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Der IQ und seine Verteilung

Von Dr. Volkmar Weiss

Ein Lehrbuch der Psychologie berichtigt den Zeitgeist

„Der IQ, das Kriterium zur Messung der ‚allgemeinen Intelligenz‘, ist eine Art schmutziges Geheimnis des Kapitalismus – altmodisch,
rassistisch, antidemokratisch usw.“, schrieb Tom Holert 2003 in einem Sammelband zur „Norm der Abweichung“. Eine derartige Meinung erscheint um so unverständlicher, da diejenigen, die bis etwa 1950 die Intelligenz- und Begabungsforschung vorangebracht haben, in ihrer Mehrzahl überzeugte Sozialisten waren. Antrieb ihres Handelns und ihrer Einmischung
in die Schulpolitik waren das Bestreben, allen Begabten, auch denen aus dem einfachen Volk – möglichst unabhängig vom Geldbeutel der Eltern und deren sozialen Stand – eine gute Ausbildung zukommen zu lassen. Die Intelligenztests sahen sie als ein Mittel an, um an möglichen Vorurteilen der Lehrer vorbei begabte Schüler für höhere Schulen zu empfehlen.

 

Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“ löste in den letzten Augusttagen 2010 eine Welle der Zustimmung einerseits und Empörung andererseits aus. „Sarrazin … hat die unterschiedliche Intelligenz der Menschen mit ihrem genetischen Erbe begründet. Damit hat er sich in die gedankliche Nähe der größten Irrlehre des 20. Jahrhunderts begeben“, kommentierte Michael Schlieben das bei „Die Zeitonline“.Wir alle kennen Fälle, in denen Naturwissenschaftler oder Fachleute aller Art sich gezwungen sahen, ihr Wissen und ihre Einsichten zu verleugnen, und sei es nur darum, ihre Karriere voranzubringen. Aber auch im vorauseilenden Gehorsam wird dem Zeitgeist gehuldigt, in der Hoffnung, es zahle sich irgendwie aus. Aus diesem kritischen Blickwinkel heraus betrachtet, verdient der Beitrag „Genetische Unterschiede? Die Irrtümer des Biologismus“ von Diethard Tautz in dem Sammelband „Der Mythos vom Niedergang der Intelligenz. Von Galton zu Sarrazin: Die Denkmuster und Denkfehler der Eugenik“ (2012) besondere Beachtung. Das Autorenverzeichnis des Sammelbandes weist Tautz aus als „Direktor des Max-Planck-Instituts für Evolutionsbiologie und Präsident des Verbandes Biologie, Biowissenschaften und Biomedizin in Deutschland (VBIO e.?V.)“. Mehr fachliche Autorität geht also fast nicht mehr. Und doch schreibt Tautz als Blinder über die Farbe. Tautz hat als Genetiker unter anderem an Drosophila, Cichliden und Mäusen geforscht, und das sehr erfolgreich, aber nie zuvor über Menschen und deren IQ und Begabungen.Da Sarrazin mit dem Anspruch auftrat, seine Analysen ständen im Einklang mit den Fachwissenschaften, war deren Meinung von der Öffentlichkeit gefragt. Doch nur die Psychologie-Professoren Detlef Rost und Heiner Rindermann sowie Siegfried Lehrl besaßen den Mut, Sarrazin im Wesentlichen zu bestätigen. Die Differentielle Psychologie würde ja auch ihren aussagekräftigsten Forschungsgegenstand aufgeben, wenn man in eine Verteufelung der IQ-Tests einstimmen würde.Da die Erblichkeit der Denkkraft – dem Kern des vieldeutigen Begriffs „Intelligenz“ – und ihre Verteilung in der Bevölkerung einen umstrittenen Punkt der Sarrazinschen Gedankenführung ausmachten, erwartete man auch von den Genetikern eine qualifizierte Stellungnahme. Eine solche erfolgte scheinbar bereits am 2. September 2010, 13.17 Uhr, als Pressemitteilung des Informationsdiensts Wissenschaft durch die Geschäftsstelle Berlin des Dachverbandes der deutschen Biologen1: „Fazit: Herr Sarrazin hat die grundlegenden genetischen Zusammenhänge falsch verstanden … Für Rückfragen steht Ihnen Prof. Diethard Tautz zur Verfügung.“Es ist zu bezweifeln, daß Tautz am Vormittag des 2. September das Buch bereits gelesen hatte. Aber die deutsche Bundeskanzlerin als gelernte Naturwissenschaftlerin hatte es ihm ja vorgemacht, wie man über etwas verächtlich urteilen kann, von dem man nur aus einer Medienkampagne erfahren hat. Im Normalfall für einen Naturwissenschaftler ein verwerfliches Verfahren.2 Aber in dem Fall wurde Tautz nicht enttäuscht. Die gleichgeschalteten Massenmedien hießen seine Mitteilung sofort willkommen, und bis heute bezieht man sich auf ihn in der vom Zeitgeist beherrschten deutschsprachigen Wikipedia als Gewährsmann. Doch der Blogger Ingo Bading kommentierte bereits am 5. September3: „Thilo Sarrazin: Unsägliche Stellungnahme des Dachverbandes deutscher Biologen“ und verlinkte auf „Wissenschaftliches Fehlverhalten“.Warum hat aber bis heute kein einziger etablierter deutscher Genetiker Tautz widersprochen?Der Band „Die Lage in der biologischen Wissenschaft. Tagung der Lenin-Akademie der Landwirtschaftlichen Wissenschaften der UdSSR. 31.?Juli –7.?August 1948. Stenographischer Bericht“ (Moskau: Verlag für fremdsprachige Literatur 1949), ist auf seinen 792 Seiten ein erschreckendes Zeugnis, wie Wissenschaft gegenüber politischer Macht und Druck versagen kann. Doch Widerstand gegen den ideologischen Anspruch, die Umwelt sei alles, die Gene seien nebensächlich oder Gene gebe es gar nicht, das war in der Zeit des Lyssenkoismus nicht nur in der Sowjetunion, sondern in allen Ostblockstaaten gefährlich, und die Allerwenigsten der „reaktionären Mendelisten-Morganisten“ hatten das Rückgrat, zur Sache zu stehen. Auch in der DDR gab es um 1960 keine Humangenetik, und IQ-Tests waren sowieso verboten. In den 1960er Jahren wirkten dann Artikel wie der von Georg Klaus (1912–1974) „Ungehobene Schätze. Erkenntnistheoretische Gesichtspunkte zur sogenannten Begabtentheorie“4 als Bahnbrecher. Persönlichkeiten wie Hans-Albrecht Freye (1923–1994), ab 1978 Generalsekretär der Leopoldina, und Hans Stubbe (1902–1989) betrieben die Übersetzung und Herausgabe der Lehrbuchs „Grundlagen der Humangenetik“5 von Curt Stern. Das Buch bereitete den Boden dafür vor, daß 1969 das Volksbildungsministerium der DDR Margot Honecker die Genehmigung erteilte, über die Vererbung von Hochbegabung zu forschen.6 Als ich 1981 die Druckgenehmigung (so etwas brauchte man in der DDR) für die Monographie „Psychogenetik: Humangenetik in Psychologie und Psychiatrie“7 erkämpfte, dem einzigen seriösen Fachbuch, das je zu dieser Thematik in einem Ostblock-Land erschienen ist, da konnte ich mir des fachlichen und moralischen Rückhalts bei den Genetikern der DDR sicher sein, die sich alle an die Lyssenko-Zeit noch unmittelbar erinnerten.
Rudolf Hagemann, Mitglied der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina, war in der Lage, ein Gutachten zu schreiben, das ungewöhnliche Sachkenntnis bewies, obwohl er über die Plastiden-Vererbung bei Tomaten forschte.

Sarazzin – Scherbengerichte

Heutzutage ist im deutschen Sprachraum die Zahl der Genetiker und Humangenetiker um ein Vielfaches größer als 1981 in der DDR. Es sind seither Fortschritte in der Forschung erreicht worden, von denen wir damals nur träumen konnten. In den Datenbanken wird Detailwissen angehäuft, aber die meisten Wissenschaftler forschen nur punktuell, der Blick auf größere Zusammenhänge oder Auswirkungen ist für ihre Karriere nicht nur nicht notwendig, sondern unerwünscht. Wer sollte sich da berufen fühlen, dem Präsidenten des Dachverbandes deutscher Biologen in so einer umstrittenen Sache öffentlich zu widersprechen? Wenn jeder sich ausrechnen konnte, seine Meinung sei bei der Obrigkeit unerwünscht und damit für ihn schädlich. Sind doch die ideologischen Uhren im Westen seit 1968 eher umgekehrt gelaufen als vor 1990 im Osten.
Zu den Sarrazin-Scherbengerichten, die die deutschen Massenmedien Ende August und im September 2010 zelebrierten, wurde nie ein Genetiker oder Psychologe hinzugezogen, bei dem man spezielle Sachkenntnis befürchten mußte. Daß die Vererbung des IQ ein Tabu ist, haben die deutschen Soziologen seit 1968 so verinnerlicht, daß in Diskussionsrunden von keinem die Gefahr ausgeht, er käme der Wahrheit nahe. Seitdem Karl Valentin Müller (1896–1963) die Bühne verlassen hat, hat sich niemand mehr getraut.
Nachdem sich Tautz als eilfertiger Sarrazin-Abwatscher einen Namen gemacht hatte, erfolgten Einladungen zu inhaltlich gleichen Verlautbarungen, so für die „taz“ am 18. März 20128 und zu dem schon genannten Sammelband. Sein Beitrag in dem Band enthält im vorderen Teil einiges Richtiges; aber wir beschränken uns auf den Teil, worin Tautz sich selbst zu einem Erfüllungsgehilfen des Zeitgeistes reduziert.
Tautz, S. 131 f.: „Intelligenz wird aber wie andere unserer Eigenschaften nicht nur von einem, sondern von vielen Genen bestimmt … Eine einfache Vorhersage der Merkmalsverteilung solcher polygenetischen Eigenschaften in nachfolgenden Generationen wie bei Mendels Erbsen ist nicht möglich … Deshalb kann man keine konkreten Vorhersagen über die Vererblichkeit von Intelligenz zwischen oder innerhalb von Volksgruppen machen. Insbesondere ist Sarrazins Aussage, daß Kinder … gemäß den Mendelschen Regeln die intellektuelle Ausstattung ihrer Eltern (erben), aus wissenschaftlicher Sicht unsinnig. Mendelsche Gesetze … beziehen sich nicht auf intellektuelle Eigenschaften. Durch die Neukombination des Genmaterials in jeder Generation ist jedes Kind einzigartig und insbesondere in Bezug auf ‚Intelligenz‘ lassen sich keine Vorhersagen für das Individuum machen. ‚Dumme‘ Eltern können durchaus ‚kluge‘ Kinder bekommen, ebenso wie ‚kluge‘ Eltern ‚dumme‘ Kinder haben können …
Daß es bei Volksgruppen genetische Unterschiede in Bezug auf Intelligenzleistungen geben könnte, ist nach dem gegenwärtigen Stand der Genetik nicht zu erwarten … Die These, daß sich die durchschnittliche ‚Intelligenz‘ von Bevölkerungsgruppen aufgrund unterschiedlicher Reproduktionsraten kurzfristig verschieben könnte, entbehrt jeglicher wissenschaftlicher Grundlage.“

Wissenschaftliche Tatsachen

Stellen wir dem eben Zitierten die wissenschaftlichen Tatsachen gegenüber:
Auch jedes autosomale Polygen vererbt sich, einzeln betrachtet, nach den Mendelschen Gesetzen.
Haben beide Eltern einen IQ von 124 oder höher, dann haben über 90?% ihrer Kinder einen IQ von 124 oder höher. Haben beide Eltern einen IQ unter 105, dann liegen fast 100?% ihrer Kinder unter IQ 105. Haben beide Eltern einen IQ zwischen 105 und 124, dann liegen etwa 50?% ihrer Kinder im gleichen Bereich, 25?% im Bereich IQ 124 und höher, 25?% unter IQ 105. Hat ein Partner einen IQ über 124, der andere darunter, dann spalten die Kinder im Verhältnis von etwa 50:50 auf die beiden Bereiche auf.9 Bleiben wir bei Tautzens Terminologie, dann erzeugen, imitieren, die Polygene in ihrer Summe in einfacher Weise die nach den Mendelschen Gesetzen zu erwartenden Verteilungen.
Richtig, für das einzelne Kind läßt sich nichts Genaues vorhersagen und auch nicht der IQ; aber die Mendelschen Gesetze sind keine Aussagen für den Einzelfall, sondern über statistische Mengen. Dumme Eltern bekommen fast nie kluge Kinder: Hat jedoch jeweils nur ein Elternteil der Großelternpaare einen IQ unter 105, dann können die Großeltern sogar hochbegabte Enkel (im Bereich IQ 124 und höher) haben. Die Wahrscheinlichkeit dafür ist gering, aber statistisch vorhersagbar und empirisch nachprüfbar. Kluge und andere Eltern können leider nicht nur dumme Kinder haben, mit Down-Syndrom oder seltenen rezessiven Erkrankungen, sondern auch autistische, schizophrene oder depressive Nachkommen, deren IQ schwer bestimmbar oder im praktischen Leben wenig bedeutsam ist.
Um 2000 waren zwar IQ-Tests längst aus der Bildungsforschung verbannt, aber ganz ohne Vergleichen und Messen konnte man nicht auskommen. Für die erhaltenen Meßwerte meidet man aber bis heute in den internationalen Bildungsstudien die Begriffe Intelligenz, Denkkraft und IQ wie der Teufel das Weihwasser und spricht von „Kompetenzen“. Als man ab 2003 die Ergebnisse von einem Jahrhundert Intelligenztests mit den Ergebnissen der PISA-Studien vergleichen konnte, das heißt, die PISA-Werte fachgerecht in IQ-Werte umrechnete oder umgekehrt, da stellte sich heraus, daß die IQ-Tests und die PISA-Studien fast identische Zahlen ergeben. Nord-, west- und mitteleuropäischer Länder haben IQ-Mittelwerte um 100, Ostasiaten wenige Punkte höher, die Anrainerstaaten ums Mittelmeer rund 10 IQ-Punkte unter 100, Regionen weiter südlich und nahöstlich, fern jeder Demokratie, Mittelwerte unter IQ 90. In der 6. Auflage des Lehrbuchs „Psychologie der Persönlichkeit“ von Neyer und Asendorpf, erschienen Ende 2017 im Verlag Springer, kann man diese Werte auf S. 408 nachlesen. Rassismus? Aber bitte, nein, nur die Werte der PISA-Studien im Vergleich zu den IQ-Mittelwerten des vergangenen Jahrhunderts, wie sie sich aus hunderten repräsentativen Untersuchungen mit Intelligenztests in den verschiedenen Ländern ergeben haben.
Die egalitäre Ideologie tut sich mit diesen Unterschieden ganz besonders schwer und behauptet, daß sie erstens nicht beständen, und zweitens, wenn man sie dennoch mißt, wie in den PISA-Studien, sie allein eine Folge der Umwelt seien. Gelänge es, die Umwelten anzugleichen, verschwänden auch diese Unterschiede, so ein Kernsatz der egalitären Utopie, und mit Vererbung habe das rein gar nichts zu tun. Jürgen Rieger (1946–2009) war eine Persönlichkeit, die diesen Widerspruch zwischen den wissenschaftlichen Tatsachen und der egalitären Ideologie als deren offene Flanke erkannte, in die es bei jeder passenden Gelegenheit mit Sachkenntnis hineinzustoßen galt. So hielt er am 13. September 2008 in Altenburg in Thüringen auf dem unter freiem Himmel stattfindenden Rock-Festival „Fest der Völker“ eine Rede, in der er sich auch auf die unterschiedlichen Mittelwerte und damit unterschiedliche Verteilung des IQ bei verschiedenen Menschengruppen bezog. Der Staatsschutz, der die Veranstaltung beobachtete, leitete daraufhin gegen Rieger ein Ermittlungsverfahren wegen Volksverhetzung ein.10 Rieger, seiner Sache sicher, „äußerte sich nicht zur Beschuldigung“. Die Staatsanwaltschaft Gera beantragte Strafbefehl. Wie das ausgegangen ist, darüber liegt uns nichts vor. Jedoch war diese „Staatsschutzangelegenheit“ eine der Anlagen, die 2016 dem Verbotsantrag gegen die NPD beigefügt waren und mit dem die Verfassungsfeindlichkeit dieser Partei belegt werden sollte oder belegt worden ist, je nachdem, wie man die Verfassung im Hinblick auf den IQ auslegt. Ob diese Anlage bei dem Verfahren vor dem deutschen Bundesverfassungsgericht dann irgendeine Rolle gespielt hat oder nicht, ist nicht bekannt geworden.
Das Erschütternde an dem ganzen Vorgang ist aber: Der Verbotsantrag mit seinen Anlagen ist nicht von irgendwelchen Dorfpolizisten zusammengestellt und bearbeitet worden, sondern von den Spitzen der Justiz und des Staatsschutzes in allen deutschen Bundesländern. Keinem ist aufgefallen, daß die Anlage eine Aussage über elementare wissenschaftliche Tatsachen zur „Volksverhetzung“ und damit zum Straftatbestand machen möchte. Wenn dem wirklich so wäre, dann wären Sarrazin und Rindermann (aber auch schon die PISA-Forscher!) Volksverhetzer. Gegendemonstranten als eine irregeleitete Teil-Öffentlichkeit gebärden sich bei manchen Sarrazin-Vorträgen ja so und auch ein Teil der Studenten an den Universitäten. Wenn es wieder geschieht, sollte man an die Demonstranten künftig Kopien der S. 408 des Lehrbuchs der Psychologie von Neyer und Asendorpf verteilen, am besten schon im Vorfeld. Auch dürfte es sich lohnen, diese Seite im Netz zu zitieren und Abgeordnete und Würdenträger aller Parteien darauf zu stoßen, um so die Desorientierung der Öffentlichkeit zu verringern. Vielleicht beginnen die Leute dann, wenn wieder einmal 1 Million „Flüchtlinge“ vor der Tür stehen, schon früher daran zu zweifeln, es handele sich um die fehlenden und ersehnten Fachkräfte.

Der IQ entspricht den PISA-Ergebnissen

Auch innerhalb entwickelter Staaten beträgt der Unterschied zwischen blühenden und rückständigen Regionen 10 IQ-Punkte und mehr, in Italien zum Beispiel beträgt der Unterschied zwischen Venetien und Sizilien 13 Punkte. Wenn man die 16 deutschen Bundesländer in eine Rangtabelle einordnet, zusammen mit den 28 OECD-Staaten der PISA-2003-Untersuchung, dann steht Bayern (Durchschnitts-IQ 102) international an 5. Stelle, das bevölkerungsreichste Bundesland Deutschlands, Nordrhein-Westfalen (IQ 94) an 35. Stelle, und Bremen (IQ 92) an 39. Stelle unter insgesamt 44 Staaten.
Zur Orientierung: Bei einer Population mit dem mittleren IQ 100 haben 5?% einen IQ 124 und höher, 36?% („der Anteil der Klugen“) einen IQ 105 und höher. Einen IQ von 124 und höher haben Naturwissenschaftler (Mathematiker, Physiker) und viele Spitzenkräfte in vielen Berufen und Tätigkeiten. Einen IQ im Bereich 105 bis 123 haben alle mittleren Berufe und Tätigkeiten, vom selbständigen Gemüsehändler und Sparkassenangestellten bis zum Mechanikermeister und die Masse der Geisteswissenschaftler. Völker mit einem mittleren IQ 100 zeichnete bislang die Kraft aus, sich in Krieg und Frieden zu behaupten. Bei einer Gesellschaft mit einem mittleren IQ 90 sinkt der Anteil der Klugen auf etwa 14?% mit entsprechenden Folgen (bei einem mittleren IQ von 96 schon auf 26?%).
Im gegenwärtigen deutschen Schulsystem besuchen nahezu alle Klugen oder Halbklugen eine zum Abitur führende Schule. Entsprechend ist der mittlere IQ der Abiturienten abgesunken gegenüber Zeiten, wo nur 10?% aller Schüler das Abitur erreichten, und die Vorhersagekraft eines guten Abiturs ist entwertet. Da sich nicht in allen Fachrichtungen – man denke etwa an den Maschinenbau oder den Brückenbau – die Anforderungen absenken lassen, brechen auch deswegen ein Drittel aller Anfänger früher oder später ihr Studium ab. Denn kreative Menschen mit einem IQ über 124 erfinden Maschinen, konstruieren Brücken und gründen Firmen; Menschen mit einem IQ zwischen 105 und 124 reparieren Maschinen; Menschen mit einem IQ unter 105 bedienen Maschinen oder kehren den Hof.
Die Masse der Hochbegabten entstammt jedoch nicht den relativ seltenen Verbindungen, in denen beide Partner einen IQ über 124 und höher haben, sondern es handelt sich in jeder Generation in der Mehrzahl um soziale Aufsteiger aus der Mittelschicht, deren Gene sich vorteilhaft kombiniert haben und denen ein entwickeltes Bildungssystem offenstand.
Die 2017 veröffentliche repräsentative IQB-Studie der Viertklässler Deutschlands liefert die neuesten Daten.11 Aus ihr ergeben sich für diese Schüler die folgenden IQ-Mittelwerte: Bayern 100, Sachsen 100, Nordrhein-Westfalen 94, Hamburg 94, Berlin 90, Bremen 86. Alle anderen Bundesländer liegen zwischen IQ 98 und 95, mit kaum signifikanten Unterschieden. In Deutschland hat sich der Anteil der Zuwandererkinder bei Viertklässlern von 2011 um 9?% auf 34?% im Jahre 2016 erhöht und beträgt in den drei Stadtstaaten (Spitzenwert Bremen 52,5?%), in Baden-Württemberg und in Nordrhein-Westfalen über 40?%. Was besonders auffällt, sind die sehr niedrigen IQ-Mittelwerte der drei Stadtstaaten Hamburg, Berlin und Bremen und ihre fallende Tendenz. Vor etwa 100 Jahren zeichneten sich solche Städte dadurch aus, daß ihr mittlerer IQ deutlich über dem der Provinzen lag, also etwa bei 105. Als Ursache für die heute niedrigen IQ-Mittelwerte dieser Städte (und dazu gehören auch die Großstädte des Ruhrgebiets) geben die Verfasser der Studie die jeweiligen Anteile der Zuwandererkinder an. Als Matthias Rößler als Bildungsminister in Sachsen einst darauf hinweisen wollte, wurde er sofort angegriffen und besann sich noch rechtzeitig darauf, daß es stets besser ist, mit der Mehrheit zu irren, als alleine Recht zu behalten. Heute ist er Landtagspräsident.
Sind beide Eltern in der Türkei geboren, dann haben ihre Kinder in dieser IQB-Studie einen mittleren IQ von 87. Das schon genannte Lehrbuch der Psychologie12 gibt auf S. 419 an: Türkenkinder der 1. Generation in Deutschland mittlerer IQ 79, der 2. Generation IQ 83; Herkunftsland Türkei mittlerer IQ 89. Als man solche Zahlen 2005 auf meiner Homepage www.v-weiss.de lesen konnte, entfachte die türkische Zeitung „Hürriyet“ gegen Dieter Lenzen, damals Präsident der Freien Universität Berlin, und mich eine europaweite Kampagne, wir sollten uns entschuldigen. Zeitungen von der Geistesrichtung der „taz“ schlossen sich der Kampagne an.13 Als liberale türkische Journalisten darauf hinwiesen, es handele sich bei den IQ-Werten für die Türkei um nichts anderes als um die Umrechnungswerte der PISA-Tests, wie sie in der Türkei selbst durchgeführt und veröffentlicht worden sind, da brach die Kampagne zusammen. Sarrazin hätte man am liebsten gesteinigt, als er sich 2010 auf solche Zahlen stützte. Jetzt kann man sie in einem Hochschullehrbuch schwarz auf weiß als bestätigte Sachverhalte nachlesen.

Dummvolkung

Die Nachkommen der ab Herbst 2015 von der kinderlosen Pfarrerstochter nach Deutschland hereingelassenen Million und der wahrscheinlich noch willkommen zu heißende Familiennachzug sind in der hier eben zitierten Studie noch nicht enthalten. Die Dummvolkung14 wird sich demnach fortsetzen. In der Gegenwart zieht die Massenzuwanderung von Unqualifizierten eine raschere Absenkung der IQ-Verteilung nach sich als die der unterschiedlichen Kinderzahlen der Sozialschichten.
Das alles war im Prinzip schon 2010 bekannt.
Seit 2005 erforscht die Gruppe um den Wissenschaftler James M. Sikela an der Universität von Colorado die Vervielfachungen der Gene, in denen sich Mensch und Menschenaffen am stärksten unterscheiden, mit dem Ziel, die Grundlagen des menschlichen Denkvermögens zu entdecken. 2015 fanden sie, daß je Kopie des Proteins DUF1220, eingebettet in die Neuroblastom-Gen-Familie NBPF, der IQ um rund 3 Punkte ansteigt. Die Mäuse haben im Genom 4 Kopien, Schimpansen 138 und Menschen bis zu 300 Kopien, hochintelligente etwa 20 Kopien DUF1220 mehr als wenig intelligente Menschen. Die Kopien verhalten sich praktisch wie additive Allele auf nur einem komplexen Genlocus.15 Es gibt Belege dafür, daß die Kopien in einer bestimmten Ordnung aufeinanderfolgen, um Denkprozesse zu optimieren.16
Noch ist es leider technisch unmöglich, die Lage und Zahl der Kopien exakt zu bestimmen17, geschweige denn große Probandenzahlen oder Familien zu sequenzieren. Stellen sie sich vor, der Text eines dicken Buches mit einem sehr geringen Wortschatz sei in zigtausend sehr kleine Schnipsel zerlegt worden und ein Computerprogramm soll den Text wieder zusammenfügen. Noch scheitert jeder Computer an Seiten, auf denen sich das Wort „und“ (oder „DUF1220“) hundertfach wiederholt.
Bezahlbare Longread-Sequenzierungsmethoden sind erst in Entwicklung.
Es ist schlicht und einfach eine Unwahrheit, die Sequenzierung des menschlichen Genoms sei 2002 abgeschlossen gewesen.
 Fassen wir zusammen: Das Umschmeicheln der erwünschten Ideologie hatte bei dem Genetiker Tautz den Vorrang vor gesicherten empirischen Tatsachen. Der Beitrag von Tautz ist damit ein Zeugnis des teilweisen Fehlverhaltens eines eigentlich überdurchschnittlichen Wissenschaftlers, ein Verrat an der Logik seines Faches. Ein Lehrbuch der Psychologie berichtigt 2017 nicht nur Tautz und belegt einige wesentliche von Sarrazin behauptete Zusammenhänge, sondern markiert mit der Aufnahme dieser Daten in ein Hochschullehrbuch eine Zeitenwende. Das Lehrbuch enthält mit der größten Selbstverständlichkeit Daten und Zusammenhänge, die noch vor wenigen Jahren tabu waren, obwohl sie nichts weiter als wissenschaftliche Tatsachen sind.

Anmerkungen

1?https://idw-online.de/en/news384817
2?Weiss, Volkmar: Offener Brief an die Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina wegen einer Veröffentlichung ihres Mitgliedes Diethard Tautz im Geiste des Neo-Lyssenkoismus. Leipzig, Oktober 2017.
www.v-weiss.de/offbriefleopoldina.pdf
3?http://studgenpol.blogspot.de/2010/09/unsagliche-stellungnahme-des.html
4?Sonntag Nr. 20 (1963) S. 4–5
5?Erschienen 1968 in Stuttgart und Jena, jeweils im Verlag Gustav Fischer.
6?Weiss, Volkmar: Ergebnisse zur Genetik der mathematisch-technischen Begabung, erzielt mit soziologischer Methodik. Diss., Biowissenschaftliche Fakultät der Humboldt-Universität zu Berlin 1972
7?Jena: Gustav Fischer 1982. Erschienen als Band 12 der Reihe Genetik: Grundlagen, Probleme und Ergebnisse in Einzeldarstellungen, herausgegeben von Hans Stubbe
8?http://www.taz.de/!5098163/
9?Ausführliche Statistiken und Quellenangaben dazu in: Weiss, Volkmar: Die Intelligenz und ihre Feinde: Aufstieg und Niedergang der Industriegesellschaft. Graz, Ares 2012; 544 Seiten mit rund 1.300 Literaturangaben
10?Aktenzeichen der Polizei TH1280-010917-08/3, Aktenzeichen der Justiz 1143s31988/88
11?Stanat, Petra, et al.: IQB-Bildungstrend 2016: Kompetenzen in den Fächern Deutsch und Mathematik am Ende der 4. Jahrgangsstufe im zweiten Ländervergleich. Münster, Waxmann 2017
12?Neyer, Franz, und Asendorpf, Jens B.: Psychologie der Persönlichkeit. Lehrbuch. 6. Auflage. Berlin, Springer 2017
13?http://www.taz.de/!564315/
14?Von 1925 bis 1945 sprach man von „Umvolkung“ anstelle von „Assimilation“. Das Standardwerk dafür ist: Beyer, Hans Joachim: Umvolkung. Studien zur Frage der Assimilation und Amalgamation in Ostmitteleuroa und Übersee. Brünn: Rohrer 1945 (= Prager Studien und Dokumente zur Geistes- und Gesinnungsgeschichte Ostmitteleuropas 2). – Von FPÖ-Kreisen ausgehend, wird neuerdings „Umvolkung“ jedoch im Sinne von „Austausch“ oder „Verdrängung“ verwendet; die „Dummvolkung“ reflektiert in ironischer Weise diesen Gebrauch.
15?Weiss, Volkmar: Das IQ-Gen – verleugnet seit 2015. Eine bahnbrechende Entdeckung und ihre Feinde. Graz, Ares 2017
16?Perez, Jean-Claude: DUF1220 Homo sapiens and Neanderthal fractal periods architectures breakthrough. SDRP Journal of Cellular and Molecular Physiology 1 (July 2017)
www.openaccessjournals.siftdesk.org/articles/pdf/Homo-Sapiens-and-Neanderthal-fractal-periods-architectures-breakthrough20170711221400.pdf
17?Astling, David P., Heft, Ilea E., Jones, Kenneth L. and M. Sikela, James: High resolution measurement of DUF1220 domain copy number from whole genome sequence data. BMC Genomics 18 (2017) 614 doi.org/10.1186/s12864-017-3976-z

 
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