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Es leben meine Toten!

Von Dr. Tomislav Sunic

Die Antifa-Dämonologie und die kroatische Opferlehre


Die dämonologische, mythologische und kriminologische Schilderung Kroatiens im Zweiten Weltkrieg bildet noch immer die Grundlage für die Historikerzunft. Die verzerrte Geschichtsschreibung über Kroatien seitens der ehemaligen Systemhistoriker war die Hauptursache für das entstellte Geschichtsbewußtsein jugoslawischer Völker, was schließlich den Zerfall Jugoslawiens und den anschließenden Krieg von 1991 ausgelöst hatte. Im Lichte der neuen Forschungen, die zum Teil auf forensischen Untersuchungen basieren, deuten heute manche kritische kroatische Historiker, sogar in den etablierten Medien, auf viele fragwürdige Einzelheiten in der Prosa der ehemaligen Systemhistoriker hin. Im heutigen Kroatien, ähnlich wie in der BRD, will die Vergangenheit nicht vergehen. Das Hexenspiel mit Opferzahlen des Zweiten Weltkriegs tobt heftig weiter. Das Ustascha-KZ-Lager Jasenovac und der Schreckensname Ante Paveli?, der Name des Ustascha Staatsführers, der von 1941–45 in Kroatien regierte, wird weiterhin als Sinnbild für das absolute Böse hervorgehoben. Gelegentlich wird sein Name auch in bekannten Weltzeitungen als „einer der größten Massenmörder Europas“ als Warnzeichen gegen alle europäische Nationalisten verwendet.i


Nach jedem neuen Regimewechsel schwankt die offizielle Zahl der ehemaligen kroatischen Ustascha-KZ-Jasenovac-Opfer. Während der kommunistischen Herrschaft in Jugoslawien, d. h. von 1945 bis 1990, wurde die offizielle Zahl der dort ermordeten Serben, Juden, Zigeuner und Kommunisten in Schulbüchern mit „700.000“ festgesetzt. Nach dem Zerfall Jugoslawiens 1991 wurde in Kroatien die Zahl der Opfer um das Zehnfache verringert, das heißt auf die Zahl von „70.000“ Toten beziffert. Tudjman selbst schrieb in seinem umstrittenen Buch, welches zwei Jahre vor dem Zerfall Jugoslawiens veröffentlicht wurde, daß „ in Jasenovac wahrscheinlich zwischen 30. 000 bis 40.000 Gefangene gestorben sind; meistens Zigeuner, Juden, Serben und Kroaten“.ii In diesem Buch hatte sich Tudjman auch kritisch gegenüber den medialen „Dämonologen“ des kroatischen Volkes geäußert, die über „den Jasenovac-Mythos und die These von angeblicher Genozidität der Kroaten“ schreiben.iii Diese Worte haben ihn, sowie das ganze Kroatien nach seiner Unabhängigkeitserklärung schwer belastet. Einige nationalistische kroatische Autoren gehen heute noch weiter und senken die Zahl der ermordeten Serben, Juden und Kommunisten im Jasenovac-KZ-Lager auf magere „500 bis 700“ Tote.iv Meistens sind es Polemiker, die einseitig mit Jasenovac-Opferziffern spielen und die sich nur auf ex-jugoslawische bzw. kroatische Archivbücher berufen.


Das Herumbasteln mit den Ustascha-Opfern ist noch immer eines der zentralen Anliegen im Zweikampf der Opferlehren zwischen Serben und Kroaten. Bis heute jedoch, trotz des Endes des jüngsten Krieges, wurde von der Historikerzunft keine endgültige Lösung gefunden. Das Ustascha-Lager Jasenovac gilt weiterhin als „off limits“ in Kroatien bzw. außerhalb der Grenzen wissenschaftlicher Bearbeitung. Keinerlei Ausgrabungen in dem Jasenovac-Lager werden derzeit in Kroatien gestattet. In bezug auf das Schicksal der ermordeten Juden, die angeblich als „Kapos“ in Jasenovac tätig waren, soll man auf Angaben von dem bekannten Ex-Bolschewiken Ante Ciliga – auch ein guter Bekannter von Tudjman und ein ehemaliger Jasenovac-Insasse – vertrauen. Ciliga war nach dem Zweiten Weltkrieg in den Umkreis der nationalistischen Exilkroaten in Italien geraten, obgleich seine Bücher über die sowjetische Betonsprache und kommunistische Doppelzüngigkeit häufig in politologischen Kreisen Frankreichs zitiert werden.v


Laut manchen kroatischen Historikern, die man heute oft in den etablierten Medien in Kroatien liest, wurde Jasenovac zwischen 1945 und 1947 von den jugoslawischen Kommunisten in ein Lager für antikommunistische Kroaten und Volksdeutsche umgewandelt. Zehntausende Gefangene sollen dort von den jugokommunistischen Wachen nach dem Zweiten Weltkrieg ermordet worden sein. In der meistgelesenen kroatischen Tageszeitung gab es unlängst einen Aufsatz über „das Nachkriegslager und Schafott Jasenovac“. „Das ist jedoch nur ein Rad, welches einen weiteren Durchlauf in den Enthüllungen ermöglicht und welches niemand mehr aufhalten kann“.vi


Das ehemalige KZ Jasenovac spiegelt nicht nur eine tiefe Spaltung zwischen den sogenannten antifaschistischen und nationalistischen Historikern in Kroatien wider, sondern steht auch als Symbol für zwei zusammenstoßende Opferlehren zwischen Serben und Kroaten sowie für die verschiedenen Opferlehren europäischer Nationalisten jeglicher Couleur. Nach den jüngsten Wahlerfolgen nationalistischer Parteien in Europa wäre es naiv, über „eine europäische gemeinsame nichtislamische oder weiße Heimat" zu phantasieren, wenn man bedenkt, daß sich ein polnischer Nationalist völlig anders als sein deutschnationaler Kollege auf den Bromberger Blutsonntag 1939 oder auf die Geschichte Schlesiens besinnt. Das neueste Beispiel zusammenstoßender europäischen Opferlehren ist die gegensätzliche historische Erinnerung pro-russischer und ukrainischer Nationalisten in der Ukraine.

Der endlose Krieg der Erinnerungen beinhaltet immer seine Helden und seine Unpersonen, seine Dämonen und seine Gutmenschen. Wenn die historische Erinnerung verlangt, daß man seinen Feind im voraus als den bösen Geist darstellt, kann folglich des besiegten bösen Geistes nicht länger als eines menschenwürdigen Opfers gedacht werden. Andererseits: Die kroatische Nachkriegskatastrophe mit ihren hunderttausenden Toten, die als „Bleiburger Tragödie“ im heutigen Kroatien sehr oft thematisiert wird, ist in den westlichen Medien und im Schulwesen kaum bekannt. Außerhalb des jüngsten und gut belegten Buches des Historikers Florian Thomas Rulitz über die kroatische Bleiburg-Katastrophevii, neigen viele nationalgesinnte kroatische Autoren dazu, die Bleiburg-Katastrophe hochzuspielen und einseitige, hochpolemische Traktate über die Serben zu schreiben. Außerdem hat die Opferzahl der kroatischen Bleiburg-Katastrophe eine andere Bedeutung für einen ehemaligen kommunistischen Politiker im heutigen Kroatien, eine andere für einen serbischen Bauern, der in der Nähe der kroatischen Kleinstadt Sisak wohnt, und wieder eine völlig andere Bedeutung für einen kroatischen Bauern aus der gleichen Nachbarschaft, geschweige denn für die vielen alten Exilkroaten, die in Santiago, Stuttgart oder Sydney wohnen.


Die Eingeweihten und die Ausgegrenzten; Negative politische Legitimität

Die heutigen antifaschistischen Erzählungen gleichen oft den alten europäischen Mythen, Sagen und Dämonologien. Irgendwelche Dämonologie mit ihrer selbstgefälligen Opferlehre ist eine Sache des Glaubens, eine Art des Kollektivmythos, genauso wie der heutige Demokratismus ein Mythos ist oder jener von der Ewigkeit der Europäischen Union oder jener des grenzenlosen Wirtschaftswachstums. „Für viele Zeitgenossen ist die Demokratie nicht eine Lehre, über die man diskutieren soll. Sie ist keine ‚Tatsache‘, die die Erfahrung widerlegen kann. Sie ist die Wahrheit eines Glaubens, die unbestritten bleiben muß".viii Es ist naiv zu glauben, daß die antifaschistischen Dämonologien mit Argumenten widerlegt werden können. Angenommen, daß die heutigen antifaschistischen Dämonologien tatsächlich eines Tages als unzeitgemäß oder als groteske Fabelei abgeworfen werden; an ihre Stelle träte schnell ein neuer Mythos mit einem neuen Reich der Gutmenschen und mit seiner Unterwelt des Bösen. Die Zeit der Aufklärung im 18. Jahrhundert konnte die alte christlich-geprägte Dämonologie loswerden, nur weil an ihre Stelle aufgeklärte politische Märchen, wie der Mythos des Gutmenschen und der Mythos des permanenten Wirtschaftswachstums, treten konnten. Das tiefsinnige psychologisch-geprägte deutsche Wort „Gutmensch“, das heute sehr anschaulich die selbstzensurierenden und hypermoralistischen Akademiker und Journalisten in der BRD bzw. Europa bezeichnet, kann schwer in andere Sprachen übersetzt werden. Man kann es jedoch mit dem Ausdruck „der Dämon des Guten“ bezeichnen, wie der Titel des neuen Buchs von Alain de Benoist heißt („Les Démons Du Bien“, Paris 2014), wo er die Psychologie der heutigen medialen Schickeria seziert:

Das zentrale Element bezüglich der Opfehrlehrenüberbietungen ist ‚die Erinnerungspflicht‘. Die Erinnerung bleibt ein Bestandteil am Randbereich des Vergessens, zumal, da man sich nur daran erinnern muß, was nicht vergessen werden soll. Jede Erinnerung ist höchst selektiv. Einer der Höhepunkte der ‚Erinnerungspflicht‘ ist die Unverjährbarkeit des ‚Verbrechens gegen die Menschlichkeit? – ein Begriff, der völlig sinnlos ist. Wörtlich genommen, kann nur ein Außerirdischer ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit begehen.“ix


Sollte jemand heute zufällig wagen, seine Mißbilligung gegen den Multikulturalismus-Mythos oder gegen den idyllischen Mythos des Zusammenlebens eines Bauern aus Südtirol mit einem Afrikaner oder mit einem LGTB-Agramer Päderasten in Frage zu stellen, gerät er prompt ins Visier der Systemdämonologie.

Akademische Forschungen in allen Bereichen der Geisteswissenschaften sind immer noch von historischen und politischen Umständen bestimmt. Ohne Stalin und ohne Kommunisten hätten die westlichen Alliierten nie den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Ohne Roosevelt und das kapitalistische Amerika hätten Stalin und der Jugoslawe Tito auch nie den Zweiten Weltkrieg gewonnen. Heutiger geisteswissenschaftlicher Unterricht an Universitäten in Amerika und Europa hat nicht bloß den politpädagogischen Zweck der Umerziehung, sondern dient auch als Mittel, die Uneinsichtigen mit einem Einzelfahrschein in die Dämonenunterwelt des Systems hinunterzuwerfen. Das System kann nicht funktionieren, ohne vorerst seine negative Legitimität durch die Dämonisierung der Andersdenkenden sicherzustellen. Das Lager Auschwitz wurde von der Roten Armee Ende Januar 1945 befreit, obwohl die Rote Armee auf ihrem Weg nach Auschwitz hunderttausende deutsche Zivilisten liquidiert und in die Unterwelt geschickt hatte. Auch der alte antike Heide Herakles oder Vergils Held Aeneas mußten sich zuerst in Gutmenschtugenden einweihen lassen und die Rechtschreibung der Unterweltkommissare erlernen, ehe sie die Erlaubnis zu einer Visite der Leidenden in der Unterwelt erhielten. In gleicher Weise muß heute ein ausgegrenzter Europäer, der die Unterwelt der Systemleute durchsuchen will, zuvorderst viel Mut haben und er muß die Rechtschreibung der Systemsprache auswendig lernen. Man soll jedoch nie das System und seine Dämonologen überschätzen: „Als der Kerberus Herakles erblickte, floh er zitternd zu seinem Herren, dem Unterweltskönig, und verbarg sich unter dem Thron des Hades.“x


Im Rückblick auf die alten europäischen Mythen, mit ihren surrealen Entstellungen und hyperreal Ungeheuren, muß man feststellen, daß sie mehr historische Glaubwürdigkeit als alle moderne Opferlehren haben. Friedrich G. Jünger hat diese Überlebensformel für jeden freidenkenden Menschen, der die Systemzeiten bekämpft, vorgeschlagen, wobei sich jeder immer der bestraften und extrem leidenden Titanen in der Unterwelt besinnen muß: „Er erfährt an sich die Kräfte der Titanen, er lebt mit ihnen. Der Fischer und Schiffer, der sich auf die Wasser hinauswagt, ist im titanischen Element. Dem Hirten, dem Bauern, dem Jäger geschieht in ihrem Bereich das gleiche.“xi Alte europäische Mythen, Sagen und Legenden gedeihen in Zeitlosigkeit; sie trotzen jeder Geschichtlichkeit. Dies ist der Hauptgrund, warum sie nie dogmatisch sein können und keinerlei Eingriffe der Gesinnungspolizei brauchen, um sich glaubhaft zu machen.


Die Totenkulte

Darüber hinaus stellen sich viele ausgegrenzte Völker der historiographischen Dämonisierung ihrer eigene Geschichte entgegen, die oft aus subjektiven und hypermoralistischen Erzählung besteht und deren Hauptzweck ist, die eigene Totenabrechnung zu erhöhen und die Verluste der anderen Seite zu vermindern. Jede Dämonologie in bezug auf fremde Unwesen trägt immer ein engelhaftes Gegenbild – mit ihren eigenen zusammengeschusterten Opferlehren. Schließlich hatte auch der Henker von Maria Theresias Tochter in Paris 1792 seine eigene Opferrolle; nach der Enthauptung von Marie Antoinette ging er nach Hause zu seiner schwer erkrankten Frau.


Zudem spielt jede Opferrolle, einschließlich jene der Kroaten im Hinblick auf ihre Bleiburger Tragödie, letztlich eine rachsüchtige Rolle. Das beste Beispiel war der zweimalige Fall Jugoslawiens vor seiner Auflösung 1941 und 1991. Ein verlogener Krieg der historischen Erinnerungen mußte unausweichlich zum Haß und nachfolgendem bewaffneten Konflikt im Jahre 1991 führen. 25 Jahre nach der Neugründung Kroatiens bleibt die Erinnerungskultur des kroatischen Volkes sehr oft auf ein bloßes Anti-Serbentum fixiert. Für viele kroatische Nationalisten kann man nicht ein guter Kroate sein, ohne zuerst ein guter Anti-Serbe zu sein.

Andererseits wird man auch Zeuge von dämonologischen Schilderungen des kroatischen Volkes, die vor allem von ehemaligen kommunistischen Apparatschiks und ihren antifaschistischen Mythographen gefördert werden. Eine erhebliche Zahl von Historikern in Kroatien sowie in ganz Europa greift erneut zu ihrem antifaschistischen Bestiarium. In ähnlicher Weise handelte auch der Sohn eines bekannten jugokommunistischen Kommissars, der kroatische Staatspräsident Ivo Josipovi?, in seiner Rede vor der Knesset in Israel im Februar 2012, wo er die kroatischen Ustascha-Schlangen schnell ergriff: „Einige Angehörige meiner Nation arbeiteten systematisch daran, Teile der Menschheit im Zweiten Weltkrieg zu vernichten. Wir müssen unser Herz anschauen, auch den dunkelsten Fleck unserer Geschichte. Wir müssen wissen: Die Schlange ist schwach, aber sie ist immer noch da.“xii

Kann das System und seine postkommunistischen und liberalen Ableger in Zagreb, Wien oder Brüssel überhaupt überleben, ohne antifaschistische Schlangen; ohne ihre Toten stets zu beschwören bzw. ohne ihren Hausdämon Ante Paveli? – und ohne den zeitlosen Weltdämonen Adolf Hitler? Auch die heutige Erinnerungskultur an die Leiden der Juden im Zweiten Weltkrieg hat seit langem eine transzendente Rolle erhalten, die weit über den einzigartigen historischen Massenmord hinausragt. Im Gegensatz zum Mythos spielt die Holocaust-Erinnerung eine didaktische und identitäre Rolle, die zugleich zeitlos bleiben soll, obgleich sie von einer geschichtlichen und einer präzisen Zeitspanne bestimmt wird. Der ehemalige Bundespräsident Horst Köhler war sich dessen bewußt, als er in seiner Rede 2005 vor der Knesset in Israel sagte: „Die Verantwortung für die Shoa ist Teil der deutschen Identität.“xiii Der verstorbene Theoretiker der Postmoderne, Jean Baudrillard, hatte schon lange in Hinblick auf diese neue Problematik der Ersatzidentitäten geschrieben: „Die Rhetorik und die Symbolik des Holocaust funktioniert nicht mehr als Ort der Vernichtung, sondern als Medium der Abschreckung.“xiv


Mythos und Religion sind nicht Synonyme. Es gibt einen großen Unterschied zwischen beiden. Religion und Ideologie sind immer zeitbestimmt, ganz im Gegensatz zu Mythen, die immer zeitlos bleiben sollen. Kann man Jesus Christus als eine mythische oder vielmehr als eine historisch-religiöse Figur betrachten oder als beides, als einen vorderasiatischen Offenbarungs-Hokuspokusmann oder als einen Wüstenfakir, der im multikulturellen Römischen Reich den Leuten mit Migrationshintergrund die Leviten liest? So schilderte ihn schon vor einhundert Jahren der Schriftsteller Oskar Panniza, wobei er anmerkte, daß „das Christentum zu uns aus dem Orient kam, anfänglich direkt, später fast nur mehr über Rom. Was für römisch-orientalischer Dreck auf diesem Wege bei uns abgelagert worden ist, ist unermeßlich.“xv

In dem sogenannten aufgeklärten und freiheitsliebenden modernen System werden die Bürger in eine Fülle von bizarren infra-politischen Mythen verstrickt, in eine Vielzahl von dämonologischen Erzählungen eingepackt, vor allem von den Erzählungen, die sich mit der Wiederbelebung ihrer Toten befassen. Das größte Problem jeder Opferlehre ist, daß sie gar nicht zum gegenseitigen Verständnis der Völker führt, sondern nur den gegenseitigen Haß weiter vertieft, wie man es heute täglich in modernen Multikultigesellschaften sieht. Es ist daher sinnlos, mit modernen Dämonologen und Viktimologen zu debattieren, auch wenn man empirische Anlagen anbietet. Alle Leute sprechen zurecht davon, daß „jedes Opfer, unabhängig von seiner Größe und Zahl Respekt verdient“. Wenn man jedoch diesen Ukas in Kroatien heute verwendet, nämlich die offizielle Zahl von 70.000 Ustascha Opfern des Lagers Jasenovac akzeptiert, dann bleiben immer noch 630.0000 Menschen übrig, die laut jugokommunistischer Geschichtsschreibung in Jasenovac gestorben sind. Das ist keine Kleinigkeit für ein kleines Kroatien, geschweige denn für die großen mythischen Geschichten oder die moderne antifaschistische Dämonologie. Morgen, wenn eine neue Dämonologie in Mode kommt, werden die Gutmenschen ihre alten Götzen schnell verneinen und ihre neuen Laren und Penaten anbeten.


Dr. Tomislav Sunic ( www.tomsunic.com) ist ehemaliger Professor für Politikwissenschaft in den USA und ehemaliger kroatischer Diplomat. Chroniques des temps postmodernes (Avatar, 2014) ist der Titel seines neuen Buchs in französischer Sprache.

i Sam Sokol, „Hundreds attend Zagreb mass in honor of ‚one of Europe’s biggest mass murderers“, The Jerusalem Post, 29. Dezember, 2014.

ii Franjo Tudjman, Bespu?a povijesne zbiljnosti (Zagreb: Matica Hvatska, 1989), S. 316. Auf Deutsch: Irrwege der Geschichtswirklichkeit. Eine Abhandlung über die Geschichte und die Philosophie des Gewaltübels (Zagreb, Školska knjiga, 1993).

iii Ebenda, Seite 9–23.

iv Cf. Mladen Ivezi?, Titov Jasenovac (Zagreb: Samizdat, 2014).

v Ante Ciliga, Dix ans au pays du mensonge déconcertant (Paris: Champ Libre, 1977).

vi Zvonimir Despot, „Jasenovac je i poslije rata bio logor a vjerojatno i stratište“, Ve?ernji List-Obzor, 10. Januar 2015.

vii Thomas Florian Rulitz, Die Tragödie von Bleiburg und Viktring (Klagenfurt: Hermagoras Verlag, 2011). Das Buch erscheint voraussichtlich diesen Sommer in englischer Sprache (The Tragedy of Viktring and Bleiburg, im Northern Illinois University Press Verlag) mit einem Vorwort von Dr. P. Gottfried und einem Nachwort von Dr. T. Sunic.

viii Louis Rougier, La mystique démocratique (Paris: Albatros 1983), S. 13.

ix Alain de Benoist, Les Démons du Bien (Paris: Pierre-Guillaume de Roux, 2014), S. 34–35.

x Karl Kerényi, Die Mythologie der Griechen, Band II (München: DTV, 1988), S. 145.

xi Friedrich Georg Jünger, Die Titanen (Frankfurt: Klostermann, 1944 ), S. 97.

xii „Croatia president apologizes to Holocaust survivors“, The Jerusalem Post, den 16. Februar, 2012.

xiii „Verantwortung für die Shoa ist Teil der deutschen Identität“, FAZ, 2. Februar 2005.

xiv Jean Baudrillard, The Evil Demons of Images (University of Sydney: The Power Inst. of Fine Arts, 1988), S. 24.

xv Oskar Panizza, Der teutsche Michel und der römische Papst (Leipzig: Verlag von Wilhelm Friedrich, 1894), S. 202.

 
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