sind das die nötigen Kosten der Freiheit? Willig gebrachte Opfer für das Recht, alle vier Jahre den ANC zu wählen?
Jede Veränderung des politisch-gesellschaftlichen Systems verändert die „Opferbilanz“. Und schon ein Blick in die Zeitung lehrt, wie schwer es ist, eine gute Ordnung zu schaffen – und wie leicht, sie zu zerstören. Auch die politischen Weichenstellungen unserer Tage fordern Opfer. In Köln stand jüngst ein 17jähriger Türke vor Gericht, der – nach mehr als einem Dutzend Strafverfahren wegen Raubes, schwerer Körperverletzung u. ä. – im letzten Karneval einen deutschen Familienvater vor den Augen dessen kleiner Kinder ins Koma geprügelt hat. Der 44jährige Arbeiter ist heute behindert und arbeitsunfähig. Selbst vor Gericht verweigerte der Täter jede Entschuldigung bei seinem Opfer, da dies „gegen seine Ehre“ wäre. Richter Hans-Werner Riehe sandte ihn dennoch nicht ins Gefängnis: Er habe sich ja nur milieuadäquat verhalten, so wie in seinen Kreisen eben üblich, und damit wäre der Besuch eines „Anti-Aggressionstrainings“ ausreichend.
Das Urteil des Richters Riehe macht deutlich, in welche Zukunft uns die unselige Koalition aus linken Ideologen in Politik, Medien und Justiz, beinharten Wirtschaftsinteressen, gutmenschlichen Kirchenvertretern und grünäugigen Menschenrechtsbewegten führt. Die zunehmende Gewalt, der steigende Blutzoll werden billigend in Kauf genommen. Die meisten Medien berichten über die sich sogar in kleineren österreichischen Städten wie Wiener Neustadt schon häufenden Fälle von Ausländerkriminalität nur äußerst zurückhaltend, die Lebensrealität der Menschen in den Arbeiterbezirken ist kein Thema für den ORF und wenn in Deutschland immer öfter alte oder jugendliche Deutsche von Ausländern aus rassistischen Motiven ermordet oder zum Krüppel geschlagen werden, schweigt sogar die Kirche, deren Vertreter andererseits im „Kampf gegen rechts“ sich nicht genug hervortun können. Die Opfer der politischen Weichenstellungen bereiten den Verantwortlichen keine schlaflosen Nächte – brauchen sie doch kaum zu fürchten, selbst Federn lassen zu müssen. Bei Richter Riehe dürfte das zur Zeit anders sein. Er klagt voll Angst jeden, der sein Bild im Internet veröffentlicht. Hat er begriffen, daß sein Urteil das Tor in eine Welt öffnet, in der Konflikte eben auf der Straße und nicht vor Gericht ausgetragen werden? Fürchtet er daher, Opfer „milieuadäquaten Verhaltens“ seitens deutscher Rechtsextremisten zu werden? Diese dürften freilich nicht auf viel Verständnis hoffen, bei ihnen fordern die Vertreter der oben genannten, unseligen Koalition immer Höchststrafen, der „Abschreckung“ wegen. Sie haben offenbar noch nicht erkannt, daß die gewalttätigen Jugendlichen, ob „Rechtsextremisten“ oder Ausländer, beide nur die logische Folge ihres politischen Handelns sind. Die wahren Täter, das sind sie.

 
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