Archiv > Jahrgang 2019 > NO III/2019 > Knapp & klar (III/2019) > Das Geschäftsmodell der Schlepper 

Das Geschäftsmodell der Schlepper

Der Migrationsexperte Paul Collier, Ökonomie-Professor an der Universität Oxford, brachte die Frage im Februar 2015 im Interview mit der „Zeit“ auf den Punkt: „Warum setzt sich jemand in ein Boot und riskiert sein Leben? Die erste Antwort lautet: Weil er 4.000 Dollar für die Schlepper zusammen hat und bereit ist, ein gewisses Risiko einzugehen. Die zweite: Weil er weiß, dass er viel mehr Rechte bekommt, sobald er es an den Strand von Lampedusa geschafft hat. Dieses Versprechen lockt die Menschen in die Boote.“

Die einzige wirkliche Lösung hat Collier schon im Februar 2013 in der „FAZ“ öffentlichgemacht: „Jeder, der mit dem Boot kommt, sollte automatisch zurückgeschickt werden. Erst wenn das durchgesetzt wird, werden die Leute aufhören, es zu versuchen. […] Wenn wir nur verhindern wollen, dass die Menschen ertrinken, sollten wir eine kostenlose Fähre übers Mittelmeer einrichten. Halb Afrika würde mitfahren. Die einzige realistische Lösung ist es, keinerlei Ansätze zu schaffen, sich in ein leckes Boot zu setzen.“ Collier forderte damals, daß diese strikte Politik von zwei flankierenden Maßnahmen begleitet werden müsse: Einerseits sollte legale Zuwanderung nach Europa möglich sein, andererseits müßten Arbeitsplätze in Afrika geschaffen werden. Asylverfahren dürften aber nur dort stattfinden, wo die Reise beginnt, also außerhalb Europas. Nur dadurch, durch die Entkoppelung von Arbeitsmigration und Asyl würde das Geschäftsmodell der Schlepper zerstört.“

  • „National Zeitung“, 5. Juli 2019

Die Massenmedien zeigen sich von solchen Bildern freilich unbeeindruckt und schreiben munter weiter von „in Seenot geratenen Flüchtlingen“.

Wie die Schlepper arbeiten, hat nun ein jüngst auf YouTube veröffentlichtes Frontex-Video gezeigt: Ein großes, sicheres Fischerboot schleppt ein wesentlich kleineres Boot hinter sich her, in das dann auf hoher See, aber nicht weit von Lampedusa entfernt, 81 Migranten aus Bangladesch, Marokko und Libyen umsteigen, worauf sich das Mutterschiff rasch entfernt. Den italienischen Behörden gelang es jedoch, das große Schiff aufzubringen und die Schlepper zu verhaften. Für die Zuwanderer hat sich der Versuch jedenfalls gelohnt: Sie wurden nach Italien gebracht.

 
Neue Ordnung, ARES Verlag, A-8010 Graz, EMail: neue-ordnung@ares-verlag.com